Ich las gerade, zu Allerseelen betet man zu Gott für die Seelen der Verstorbenen zugunsten ihrer Aufnahme ins Paradies. Wieso sollte das helfen?

17 Antworten

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Die röm.-kath. Kirche lehrt, dass es ein besonderes (individuelles) Gericht unmittelbar nach dem Tod und ein allgemeines Gericht am Jüngsten Tag gibt. Bereits im besonderen Gericht würde sich dann entscheiden, ob ein Mensch in den Himmel, in das Fegfeuer oder in die Hölle kommt.

Die katholische Vorstellung vom Fegfeuer (Purgatorium) besagt, dass diese Menschen im Fegfeuer zwar gerettet sind, aber noch geläutert werden müssen (von zeitlichen Sündenstrafen und läßlichen Sünden). Diese Läuterung könne dann durch Fürbitte für die Verstorbenen, aber auch durch Werke der Nächstenliebe (Almosen) und die Meßfeier unterstützt werden.

Als evangelischer Christ kann ich mich zwar noch mit der katholischen Vorstellung anfreunden, dass die Verstorbenen, welche im Himmel sind, mit der irdischen Kirche verbunden sind, aber die Fegfeuerlehre lehne ich aufgrund des fehlenden Zeugnisses in der Bibel ab.

Das Zeugnis für das Fegefeuer gibt es schon, allerdings nur in einem Text, der wohl deswegen nicht im evangelischen Kanon aufgenommen wurde und dort zu den Apogryphen zählt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Apokryphen
Texte, die nicht zur eigenen Lehrmeinung passen, werden einfach nicht in den Kanon aufgenommen.

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@Aurofons
  • Das Zeugnis für das Fegefeuer gibt es schon, allerdings nur in einem Text.

Die röm.-kath. Kirche begründet die Fegfeuerlehre nicht nur mit 2. Makk 12,43-45, sondern auch mit 1. Kor 3,13-15 (siehe Katechismus). Der katholische Priester und Neutestamentler Prof. Joachim Gnilka hat über diese Bibelstelle seine Doktorarbeit geschrieben und kommt darin zum Ergebnis, dass Paulus in 1. Kor 3.13-15 allerdings hier nicht das Fegfeuer meint (Joachim Gnilka: Ist 1 Kor 3,10–15 ein Schriftzeugnis für das Fegfeuer? Eine exegetisch-historische Untersuchung, Düsseldorf, 1955).

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@wilmaed
  • So lässt sich leicht von Protestanten behaupten "ist nicht biblisch".

2. Makk 12,43-45 ist aber nicht die einzige Bibelstelle, mit der die röm.-kath. Kirche die Lehre vom Fegefeuer begründet (siehe mein Kommentar an Aurofons).

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@UW1969
Unter katholischen und evangelischen Neutestamentlern besteht schon seit Mitte des 20. Jahrhunderts weitgehender Konsens darüber, dass Paulus von Tarsus kein Läuterungsgericht kenne und dieses deshalb in 1 Kor 3,13–15 auch nicht meine
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@wilmaed
  • Das Konzil zu Trient verzichtete allerdings darauf, 1 Kor 3,13–15 als Schriftbeweis heranzuziehen, obwohl dieses vielfach gewünscht wurde

Stimmt. In den Katechismen wird allerdings 1. Kor 3,13-15 wieder ausdrücklich als biblische Begründung für die Fegefeuerlehre angeführt:

  • Katholischer Erwachsenenkatechismus, Band 1 (von der Deutschen Bischofskonferenz), 1985, Seite 424.
  • Katechismus der Katholischen Kirche, 1993, Seite 294 (Fußnote).
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@UW1969
wieder ausdrücklich als biblische Begründung für die Fegefeuerlehre angeführt

Ächs. 🙃

Zumindest die Neu-Testamentler wissen es besser :)

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Schau mal, es gibt viele arme Seelen die hier nicht einmal wegkommen, sie können nicht einmal weiter ins Licht (Astralebene) Es sind meistens Seelen von Selbstmördern oder Umfallopfern. Auch geizige Menschen können sich nach dem Tod, nicht von ihrem Besitz trennen. Denen kann ein Gebet helfen den Gebete sind mächtig.

"Das Geheimnis eines erfolgreichen Gebets liegt nicht so sehr in den Worten, die wir gebrauchen, oder in der Zeit, die wir dafür aufwenden, auch nicht in der Anstrengung, die wir darein legen, sondern vielmehr in der konzentrierten Aufmerksamkeit, die wir ihm am Sitz der Seele geben, um es seelenvoll zu machen. Die natürlichste Form eines erfolgreichen Gebets ist das Verlangen der Seele mit der „Zunge des Gedankens“, ohne gesprochene oder gedachte Worte. Ein solches Gebet erzeugt und löst eine solche Fülle geistiger Energie aus, dass dadurch alle kosmischen Kräfte angezogen und miteinander verbunden werden, um die Dinge bestmöglich zu ordnen."

  • Kirpal Singh

Wenn schon ein Gebet helfen kann, dann sicher nur als echtes und persönliches Anliegen, das man vorbringt. Aber das war ja eher nicht meine Frage.

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Der Islam lehrt und, dass jede gute bzw. schlechte Tat auf die Waage gestellt wird. Wir sündigen auf der Erde bewusst oder unbewusst. Solange man lebt hat man die Möglichkeit, Gutes zu tun, um die Sünden zu tilgen, aber wenn man stirbt, stirbt damit auch diese Möglichkeit.

Nicht jeder Gläubiger geht automatisch ins Paradies. Die Waage wird es eben Zeiten. Überwiegt die Sündenseite, geht man als Gläubiger erstmal in die Hölle, um seine Zeit abzusetzen.

Deshalb gibt es noch einen Rettungsschlauch, wo die Lebenden für die Verstorbenen etwas tun können und deren Sündenlage etwas verbessern.

Also kennt der Islam auch so einen Ablass oder Fürbitten?

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@Zalla55

Korrekt! Zusätzlich gibt es auch "Bitgebete".

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So lange man die Toten nicht anbetet ist es völlig legitim.

Zum Beispiel wenn eine Sache dem Toten noch nicht vergeben wurde und man glaubt das er deswegen nicht sofort in den Himmel kommt, oder das der Tote im Jenseits seinen Frieden finden mag den er zu Lebzeiten nicht gefunden hatte. Das jemand seine emotionale Lasten nicht mit ins Jenseits trägt usw.

Schaden kann es niemanden.

In der Offenbarung wird eine Gruppe erwähnt die im Himmel für uns Menschen auf Erden betet.

Schaden könne Gebete nur, wenn sie in der Erziehung aufgezwungen werden (so wie damals bei mir), oder wenn sie als Ersatz für echte Hilfe herhalten.

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@Zalla55

Das tut mir leid für dich. Mir wurde der Glaube der Jehovas Zeugen aufgedrängt in meiner Kindheit. Bis Jesus mich dort weg führte, da war ich schon 30.

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@Bast4321

Da habe ich ja noch richtig Glück gehabt mit unserem rheinischen Katholiszismus. Ich habe mich dann nach meiner Firmung schon abgenabelt. Habe ich auch selbst geschafft.

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@Zalla55

Könnte Horrorgeschichten erzählen, die leider wahr sind....

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Du liegst völlig richtig mit deiner Meinung.

Gebete für Tote bringen absolut nichts. Solche Gebete sind auch unbiblisch.

Ein Mensch muss sich bis zu seinem Tod entscheiden, ob er Jesus nachfolgen möchte oder nicht.

Dann sagte er zu ihnen: »Erinnert euch an das, was ich euch angekündigt habe, als ich noch mit euch zusammen war: ›Alles muss sich erfüllen, was bei Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich steht.‹« Nun erklärte er ihnen die Worte der Heiligen Schrift. Er sagte: »Es steht doch dort geschrieben: Der von Gott erwählte Retter muss leiden und sterben, und er wird am dritten Tag von den Toten auferstehen. Allen Völkern wird in seinem Auftrag verkündet: Gott vergibt jedem die Schuld, der zu ihm umkehrt. Lukas 24,44-47

Weiter steht in der Bibel:

Da lebte einmal ein reicher Mann«, erzählte Jesus. »Er war immer sehr vornehm gekleidet und konnte sich Tag für Tag jeden Luxus und jedes Vergnügen leisten. 20 Vor dem Tor seines Hauses aber lag ein schwer kranker Bettler namens Lazarus. Sein Körper war über und über mit Geschwüren bedeckt. 21 Er hoffte, seinen Hunger wenigstens mit den Abfällen aus der Küche des Reichen stillen zu können. Aber es kamen nur die Hunde und beleckten seine offenen Wunden. 22 Schließlich starb der Bettler, und die Engel brachten ihn in den Himmel; dort durfte er den Ehrenplatz an Abrahams Seite einnehmen. Auch der reiche Mann starb und wurde begraben. 23 Als er sich im Totenreich wiederfand, blickte er unter Qualen auf und erkannte in weiter Ferne Abraham mit Lazarus an seiner Seite. 24 ›Vater Abraham‹, rief der Reiche laut, ›hab Mitleid mit mir! Schick mir doch Lazarus! Er soll seine Fingerspitze ins Wasser tauchen und damit meine Zunge kühlen. Ich leide in diesen Flammen furchtbare Qualen!‹ 25 Aber Abraham erwiderte: ›Mein Sohn, erinnere dich! Du hast in deinem Leben alles gehabt, Lazarus hatte nichts. Jetzt geht es ihm gut, und du musst leiden. 26 Außerdem liegt zwischen uns und euch ein tiefer Abgrund. Niemand kann von der einen Seite zur anderen kommen, selbst wenn er es wollte.‹ 27 ›Vater Abraham‹, bat jetzt der Reiche, ›dann schick Lazarus doch wenigstens in das Haus meines Vaters 28 zu meinen fünf Brüdern. Er soll sie warnen, damit sie nach ihrem Tod nicht auch an diesen qualvollen Ort kommen.‹ 29 Aber Abraham entgegnete: ›Deine Brüder sollen auf das hören, was sie bei Mose und den Propheten lesen können.‹ 30 Der Reiche widersprach: ›Nein, Vater Abraham, erst wenn einer von den Toten zu ihnen käme, würden sie ihr Leben ändern.‹ 31 Doch Abraham blieb dabei: ›Wenn sie nicht auf Mose und die Propheten hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht." Lukas 16,19-31

Ich meine aber, ähnlich wie UW1969, dass die Rom das anders interpretiert hatte (ob es immer noch so ist, keine Ahnung). Deshalb waren ja Totenmessen und diese unsäglichen Ablassbriefe auch ein prima Geschäftsmodell. Ok, das Geld war dann wohl auch der einzige Grund, diese Seelenrettung zu organisieren.

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Der 2 Abschnitt vom Lazarus ist eine Metapher - und dies kannst du nicht wörtlich nehmen. Da liegt einfach der Schwerpunkt darauf, dass einige auf Niemand hören werden. Auch nicht auf Tote.

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@miqona

Woher nimmst Du, dass es mit Sicherheit eine Metapher ist? Wenn es so sein sollte, für was ist sie es dann? Wie auch immer, Gebete für Tote sind unbiblisch.

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