ich möchte einen betriebsrat gründen, kann mein chef mich deswegen fristlos kündigen?

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4 Antworten

Nein kann er nicht. Da schützt das Betriebsverfassungsgesetz. Du solltest aber mit Deinen Mitstreitern (ich hoffe, es gibt einige) erst den Wahlvorstand bestellen bevor der Chef davon erfährt.

Der besondere Kündigungsschutz läuft vom Zeitpunkt der Bestellung des Wahlvorstands nicht schon im Vorfeld für die Wahlwerber. Es wäre auch gut, wenn Ihr eine Gewerkschaft an der Seite hättet. Die kann Euch im Vorfeld beraten und helfen Fehler zu vermeiden.

Anleitungen und Checklisten zur Betriebsratswahl gibt es auch genügend im Netz. Schau doch mal unter www.betriebsrat.com Da gibt es einen Button "Betriebsratswahl". Da bekommst Du Hilfe für die ersten Schritte.

Die Gründung eines Betriebsrats ist ja ein garantiertes Recht der Arbeitnehmerschaft. Ein Kündigungsgrund wäre also auf keinen Fall gegeben. Erst recht nicht fristlos.

An deiner Stelle würde ich mir aber Hilfe durch die Gewerkschaft holen. Dort sind Fachleute, die eurer Belegschaft dabei helfen werden, eure Forderungen durchzusetzen.

Es passiert immer wieder, dass Arbeitgeber gegen Mitarbeiter vorgehen - auch mit Kündigungsversuchen -, die einen Betriebsrat gründen wollen. Kündigungen werde natürlich nicht mit dieser Begründung ausgesprochen, sondern es werden andere Anlässe gesucht oder konstruiert.

Solche Versuche sind vor Gerichten zwar zum Scheitern verurteilt, das mindert aber den Stress für die Mitarbeiter nicht.

Bei Deinem Chef - so wie Du ihn schilderst - hast Du solche Repressalien möglicherweise zu erwarten.

Ich kann Dir deshalb nur allerdingendst raten, Dich an eine für euren Betrieb zu ständige Gewerkschaft zu wenden und sie um Unterstützung bei der Gründung zu bitten!

Dazu sagt das Betriebsverfassungsgesetz(BetrVG) in § 20 folgendes:

(1) Niemand darf die Wahl des Betriebsrats behindern. Insbesondere darf kein Arbeitnehmer in der Ausübung des aktiven und passiven Wahlrechts beschränkt werden. (2) Niemand darf die Wahl des Betriebsrats durch Zufügung oder Androhung von Nachteilen oder durch Gewährung oder Versprechen von Vorteilen beeinflussen. (3) Die Kosten der Wahl trägt der Arbeitgeber. Versäumnis von Arbeitszeit, die zur Ausübung des Wahlrechts, zur Betätigung im Wahlvorstand oder zur Tätigkeit als Vermittler (§ 18a) erforderlich ist, berechtigt den Arbeitgeber nicht zur Minderung des Arbeitsentgelts.

Da die Vorbereitung und Durchführung der Wahl aber an einige Vorschriften gebunden ist,deren Nichteinhaltung zur Wahlanfechtung führen kann,ist es empfehlenswert,die Gewerkschaft mit ins Boot zu nehmen.

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