Ich kann nicht verstehen, warum in Gottesstaaten, also Ländern, in denen Heilige Schriften als verbindliche Normen gelten, Todesstrafen vollstreckt werden.?

7 Antworten

Ist das nicht ein Widerspruch in sich?

Nein - weil eben jene religiös legitimierte Rechtssprechung basierend auf den heiligen Texteb die Todesstrafe sogar fordert.

So heißt es beispielsweise im Alten Testament:

"Wenn jemand einen widerspenstigen und ungehorsamen Sohn hat, der der Stimme seines Vaters und seiner Mutter nicht gehorcht und auch, wenn sie ihn züchtigen, ihnen nicht gehorchen will, so sollen ihn Vater und Mutter ergreifen und zu den Ältesten der Stadt führen und zu dem Tor des Ortes und zu den Ältesten der Stadt sagen: Dieser unser Sohn ist widerspenstig und ungehorsam und gehorcht unserer Stimme nicht und ist ein Prasser und Trunkenbold. So sollen ihn steinigen alle Leute seiner Stadt, dass er sterbe, ..."

(5. Mose 21,18-21)

Ein Gottesstaat auf der Basis dieser Schriften könnte also gesetzlich die Tötung von ungezogenen Söhnen festlegen - eben weil die religiösen Schriften es so vorgeben.

Die Scharia, also das islamische Recht, beruft sich auf den Quran als Gottes Wort - und somit sind auch die barbarischen Strafen für diese Muslime religiös legitimiert.

Aus religiöser Sicht sind solche Urteile also "wasserdicht" - wenn man einer entsprechenden Auslegung der Schriften folgt.

Deine Frage ist ein Blödsinn, denn die allermeisten Staaten mit der praktizierten Todesstrafe haben mit einer Religion nichts am Hut.

Wenn du die christliche Religionen meinst, dann gibt es außer dem Vatikanstaat kein Land mit Christentum als Staatsreligion. Und der Kirchenstaat hat sich selbst vor 500 Jahren im Fall Bruno nicht die Hände schmutzig gemacht und die Verurteilung und Hinrichtung den Behörden der Stadt Rom überlassen.

Warum sollte das ein Widerspruch sein? Du redest sicherlich von Staaten, in denen der JHWH-Kult gepflegt wird. Dieser JHWH, der Gott der Juden, Christen und Moslems, hat als eine der ersten Maßnahmen, nachdem er sich Mose offenbart hatte, die Ermordung von 3000 Israeliten befohlen, die sich ihm nicht  unterwerfen wollten.

Hier der Befehl dieses unsäglichen Gottes im Wortlaut:

"So spricht der HERR, der Gott Israels: Gürte jeder sein Schwert an seine
Lenden und gehet hin und her, von einem Tor zum andern im Lager, und
erwürge ein jeder seinen Bruder, seinen Freund und seinen Nächsten!"

Alle drei monotheistischen Religionen tragen den Kern der Gewalt in sich und wo sie nicht daran gehindert wird, wie z.B. bei uns durch humanistisch begründete Gesetze, bricht diese Gewalt auch regelmäßig aus.

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