Ich möchte ein Fahrrad kaufen und auf der Straße fahren. Es hat vorne drei Gänge und hinten elf Gänge. Wieviel hat es insgesamt und braucht man die alle?

10 Antworten

Dazu gibt es zwei Kalkulationen.

Kalkulation 1: Mathematik

3x11 = 33. Mathematik. Das ist beim Fahrrad aber nicht immer sinnvoll

Kalkulation 2: Radfahrer-Latein:

Nicht alle Gänge sind sinnvoll zu nutzen. Klar du kannst vorne auf 1 und hinten auf 11 fahren oder vorne auf 3 und hinten auf 1. Allerdings läuft dabei die Kette so schräg, dass sie schneller abnutzt. Außerdem ist die Übersetzung, also das Verhältnis zwischen Zähnen auf dem Kettenblatt vorne und Zähnen auf dem Ritzel hinten garantiert gleich oder zumindest sehr ähnlich, wie bei irgendeiner anderen Position z.B. mit dem mittleren Kettenblatt und einem der mittleren Ritzel hinten.

Ich würde mal vermuten, es kommen so 16-18 sinnvoll nutzbare Gänge dabei raus.

Wie gesagt beschränkender Faktor 1 ist, dass die Kette nicht zu schräg laufen sollte, das heißt du solltest Kettenblatt 1 nur mit den Ritzeln 1 bis Mitte, Kettenblatt 2 mit den Ritzeln Mitte-Plus-Minus und Kettenblatt 3 mit den Ritzeln Mitte bis rechts nutzen.

Wenn du von dem Rad ganz detaillierte technische Daten hast, in denen die Zähne von Kettenblatt und Ritzeln stehen, kannst du dir z.B. eine Excel-Tabelle bauen, mit der du sinnvolle Gänge ausrechnen kannst. Trage in eine Spalte die drei Kettenblätter vorne ein, in eine Spalte die Zähne der elf Ritzel hinten, und dann legst du drei Spalten an, in denen du immer Kettenblatt 1 / Ritzel 1, Kettenblatt 1 / Ritzel 2... bis Ritzel 11 teilst, und die gleiche Übung noch mal für Kettenblatt 2 und 3 Die Zahlen sind das Übersetzungsverhältnis. Da wirst du dann ganz exakt sehen, welche Gänge "echte" Gänge sind und welche ein so ähnliches Übersetzungsverhältnis haben, dass du einen davon (den mit der schräger laufenden Kette) getrost ignorieren kannst. Wenn also bei Kettenblatt 1 / Ritzel 11 ein ähnlicher Wert rauskommt, wie bei Kettenblatt 2 / Ritzel 6, ist letztere Kombi eindeutig vorzuziehen.

Hast du so tolle technische Daten nicht, halte dich einfach an die Pi*Daumen-Regel und nutze einfach links-links, mitte-mitte und rechts-rechts Kombis. Passt schon.

Ansonsten verschleißt du die Kette sehr schnell und musst sie entweder nach spätestens 1000km tauschen (der Fahrkomfort wird kaum eingeschränkt, reißen wird sie wohl auch nicht, aber sie ist überdehnt und nagt an den Zähnen von Kettenblättern und Ritzeln, was dann schnell teuer werden kann, weil die dann irgendwann auch ausgetauscht werden müssen - Indikator wäre eine Längenmessung mit einer Kettenlehre).

Die doppelten Kombinationen sind ein notwendiges Übel. Will man einen großen Übersetzungsbreich haben, also kleine Übersetzungen oder gar Untersetzung für Bergauf und große Übersetzungen für schnelles Fahren, und das auch noch fein abgestuft, müssen viele Gänge her. Das kann man nur mit einer Kettenschaltung erreichen, auf der vorne und hinten geschaltet wird, dadurch entstehen Überlappungen, oder mit einem aufwendigen Planetengetriebe wie es sich z.B. in der 14-Gang Nabenschaltung Rohloff Speedhub 500/14 findet, die in Sachen Übersetzungsbreich (Bereich zwischen kleinster und größter Übersetzung) ud sinnvoll nutzbaren Gängen (bei der Rohloff sind alle 14 Gänge voll und sinnvoll nutzbar, bei einer Kettenschaltung halt nicht) in Etwa einer 27-Gang Kettenschaltung ebenbürtig ist. Die Lösung á la Rohloff ist zwar der Traum eines jeden Tourenfahrers, aber der Albtraum des Kontostandes (teuer weil aufwendig - brauchbare Kettenschaltungen lassen sich deutlich günstiger produzieren, verschleißen aber auch schneller an Kette und Ritzeln) und wohl auch eines jeden Rennradfahrers (schwer! Kettenschaltungen sind ungleich leichter). Aber wer die fein abgestuften, breiten Bereiche haben will, muss halt zu 27 oder mehr Kettengängen oder 14 Rohloff-Gängen greifen.

Den meisten Alltagsfahrern dürften aber auch kleinere Übersetzungsbreiche und weniger Abstufungen reichen, weshalb man sicher auch mit 24 Kettengängen oder 11 Nabengängen z.B. in einer Shimano Alfine gut bedient ist. Kostet gleich mal weniger und ist gerade bei der Kettenschaltung auch pflegeleichter (günstigere Ritzelpakete wenn abgenutzt, aber auch weniger Abnutzung, da man mehr Platz hat und breitere, robustere Ketten verwenden kann und generell weniger Verschränkung, also schräg laufende Ketten hat)

Nein, weder kann man sie alle nutzen (sollte zumindest nicht, da bei einigen die Kette dann diagonal läuft und zusätzlich die Kettenspannung entweder sehr hoch oder sehr niedrig ist) noch sind es 33 verschiedene Gänge, weil etliche von der Übersetzung her gleich oder sehr ähnlich sind.

Ich meine einmal gelesen zu haben, dass Du bei 30 Gängen höchstens 22 unterschiedliche Übersetzungen hast.

Aber selbst die braucht man auf der Straße nicht.

Mein Fahrrad für die Straße hat 8 Gänge in der Nabe (also nur ein Zahnrad vorn und hinten sichtbar). Das reicht dicke für die Straße.
Alles andere ist unnötig teuer und so kompliziert einzustellen und zu schalten, dass man es entweder falsch macht oder Kopfschmerzen davon bekommt (wenn man schon nicht weiß, wieviel 3x11 ist ;-) )

Mein Rat: Lass Dir ein Fahrrad mit einer 7- oder 8-Gang Nabenschaltung (z.B. Shimano Nexus oder Shimano Alfine) kaufen. 

Du hast mit dem Rad 33 Schaltmöglichkeiten aber effektiv nur 16 Gänge zur Verfügung. Und nein man braucht so viele Gänge nicht. Für den kleinen Alltagsbetrieb reichen 8, 9 oder 10 Gänge völlig aus.

Die Crux ist, das bei Kettenschaltungen mit drei Kettenblättern vorne und einem Ritzelpaket hinten, viele Übersetzungsverhältnisse doppelt auftreten (s. Bild), weshalb du mit nominal 33 Schaltmöglichkeiten effektiv nur 16 Gänge zur Verfügung hast.

Kettenschaltung vs. Nabenschaltung - (Auto, Fahrrad, Tuning)

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