Ich würde gerne eine Geschichte mit Schwertkämpfen schreiben, mir fehlen leider nur gute Beschreibungen. Kann jemand helfen?

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4 Antworten

Das ist keine leichte Aufgabe, da man in einem Buch derartige Kämpfe nicht so eindrucksvoll schildern kann wie beispielsweise in einem Film. Daher werden derartige Szenen entweder arg gekürzt oder durch entsprechende Nebensituationen anschaulicher gestaltet.

Wenn du interessante Kämpfe in deine Geschichte einbauen willst, musst du einige Dinge beachten:

.) Es kämpfen niemals Waffen, sondern Charaktere.

Ignoriere die Schwerter, der Kampf zweier Figuren ist ein Kampf ihrer Charaktere, wie ein Streitgespräch nur physisch.

Hast du eine Figur mit verschlagenem, verlogenem Charakter? Dann lass sie mit Sand werfen, ausweichen, turnen, klettern und dann zuschlagen wenn sie sich ihres Sieges sicher ist.

Hast du eine sanftmütige Figur, die stets an andere denkt und hilft wo sie kann? Dann lass sie absichtlich Schläge einstecken, sie will den Kontrahenten nicht töten, sondern ihm helfen, ihn retten, ihn von etwas überzeugen, sie schützt Zuschauer des Kampfes

hast du eine grausame Figur? Dann lass sie Zuschauer in den Kampf miteinbeziehen und Wunden zufügen die mehr schmerzen als dass sie Schaden verursachen

etc.etc.

.) Die Umgebung kämpft mit.

Stell dir dazu am besten einen Kampf in einem Wirtshaus vor. Hat es je einen solchen Kampf gegeben ohne dass das Mobilar, die Küchengeräte, die Kerzenhalter miteinbezogen wurden?

.) Es ist nicht wichtig was die Figuren tun, sondern was sie tun wollen.

Die Figur schlägt nicht einfach gegen den Hals des Gegners, sie hat etwas damit vor, will etwas bewirken, wollte vielleicht etwas ganz anderes und hat einen Fehler gemacht

.) Der Kampf im Kopf

Ebenso wie die Figuren etwas vor haben, Pläne verfolgen, so sind sie während des Kampfes mit Gedanken beschäftigt. Warum kämpfen sie, welche Differenzen haben zu dem Kampf geführt, wie planen sie den Kampf zu beenden, etc.etc.

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Also ich finde das schwierig. Ich mache selber Schwertkampf; ein "echter" Duellkampf dauert meistens nicht sehr lange. In Filmen usw wird das natürlich anders dargestellt.

Die Begriffe für historische Techniken sind zum Teil halt "alte" Wörter, damit ein Laie kann einfach nichts anfragen.

Aber ich werf dir mal ein paar Begriffe und Beschreibungen in den Raum, mit die du vielleicht nutzen kann:

Beispielhafte Grundhaltungen des Schwerts (in eigenen Worten): 

Auf der Schulter ruhend, Spitze nach oben (wachsam, kampfbereit)

Spitze nach unten zum Boden gerichtet (scheinbar passiv, jedoch bereit und herausfordernd, provoziert, stellt eine Falle)

Schwert weit "ausgeholt" auf der Schulter liegend (bereitet einen sehr starken Wuchtschlag vor/Hieb vor, kann aber auch eine Falle sein)

Schwert hoch über den Kopf gestreckt, Spitze nach oben: Will von Oben schlagen, kann ebenfalls eine Finte sein)

Schwert vor dem Körper, Spitze zum Kopf/Brust des Gegner zeigend: sichere Ausgangshaltung, jedoch jederzeit zum Stich oder auch Hieb bereit

Schwert vor dem Körper, Spitze zum Kopf/Brust des Gegners, jedoch lang ausgestreckt(e) Arme

Schwert über dem Kopf, Spitze zum Gegner: Aggressive, bedrohliche Haltung

Mit einem Schwert kann verschiedene Dingen tun:

- Hieb (Hau, Schwerthieb, Schlag, Wuchtschlag...)

- Stich (Stoß, Schwert schnellt gerade nach vorne usw)

- Schnitt (Schwert wird "angelegt" und dann zur Seite gezogen, Sägebewegung)

Bei engem Kontakt/im Ringen: Knaufstoß, oder Stoß mit der Parierstange zum Kopf 

Es gibt einen Hieb, bei dem dreht man das Schwert herum, greift es an der Klinge und Schlägt mit der Parierstange (die meist angeschliffen war) zu - das ist ein tödlicher Hieb, auch gegen Helme usw!)

Parieren (Blockieren, Schwert aufhalten)

Kontern (Parieren und Gegenangriff starten)

Ausweichen, zurückweichen usw

Annähern, Anschleichen

 Halbschwerttechniken (beim zweihändig geführten Schwert): Man greift mit einer Hand an die Klinge, kann so wenn man nach beieinander steht Wurftechniken anwenden. Man kann einen Schlag von Oben parieren und anschließend den Gegner damit werfen. Liegt der Gegner am Boden oder kann sich (kaum) noch wehren, kann man mit der Haltung auch einen gezielten Stich setzen, zb in einen Ungeschützten Bereich zwischen Rüstungsteile hindurch (Sehschlitz, Hals...)

Es gibt Entwaffnungstechniken, auch alle wenn man eng beieinander steht. Da kann man übrigens auch mal treten oder mit der Faust zuschlagen.

"Peitschenhieb": Bei einem zweihändigen Schwert, kann man das Schwert nur in eine Hand nehmen, es am Ende fassen (um die Reichweite zu verlängern)  und einen ausladenden "Schwunghieb" zb gegen die Beine setzen. Ist ein unkontrollierbarer und gemeiner Hieb, danach muss man aber sehen dass man sein Schwert wieder anständig in die Hand nimmt, und zwar rechtzeitig. ;-)

Ich hoffe das hilft etwas weiter. Ansonsten würde ich auch bei einer Zählung immer noch das Umfeld mitnehmen, Objekte hinter die man sich stellen kann, die man werfen kann, usw. 

Viel Erfolg!

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Ayamiko 06.10.2016, 13:51

Wow :o vielen vielen dank

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Failea 06.10.2016, 16:00
@Ayamiko

Bitte, ich hoffe ich konnte helfen ;)

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Hallo Ayamiko,

als Autor erschaffst du immer eine eigene Welt. Deine Welt ist immer fiktiv. Egal wie realistisch du alles gestaltest am Ende ist es immer eine Fiktion, selbst wenn deiner Geschichte wahre Ereignisse zu Grunde liegen. 

Viele wichtige ist für deine Welt, damit sie glaubhaft ist, dass du ihre Regeln konsequent einhältst. Wenn du zu Beginn etwas definierst, dann musst du dich auch daran halten oder wenn du es nicht tust, auch erklären innerhalb deiner Geschichte warum es nun eine Ausnahme ist.

Fantasygeschichten bieten diesbezüglich viele Chancen aber auch Risiken. Der Leser kennt deine Welt nicht. Du kannst alles Bestimmen. Du kannst alles schaffen. Du bist völlig frei. Dein Leser lässt sich auf deine Welt ein. Aber bedenke, eine Geschichte ist immer eine Illusion. Du hast zu Beginn den Vorteil, dass der Leser deine Illusion glauben will und wenn du gut bist, dnan tut er das auch bis zum Ende. Aber wenn du ihn betrügst und er merkt, dass es eine Illusion ist, wird er sie hinterfragen und irgendwann aussteigen, weil er deine Geschichte nicht mehr glaubt. 

Du kannst das für dich nutzen. Du kannst deine Schwertkämpfe so gestalten, wie du das möchtest. Du bist frei. Du musst dich nicht an echte Kampfregeln halten. Schau dir Star Wars an. Du kannst deine Kämpfer springen lassen und mit abstrusen Phantasiewaffen kämpfen lassen.

Ein weitere guter Tipp ist Recherche. Recherche wird in meinen Augen von den meisten Schreiberlingen unterschätzt dabei ist es so wichtig und macht am Ende des Tages den Unterschied aus. Wenn du über irgendetwas schreibst, was du nicht kennst, dann bedienst du dich am Wissen Dritter. 

Ich war nie Polizist oder Staatsanwalt oder sonst etwas in der Richtung. Würde ich jetzt einen Krimi schreiben, würde mein ganzes Wissen aus dem Wissen aus Filmen oder Büchern bestehen. Es ist Wissen von anderen. Und so steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ich Klischees wiedergebe.

Meine Figur hätte einen Partner. Sie würden Beweiße sammeln, Leute verfolgen, Verdächtige ausquetschen, Wohnungen durchsuchen, etc. Du weißt was ich meine. Aber vermutlich sehen echte Ermittlungen ganz anders aus.

Würde ich jetzt Recherchieren, dann wüsste ich aus was es an kommt. Wie echte Ermittler reden. Was die echten Hürden sind. Meine Geschichte wäre viel besser und viel spannender, weil ich dem Leser, nicht das vorkauen würde, was er schon aus anderen Werken kennt. Du darfst nie vergessen. Deine Leser lesen auch das was du liest.  

Deswegen mein Rat, wenn in deiner Geschichte Schwertkämpfe wichtig sind und es um Schwertkämpfer geht, dann besuche einen Fechtkurs. Du wirst die Begriffe lernen und wie man kämpft und kannst mit anderen Kämpfern sprechen. Dein Horizont wird sicher erweitern und du wirst einen anderen Blick auf die Sache haben. 

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Er hob sein Schwert und stieß es mit voller Wucht dem Gegner entgegen, der im letzten Moment parierte. Die Schwerter krachten klirrend und Funken schlagend aufeinander. Der Ritter spürte den Schlag im ganzen Körper. Er bebte und wich zwei Schritte zurück, während der andere ihm nachsetzte. Ein weiterer Schlag. Er musste sich zwingen sein Schwert nicht fallen zu lassen, so sehr schmerzten seine Hände. Und wieder holte der Gegner aus. Wie in Zeitlupe sah der Ritter das Schwert auf sich niedergehen, als sich plötzlich aus dem Auge des Gegners von hinten eine Pfeilspitze bohrte, dieser mit noch erhobenen Schwert erstarrte und dann nach vorne in den Dreck fiel. Der Ritter sah sich um. Das Feld war übersät von blutigen Leichen. Er wandte sich dem nächsten Gegner zu.

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