Ich verstehe den folgenden Satz aus der Bibel (Ex. 20, 4) nicht - kann mir da wer weiter helfen?

8 Antworten

Vielleicht hilft es Dir ja auch, wenn Du den Vers 5 (den Anfang davon) noch dazunimmst (Luther2017):


4 Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist:
Bete sie nicht an und diene ihnen nicht!

Es geht also um die Anbetung von Götzenbildern.

Ganz anschaulich wird das auch in Jesaja erklärt:

(Jesaja 44:14-17)

14 Da ist einer, dessen Geschäft es ist, Zedern umzuhauen; und er nimmt eine gewisse Baumart, ja einen stattlichen Baum, und er läßt ihn für sich unter den Bäumen des Waldes stark werden. Er pflanzte den Lorbeerbaum, und der strömende Regen selbst läßt ihn groß werden. 

15 Und er ist [etwas] geworden, was dem Menschen [dazu dient,] ein Feuer in Brand zu halten. So nimmt er davon, um sich zu wärmen. In der Tat, er legt ein Feuer an und bäckt tatsächlich Brot. Er arbeitet auch an einem Gott, vor dem er sich niederbeugen kann. Er hat es zu einem geschnitzten Bild gemacht, und er wirft sich davor nieder. 

16 Die Hälfte davon verbrennt er tatsächlich im Feuer. Auf der Hälfte davon brät er das Fleisch gar, das er ißt, und er wird satt. Er wärmt sich auch und sagt: „Ha! Ich habe mich gewärmt. Ich habe den Feuerschein gesehen.“ 

17 Aber den Rest davon macht er tatsächlich zu einem Gott selbst, zu seinem geschnitzten Bild. Er wirft sich davor nieder und verbeugt sich und betet zu ihm und spricht: „Befreie mich, denn du bist mein Gott.“


Nein, die "Darstellung von etwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde" bezieht sich auf das Anfertigen von Götzenbildern. In vielen Kulturen und Religionen wurden Himmelsbilder, Pflanzen (z. B. besondere Bäume), Tiere usw. als Gottheiten angebetet. Zu ihrer Verehrung wurden Götzenbilder angefertigt. Das Volk Israel hat selbst nach dem Auszug aus Ägypten ein goldenes Kalb angebetet und damit ihren Ungehorsam Gott gegenüber gezeigt. Auf solche Götzenbilder bezieht sich das Gebot.

Du kannst also jegliche Art von Tier-, Pflanzen- und Naturbildern zeichnen, fotografieren und ins Zimmer hängen. Aber du darfst diese Bilder nicht anbeten. Darum - um das Verbot von Götzendienst - geht es in 2. Mose 20,4.

In der MacArthur-Studienbibel findet sich dazu: "Die Art und Weise, wie der einzig wahre Herr angebetet werden soll, untersagt jeden Versuch, ihn durch etwas von ihm Geschaffenes darzustellen oder zu repräsentieren. Hier ging es nicht um ein absolutes Verbot von künstlerischem Ausdruck, sondern um das absolute Verbot von götzendienerischem und falschem Gottesdienst. Verstöße gegen dieses Gebot sollten schwerwiegende Konsequenzen für nachfolgende Generationen haben, weil der Herr völlige und ausschließliche Weihe forderte, d.h. er ist ein eifersüchtiger Gott (vgl. 34,14; 5Mo 4,24; 5,9). Die Verehrung von Repräsentationen, die ein Mensch angefertigt hat, war nichts Geringeres als Hass gegen den wahren Gott."

Es heißt konkret nicht, dass man kein Bild oder keine Fotografie besitzen bzw. aufhängen dürfte. Beachte bitte den Zusammenhang. Im Vers zuvor sagt Gott: "Du sollst keine anderen Götter wider mein Angesicht haben" und zuvor bezeichnet er sich als den Gott, der Israel aus der Sklaverei Ägyptens herausgeführt hat.

In diesem Zusammenhang hat Gott es verboten, Bilder oder Statuen oder ähnliches als Götzen oder Abbild Gottes zur Anbetung zu verwenden. Das war ja in Ägypten gang und gäbe und leicht hätte es den Israeliten passieren können, dass sie das übernommen hätten -- was ja durch die Anbetung eines goldenen Kalbes auch fast passiert wäre.

Dass das Verbot sich nicht auf Bilder oder künstlerische Darstellungen im allgemeinen bezog, wird auch dadurch deutlich, dass es in der Stiftshütte der Juden und auch später im Tempel, Darstellungen von Engeln und Pflanzen gab, die aber dem Schmuck oder der Verzierung dienten und nicht angebetet wurden.

Unter diesem Aspekt muss die Madonnen-Verehrung oder die Anbetung von Ikonen kritisch betrachtet werden.

Ich hoffe, ich habe das einigermaßen verständlich erklärt.

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