Ich HASSE meinen Vater. Wie soll ich mich benehmen?

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4 Antworten

Hass ist schon ein schwerwiegendes Wort!

Dein Vater scheint eher egoistisch eingestellt zu sein! Gerade, wenn Menschen selbst Probleme im Leben haben, neigen sie dazu, Anliegen und Probleme ihrer Kinder nicht so wichtig zu nehmen. Aus seiner Sicht ist es nur ein Schulfest, ein kurzes Ereignis in einem langen Leben mit vielen wichtigeren Ereignissen. Dass es für deine Schwester gerade anders ist, wird ihm dabei nicht bewusst.

Ich würde an Stelle deiner Schwester zum Klassenlehrer gehen und die Situation ehrlich schildern. Evtl. wird der KL das dann mal bei einem Elternsprechtag erwähnen. 

Möglicherweise war dein Vater selbst unter Druck, zu dem Treffen mit dem Kollegen zu gehen.  Möglicherweise hat es ihn sehr wohl gekümmert und er hat gescherzt, um das zu überspielen. 

Sage ihm doch mal in einer ruhigen Minute, was dich enttäuscht oder verunsichert. Also bspw., dass du morgens oft gestresst bist, weil du Angst hast, nicht rechtzeitig guten Morgen zu sagen. Ich hatte so eine Situation auch und irgendwann hatte ich grundsätzlich Stress, jemanden zu grüßen, weil ich das immer mit Ironie und Vorwürfen verband.

Achte doch mal darauf und grüße ihn extra fröhlich und mehrfach hintereinander (z.B: wenn du in die Küche kommst und wenn wenn du später noch mal in die Küche kommst oder ihn in einem anderen Zimmer siehst), bis es ihm auffällt und sage dann, dass du ja schon mehrfach überhört wurdest und deshalb mehrfach grüßt, um sicherzustellen, dass er das auch mitbekommt.

Grundsätzlich: Tut etwas FÜR euren Vater!

Das klingt paradox, aber oft nimmt man jemanden anders wahr, wenn er einem Freunde bereitet. Dann ist man eher bereit, etwas für ihn zu tun und sich um seine Sorgen zu kümmern. Also: Lobt ihn, nehmt ihm kleine Arbeiten ab, macht ihm kleine Überraschungen (nichts Großes, Aufwändiges oder Teures). Nach und nach wird er das feststellen und euch dann auch freundlicher wahrnehmen. 

Es gibt eine Geschichte von Verhaltensbiologen oder -trainern oder so, die bei einer Konferenz gekidnappt wurden. In dem Land, in dem die Konferenz stattfand, gab es starke politische Spannungen und sie wurden als Repräsentanten von bessergestellten Ländern angesehen. Sie fuhren eine Weile in der Stadt herum und waren überzeugt, irgendwo abgeladen und getötet zu werden. Sie fingen dann an, sich für jede Kleinigkeit zu bedanken, dafür, dass sie noch am Lebe waren, Wasser bekamen etc. und nach einiger Zeit wurden sie kommentarlos freigelassen. Sie waren überzeugt, dass dies aufgrund ihres Verhaltens war. Dass die Entführer eher gegenteiliges Verhalten, Drohungen, Bitten etc. erwartet hatten und überrascht über Dankesbekundungen waren, durch die sie die Entführten ganz anderes wahrnahmen.

Das ist natürlich eine krasse Situation, aber es klappt. 

Lies mal ggf. den Blog von Karen Pryor (Karen Pryor Clickertraining), da sind hin und wieder ähnliche Geschichten. Z.B. eine über einen fiesen Boss, der allen Stress bereitete. Eine Mitarbeiterin hat dann ganz einfach ihn im Gespräch immer angesehen, wenn er etwas freundliches sagte und weggesehen, wenn er etwas Unfreundliches sagte. Nur dadurch soll er mit der Zeit immer freundlicher geworden sein.

Also: Es lohnt sich, mal nach guten Aspekten an deinem Vater zu suchen, und seien sie noch so klein.

Bedenke: Hass schadet DIR! Hass frisst einen auf,  es geht einem schlecht damit, man befasst sich nur noch mit seiner Wut und Ohnmacht. 

Bedenke auch: Vorwürfe erzeugen meist Gegenwehr und Streit. Besser ist es, jemandem die Situation des anderen so zu schildern, dass er nicht das Gesicht verliert. Also statt "du hast meiner Schwester das Klassenfest kaputt gemacht" "meine Schwester war ganz traurig wegen dem Klassenfest und hat jetzt Angst, dass sie Ärger bekommt, weil sie nicht da war/ ... war so stolz darauf dass sie das Gedicht konnte und ist jetzt traurig, weil sie es nicht aufsagen konnte". Ohne Forderungen. Manchmal hilft das nach und nach, die Sichtweise des anderen zu ändern.

Der Vortrag deiner Schwester wäre in jedem Fall wichtiger gewesen. Ist sie jünger? Ich würde mal mit der Mutter über deine Gefühle zu deinem Vater sprechen. Wenn es deiner Schwester gleich geht macht das zusammen. Manchmal kann auch ein guter Freund der Familie helfen der nicht ganz so nahe ist wie die Mutter. Viele andere Optionen fallen mir nicht ein ohne dass es weitere Probleme verursachen könnte.

EmilyBauer 08.07.2017, 14:47

Ich werde versuchen mit meiner Mutter zu reden, obwohl sie normalerweise eher seine Seite nimmt. Und ja, meine Schwester ist in der 2. Klasse. Das Gesicht wäre ein Abschiedsgedicht an die Lehrerin, weil die Klasse die nächstes Jahr nicht mehr haben würde

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chacha7 08.07.2017, 16:17
@EmilyBauer

Das wird sie ihnen noch lange nachtragen..... Schade. Ich hoffe dass das Gespräch mit der Mutter nützt.

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Du machst mit 14 eine Phase durch, in der man ein bissl eigenständiger wird, von daher ist das nichts ungewöhnliches. Deine geschilderten Probleme finde ich jetzt alle nicht so tragisch. Dass er von dir morgens eine Begrüßung erwartet ist doch so klar, wie du auch deinen Lehrer begrüßen musst. Wie würdest du es denn finden, wenn eine Freundin bei dir wohnt, die morgens wortlos mit dir am Tisch sitzt? Genauso kann er als dein Vater auch entscheiden ob ihr auf ein freiwilliges Klassenfest geht oder etwas anderes macht. Also ich finde es könnte weitaus schlimmeres geben, dass er dich schlägt oder so, oder?

Wenn dir irgendwas nicht passt oder du etwas unfair findest, würde ich mal mit ihm reden, aber erst wenn ihr beide einen ruhigen Moment habt. Ansonsten bleibt dir halt, wenn du dich garnicht mit ihm arrangieren kannst, nur übrig, zu warten, bis du 18 bist und dann auszuziehen. Dann musst du dir nur Gedanken machen, wie du das finanzierst.

Das ist die Pubertät. Da ist es normal, dass man seine Eltern (oder einen Elternteil) hasst. Halt durch, das geht vorbei.
Achte einfach darauf, dass du nichts sagst oder tust, was du später mal bereuen würdest.

EmilyBauer 08.07.2017, 14:25

Das ist es eben nicht. Seit mehr als einem Jahr ist das so und ich ertrage ihn nicht mehr

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Rita4ka90 08.07.2017, 14:28

Das kann auch noch ein, zwei Jahre dauern.
Versuch ihm erstmal etwas aus dem Weg zu gehen.
Du wirst erwachsen, er wird auch verstehen, dass du etwas Freiraum brauchst.
Du könntest auch versuchen sich in manchen Situationen in ihn zu versetzen, vielleicht verstehst du dann besser, warum er so handelt.

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EmilyBauer 08.07.2017, 14:32
@Rita4ka90

Ich denke nicht dass aus dem Weg gehen helfen wird. Wie gesagt er Mischt sich immer ein und akzeptiert Nein Nein als Antwort. Trotzdem danke

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