Ich muss eine Aufgabe in Philo beantworten könnt ihr mir bitte helfen : wodurch lässt sich der Aufruf zum Widerstand gegen die Staatsgewalt rechtfertigen?

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4 Antworten

Ich würde sagen, dass es sehr interessant ist zu sehen, wie sich Staats-Theorien über die Jahrhunderte entwickelt haben - aus ganz unterschiedlichen Perspektiven und Triebkräften. Aber aus meiner Sicht (als unverdrossener Anhänger der Aufklärung) ist nur eine Fundamentalaussage übrig geblieben, die gute Aussicht hat, auch noch in hundert oder tausend Jahren zeitgemäß und unwiderlegbar zu sein: Die Proklamation der Menschrechte. Menschenrecht ist Naturrecht. Und es ist Naturrecht weil es logisch ist. Und es ist logisch weil die Gültigkeit einer gegenteiligen Behauptung nicht beweisbar ist. (Negativ- oder Passivbegründung - gegenteilige Aussagen müßten Wertvorzugstheorien oder -hierarchien positiv beweisen können - Philosophie: Problem der Letztbegründung oder sog. All-Aussagen). Es gibt zwar häufig die Verwechselung zwischen Ethik und Moral und natürlich habe ich auch die Option zu behaupten, dass 2+2=5 ist und ich kann Menschen auch solange unterdrücken und quälen bis sie dem zustimmen wenn ich die Macht dazu habe - aber es bleibt falsch. Und Wahrheit ist am Ende auch durch die perfekteste Diktatur nicht perfekt dauerhaft kontrollierbar.

Der systembedingte Verstoß gegen die Menschenrechte und die strukturelle Gewalt des Systems gegen den Menschen als Individuum,- darin bildet sich für mich primär die Grundlagen für eine Entscheidung zum Widerstand gegen das System aus.

Nachfolgend würde ich jedoch unterscheiden zwischen den Möglichkeiten, die mir ein jeweiliges Unrechtssystem läßt, um Widerstand zu leisten. Solange es für mich die Option der real wirksamen Einmischung in Meinungsbildungsprozesse gibt, also tatsächliche Partizipationsmöglichkeiten und die Bewahrung der menschlichen Existenz als potentielle Grundlage für diese Einmischung sehe ich keinen Legitimationsgrund für gewaltsamen Widerstand. - Aber nicht immer sind die Verhältnisse so klar wie beim klassischen Thyrannenmord. Systemgewalt ist eben nicht immer so schön eindeutig = Hitler oder Stalin etc. aber trotzdem genauso menschenverachtend und am Ende oft auch tödlich.

Ich empfehle hier die Lektüre einer kleinen Abhandlung von Alexis de Toqueville - Bestandteil guter Erstsemester im Philosophiestudium - "Über die Demokratie in Amerika", geschrieben 18hundertundX!!! Der Mann hatte Weitblick - wenn auch aus einer aristokratischen Perspektive geschrieben.

Und auch ansonsten haben wir mittlerweile unzählige Beispiele, wie Macht sich ihre eigenen Erhaltungssysteme schafft, dem Volk ein bischen Spielraum für gefakte Partizipation läßt damit es "zufrieden" ist und ansonsten die Dinge als "notwendig" akzeptiert. Eine Antwort, wie man mit diesen intelligenten Wirtschaftdiktaturen umgehen sollte habe ich auch nicht zumal die strukturelle Gewalt, die diese Systeme ausüben in erster Linie bislang ein Problem der "Dritten Welt" und Außenseitergruppen einer Gesellschaft waren und erst mit der sog. "Globalisierung" anfangen zu uns, die wir selber als sog. "kleine Leute" Teil des Systems sind und darin verstrickt sind zurück zu schwappen. Und da wirds kniffelig.

Widerstand also nur wenn ich auf einmal selbst betroffen bin? Oder auch im Namen anderer? Und was ist mit den anderen, die gar nicht "befreit" werden wollen? Bin ich dann der "Erleuchtete" der andere zu ihrem Glück zwingt weil er den besseren "Durchblick" hat?

Ich denke, das Widerstand immer Widerstand gegen jedes Unrecht und immer eigener Widerstand ist ohne selbst "Thyrann für eine gute Sache" zu sein und dabei vor allem zu eigener Tugend und Konsequenz für das eigene Leben im Alltag verpflichtet. - Man kann ja mal klein anfangen und einschreiten wenn ein Schul- oder Arbeitkollege gemobbt oder gegen Außenseiter gehetzt wird, sich gegen einen Job entscheiden, der offensichtlich das Leben anderer ruiniert, sich zwischen Aldi- oder Fairtradekaffee entscheiden, in eine NGO-Organisation eintreten usw. usw. aber natürlich auch "Stauffenberg" sein, wenn es sein muß weil ich Verantwortung übernehmen muß wo andere es nicht können aber wollen weil es das letzte Mittel ist, Leib und Leben aller zu schützen.

Gruß


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Er lässt sich rechtfertigen, wenn die Staatsführung erkennbar eine kriminelle Vereinigung ist. 

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Schau mal in Art. 20 IV GG.

Es ist derzeit nur eine theoretische Option, aber immerhin grundgesetzlich verbrieft.

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Wenn Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht.

Heißt: Wenn die Saatsgewalt die ihr übergeordneten Menschenrechte missachtet, muss den Menschenrechten und der Demokratie wieder Geltung verschafft werden. Notfalls auch durch Umsturz (Abschaffung der bestehenden Regierung und Einsetzung einer neuen).

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Kommentar von Aleqasina
22.03.2016, 11:23

Hintergrund: Während der Nazi-Diktatur haben viele Leute das menschenverachtende Unrecht, das die Nazis ausübten, als solches erkannt und abgelehnt. Aber sie haben die Staatsraison, also die "Pflicht" zum Gehorsam gegenüber der Regierung, höher eingeschätzt als den Gehorsam gegenüber dem eigenen Gewissen. Deswegen war der Widerstand so gering.

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Kommentar von Justdoitforyou
22.03.2016, 11:37

Danke erstmal :) Nur eine Frage ist das so richtig also könnte ich das genauso in meiner Aufgabe einbeziehen . Es ist sehr wichtig, weil daraus wird ein schriftliches Referat und meine Note hängt davon ab:(

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