Ich möchte einmal Philosoph werden - muss man Philosophie studieren und kann ich dann Lebensweisheiten verkaufen/Lebensberatungen anbieten?

10 Antworten

In der Lebensberatung kann man tatsächlich seinen Beruf finden, allerdings setzt das in der Regel nicht nur ein philosophisches Studium voraus, sondern zumindest auch noch umfassende Studien in der Psychotherapie. Im Philosophiestudium wird man keineswegs auf die Lebensberatung vorbereitet. Man studiert Einzelfächer wie Metaphysik, Ontologie, Erkenntnistheorie, Wissenschaftstheorie, Sprachphilosophie, Philosophie des Geistes, Logik, Ethik, Sozialphilosophie, Politische Philosophie, Anthropologie, Geschichts-, Rechts- und Kulturphilosophie und Ästhetik. 

An diesen Themen kannst du sicher erkennen, dass davon nur ein kleiner Teil für die Arbeit als Lebensberater verwendbar ist. Die vielzitierte "Weisheit" des Philosophen stellt sich - wenn überhaupt - erst nach vielen Jahren ein, d.h., man ist nach dem Studium keineswegs in der Lage, besonders älteren Menschen hilfreiche Kommentare zu ihren erfüllten oder unerfüllten Lebenskonzepten zu bieten, und genau die älteren Menschen, die die Lebensmitte überschritten haben, werden eine Lebensberatung aufsuchen.

Also solltest du auf jeden Fall noch substantielle Einsichten in die psychotherapeutische Praxis zu gewinnen suchen, weil zahlreiche Verhaltensdefizite der Menschen eben viel leichter mit so einem Ausbildungshintergrund kompetent ansprechbar und verhandelbar sind.

Bilanz: Das Berufsbild des Philosophen ist äußerst wenig abgestimmt auf klare gesellschaftliche Belange. Im Grunde eignet sich so ein Studium immer nur als Begleitstudium zu einem anderen, das weit mehr Bezug zur Lebenswirklichkeit hat und realistische Chancen für eine spätere Berufsausübung bietet. 

 Das Berufsbild des Philosophen ist äußerst wenig abgestimmt auf klare gesellschaftliche Belange

Wenn Du hier ,,Studium" statt ;;Berufsbild" schreibst, bin ich einverstanden. Es gibt aber mehrere gute Philosophen, die gesellschaftlich sehr relevante philosophische Tätigkeiten ausüben.

Das ist aber stark durch Interesse und Begabung und nur zum Teil durch Studiums-Lehrstoff bedingt.

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@ulrich1919

Das ist völlig richtig beobachtet. Das sind sehr breit orientierte und gebildete Leute, die große gesellschaftspolitische Kompetenz haben, aus der heraus sie dann Zeitanalysen oder politische Kommentare formulieren. 

Du hattest jedoch den Werdegang zum Philosophen benannt, und der führt nun einmal nur über ein Philosophiestudium, von dem ich dargestellt habe, dass man mit diesem Studium auf die Arbeit des Lebensberater nur unzureichend vorbereitet wird.

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Lieber Hero, es gibt einige sehr gute Antworten auf Deine Frage. Deshalb keine inhaltliche Beratung.
 Ich kenne einen studierten Philosophen, der tatsächlich von Lebensberatung und der Organisation von ,,philosophischen Cafés" leben kann. Es ist also möglich.

Ich möchte aber hinzufügen, dass ein Philosophie-Studium allein nicht genügt. Erstens brauchst Du eine gewisse Veranlagung und Interesse am Menschen und zweitens ist etwas Allgemeinbildung (Medizin, Psychologie, Soziologie) unerlässlich.

Du könntest hier bei GuteFrage mal üben, um ,,ehrliche" philosophische Fragen kompetent zu beantworten (Offenbar nicht ganz einfach) 

Und der Ausdruck ,,Lebensweisheiten verkaufen" ist für Deine künftige Tätigkeit nicht sehr glücklich gewählt.

Viel Erfolg!

Hi,- setzen wir mal voraus, dass du über die Anforderungen eines Philo-Vollstudiums informiert bist - dieses auch bewältigen kannst und dann auch noch den Charakter besitzt, nicht als bezahlter Klugsch...er Geld zu machen und dir dabei auf dem Rücken der Klienten ein eigenes Expertendenkmal zu errichten sondern wirklich helfen willst; dann empfehle ich dir 3 Ankerpunkte:

1). Verstehen ist mehr als kopieren (Transformation von deklarativem in prozedurales Wissen)

2). Der Mensch ist von Natur ein zweckfreies Wesen (auch meinen Interessen gegenüber)

3). der Leitsatz einer Philo-Therapie lautet: Dialog statt Diagnose. - Heilung durch Hilfe zur Selbstwertigkeit mittels Selbst-entdeckung, - aktualisierung, und in der Folge -befreiung.

Gruß

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