Ich möchte keiner religion angehören?

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28 Antworten

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Liebe Asyaxx,

selbstverständlich musst Du keiner Religionsgemeinschaft angehören. Es gibt keinen Zwang im Glauben, und letztlich kann man auch niemanden dazu zwingen, etwas zu glauben. Allenfalls könnte man Dich dazu zwingen, gewisse religiöse Rituale zu vollziehen, was ich jetzt erstmal nicht annehme.

Wie das geht: Das ist Deine Privatsache. Insbesondere im Islam gibt es kein "Melderegister" für Gläubige. D.h. Du kannst Deinen Austritt ganz im Stillen beschließen, musst es niemandem sagen und bist trotzdem ausserhalb jeglicher Religionsgemeinschaft. Wenn Du das willst.

Es kann natürlich sein, dass aus der Familie ein gewisser Druck auf Dich einströmt. Bitte bedenke, dass das meistens aus Sorge passiert. Wir Muslime gehen ja doch idR davon aus, dass nur wer gläubiger Muslim ist, auch ins Paradies kommt. Und welche Mutter würde ihrer Tochter wünschen, dass sie sich mit ihrem Religionsaustritt diesen Weg verbaut.

Zu Deinen Austrittsgründen möchte ich noch anmerken, dass es doch offensichtlich ist, dass Gott/Allah sich NIEMALS einmischt. Wenn Du Dich umschaust, überall in der Welt passieren tagtäglich Dinge, von denen man annehmen müsste, dass sie doch unmöglich im Sinne eines Gottes sein können. Aber sie passieren, obwohl ein Gott, der uns und diese Welt erschaffen hat, hier ganz sicher Einfluss nehmen könnte.

Warum sieht die Welt trotzdem so aus? Bitte ziehe mal in Betracht, dass das ganze Leben dazu da ist, dass Du Dich weiterentwickelst, dass Du dazulernst und reif und weise wirst. Wäre die Welt "perfekt" in dem Sinne, wie wir es üblicherweise meinen, gäbe es nichts zu lernen. Alles würde klappen, es gäbe keine Konflikte, keine Krisen, keine Stiefväter, keine Noten 2, 3, 4, 5 oder 6 in der Schule, keine Eltern, die einen nicht verstehen, keine nervenden Geschwister, kein Essen, das nicht schmeckt etc. etc. etc. Und - da bin ich mir sicher - es wäre schrecklich langweilig. Nein, die Welt ist perfekt mit all den Schwierigkeiten, Krisen und Kriegen, Stiefvätern, Lehrern, dem Alkohol etc., weil dies uns die Basis gibt, nach Lösungen für unsere Konflikte zu suchen und uns hierbei weiterzuentwickeln.

Die Welt wird sich für Dich nicht ändern, wenn Du den Islam verlässt. Vielleicht aber verstehst Du sie künftig als Herausforderung und Trainingsplatz und nicht als Qual oder Betrafung.

P.S.: Und obwohl ich Muslim bin, bin ich überzeugt davon, dass - wenn es einen Gott gibt - niemand in der Hölle landet, auch der größte Sünder nicht.

Jeder tut eh das wovon er ausgeht dass es richtig ist und Gott kann jemanden doch nicht für seine eigene meinung bestrafen oder? deswegen ja dann auch:"niemand landet in der hölle, auch bei der größten sünde nicht." Ich weiß nicht ob ich das gut erklären konnte, aber hoffe dass man es trotzdem irgendwie verstehen kann..

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@Asyaxx

Nun, nach sunnitischem Verständnis ist Allah durchaus ein strafender Gott, wo er beim Muslimen auf gewisse "Auffälligkeiten" stößt. Wer also die eine oder andere Sünde begeht und diese NICHT bereut, weil er denkt, dass es seiner Meinung nach keine Sünde sein könne, der wird trotzdem bestraft. Wie gesagt - nach sunnitischem Verständnis.

Ich persönlich glaube nicht an diesen strafenden Gott, aber ich bin auch kein Sunnite.

Ich denke da eher wie Du, nämlich dass Gott uns nicht bestrafen wird. Allerdings gehe ich da noch weiter, ich denke nämlich, dass kein einziger Mensch von Allah bestraft werden wird, da wir alle - immer betrachtet innerhalb des individuellen Erlebens - immer genau das tun, was für uns im Augenblick des Tuns als das einzig Richtige auftaucht. Selbst die schlimmsten Verbrecher handeln innerhalb ihrer persönlichen Paradigmen immer logisch und richtig. Wenn jemand davon überzeugt ist, dass eine gewisse Ethnie auszurotten sei, dann ist das natürlich eine schreckliche Überzeugung, der man dringend auch Einhalt gebieten muss, aber dieser Mensch ist deswegen nicht schlecht, er ist lediglich auf einem falschen Weg. Und Gott dürfte das wissen. .-)

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@DottorePsycho

Ich muss dich korrigieren im 1. Absatz .
Nach dem Verständnis des Islams , nach dem Verständnis von Menschen die sich den "Islam " nciht so zurechtdrehen wie sie wollen .
"Ich persöhnlich glaube nicht an einen strafenden Gott "
So so , also ist der Kinderschänder und derjenige der Allah s.w.t sein ganzes Leben lang angebetet hat gleich ?
Beide landen letztendlich im Paradies als ob nie etwas gewesen wäre ?
Und wo entnimmst du deine Informationen , du behauptest du glaubst an den Koran im Koran wird ganz klar gesagt das Allah s.w.t auch strafen wird , leugnest du Verse aus dem Koran ?

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@saidJ

Wir können weiter reden, wenn Du aufhörst den Vers 16:67 zu leugnen.

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@DottorePsycho

Denn wer behauptet, Alkohol sei haram, der leugnet diesen Vers, der den Alkohol eindeutig erlaubt.

„Und (wir geben euch) von den Früchten der Palmen und Weinstöcke (zu trinken), woraus ihr euch einen Rauschtrank macht, und (außerdem) schönen Unterhalt. Darin liegt ein Zeichen für Leute, die Verstand haben.“

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Hallo Asyaxx,

Ich denke gewissermaßen schon, dass es vielleicht einen gott gibt aber warum unternimmt er dann nichts? Warum hilft er nicht?

als erstes möchte ich dir sagen, dass ich nicht an Gott glaube, alles was ich jetzt schreiben werde folgt unter dieser Prämisse. Das was für dich so schwer verständlich ist mit einem Gott der Sachen zulässt, oder eben auch nicht zulässt und auf "mysterischen Wegen" arbeitet, wird sehr einfach verständlich, wenn du einfach von keinem Gott ausgehst. Alles was ich auf dieser Welt bisher beobachtet habe, wird nicht irgendwie gesteuert, sondern ist dem Zufall unterworfen. Es mag tröstend sein von einem Gott auszugehen der über dich wacht, aber meiner Ansicht nach kann dies zu törichten Entscheidungen führen. Meine Oma ist z.B. sehr alt hatte ein paar Unfälle mit dem Auto, aber hört nicht auf zu fahren, weil sie der festen Überzeugung ist Gott wacht über sie. Aus meiner Perspektive ist das natürlich äußert törricht.

Was würde ich denn dann sozusagen sein wenn ich einfach überhaupt keiner
Religion angehören würde und wir müsste ich das anstellen?

Du müsstest natürlich gar nichts sein, außer eben ein Mensch. Du würdest dich sicher auch nicht großartig anders fühlen, außer dass dir die Religion eben immer etwas komisch vorkommt. Aber d.h. nicht, dass du anderen Menschen unbedingt auf den Fuß treten musst. Wenn deine Mutter z.B. glaubt und fest davon überzeugt ist, dass du hinterher eine Strafe bekommst, weil du z.B. dich nicht als Muslim siehst. Könnte es vielleicht erstmal schlau sein ihr ziemlich lange gar nichts zu sagen und erst wenn du eine gute Idee hast, wie du es ihr schonend näher bringen kannst oder wenn du viel älter bist und es einfacher hast mit ihr zu sprechen auf das Thema zu kommen. In einer Welt in der die Dinge zufällig passieren, kannst du nur versuchen das zu tun, was du am Besten und am schlausten hält. Ob es wirklich das Beste oder Schlauste ist, dass ist häufig sehr schwierig zu sagen. Du musst deinen Kopf gebrauchen hoffen das richtige zu tun und aus deinen Fehlern lernen. Das müssen religiöse Menschen zwar auch, aber als Atheist wirst du dort keine Richtschnur kriegen, niemanden der dir sagen kann: "Das musst du genau so oder so tun und dann ist es ehrenhaft." Du hast nur dein Gewissen, welches dir eine Richtschnur geben kann und deinen Grips und die Möglichkeit andere zu fragen.

Naja, du hast da schon ein ganz klares "Gotteskonzept", welches es dir in mancher Hinsicht schwer macht, zu glauben. Okay, das du Gott als "ihn" also männlich bezeichnest ist weit verbreitet aber man sollte sich schon mal bewusst machen, warum man das tut. Dann existiert da die Vorstellung, das Gott etwas außerhalb der eigenen Existenz ist. Kann man so sehen, zwingt dich aber auch niemand zu. 

Also ich meine, das es auch im Islam Strömungen gibt, die im Menschen das Göttliche bereit sind zu sehen. Spontan fällt mir dazu der Sufismus ein. 

Wenn du Gott "erfahren" oder "erleben" willst dann steht dir das offen, wird aber wohl nur funktionieren können, wenn du Gott nicht außerhalb von dir selbst suchst sondern auch bereit bist "das Göttliche in dir selbst zu finden". 

Dann noch zu deiner Frage warum er nicht hilft. Diese Frage findest du auch bei Christen und interessanterweise bei Atheisten auch recht häufig. Warum fragt eigentlich so gut wie nie jemand, warum man Hilfe erfahren hat, warum es so wunderbare Ereignisse in der Natur gibt, warum entgegen aller Erwartung doch etwas funktioniert hat? Immer nur: "Nein, wenn er existieren würde, dann hätte er doch dieses oder jenes getan oder es gäbe doch nicht so viel Leid auf der Welt." Merkwürdigerweise wird "ihm" offenbar aber nicht das Schöne, Gute und Glück zugeschrieben.

Warum hätte ein außerhalb von dir existierender Gott verhindern sollen, das du bestimmte Erlebnisse machen musstest oder auch nicht? Wenn man an Kismet, Schicksal, Vorherbestimmung glaubt muss man doch "Gott" einräumen, das man seinen "Plan" als Mensch gar nicht erfassen kann und auf "Gott vertrauen soll". 

Meines Wissens existiert auch im Islam die Vorstellung, dass Gott denjenigen hilft, die sich selbst helfen. Damit wird den Menschen eigentlich schon die Möglichkeit genommen, Gottes angebliche Tatenlosigkeit als Beweis seiner Nichtexistenz zu verwenden. Oder anders: Gott kann nur in dir wirken (dir helfen), wenn du selbst etwas tust (das Göttliche in dir selbst entdeckst?)

Viele Menschen versuchen ihr dem Kinderglauben entstammendes Gottesbild (alter, weiser Mann der mal zornig und mal milde durch die Wolken auf die Menschheit schaut) zu transformieren und entwickeln ein Konzept, das in einer dualen Welt (gut-böse, klein-groß, süß-hässlich, laut-leise, etc.) Gott das "Nichtduale" ist. Etwas, was schwer mit Worten zu beschreiben ist (da Sprache ja genau auf diesem dualen System basiert) und somit eigentlich auch nicht mit dem Verstand zu erfassen ist aber trotzdem spürbar und erfahrbar ist.

Schwierig, ich weiß ;)

Zu deiner Situation. Finde DEINEN Weg in dieser Sache. Wenn deine Mutter und dein Bruder oder Vater diesen Weg nicht mitgehen können oder wollen ist das erstmal zweitrangig. Meiner Erfahrung bringt es nur weiteren Kummer und Verdruss, wenn du dauerhaft versuchst, deine Mutter von ihm weg zu bekommen. Offenbar kann sich deine Mutter nicht dauerhaft entscheiden oder gegen ihn durchsetzen. Das musst du nicht als gegen dich gerichtet betrachten sondern SIE kann es einfach nicht. Vielleicht helfen deiner Mutter die Suren des Koran ja dabei, dieses ganze Elend zu ertragen aber das muss in der Tat nicht dein Weg sein. Du kannst auch ohne Suren Gott erfahren oder natürlich auch Atheist sein und du bist in der Lage, dich weitgehend um deine Gegenwart und Zukunft zu kümmern. Tue es und vielleicht wirst du merken, wie das Göttliche in dir wirkt^^ aber sei dir bewusst, das auch da schmerzhafte Erfahrungen auf dich lauern. Vielleicht wendest du dich an das Jugendamt um von diesem Alki weg zu kommen oder du ziehst zu deinem Bruder oder du findest andere Möglichkeiten. Was dir offenbar am wenigsten liegt, ist, diese Situation noch über Jahre auszuhalten (oder sehe ich das falsch?). Übernehme die Verantwortung für dich und verstehe, das du nicht die Verantwortung für die Entscheidungen deiner Mutter dabei auch noch tragen kannst. Was bleiben wird, egal wie dein weiterer Weg aussehen wird, ist, das sie deine Mutter ist.

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