Ich habe in meinem Schlafzimmer 2 Außenwände, morgens ist das Fenster immer beschlagen und Schimmel entsteht an den Wänden, weshalb?

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7 Antworten

Schimmel entsteht, weil es ein entsprechendes Feuchteangebot gibt. Gibt es das Problem nur in der Heizperiode (also, wenn es draußen kälter ist), liegt es in der Regel an der Feuchtigkeit aus der Raumluft.

Luft trägt Wasserdampf mit sich, je wärmer die Luft ist, um so mehr Wasserdampf kann sie aufnehmen. Das Maximum an Wasserdampf, was die Luft aufnehmen kann, wird mit 100% relativer Luftfeuchte beschrieben - die Luft ist dann gesättigt. Weiterer Wasserdampf, der in die Luft abgegeben wird, schlägt sich dann sofort als Kondensat an Oberflächen nieder.

Ein weiterer Wert, der etwas über den Wassergehalt der Luft aussagt, ist die absolute Luftfeuchte. Die absolute Luftfeuchte wird in der Regel als Gewicht des Wassers in Gramm pro Kubikmeter der Luft angegeben. Kalte Luft kann beispielsweise 5g Wasser pro Kubikmeter Luft tragen, warme Luft auch gut 25g Wasser oder mehr pro Kubikmeter. Tabellen hierzu gibt es im Internet.

Besitzt warme Luft 10g Wasser pro Kubikmeter, kann aber insgesamt 20g Wasser aufnehmen, so besitzt diese Luft eine relative Luftfechte von 50%. Kühlt man Luft mit 50% rel. Luftfeuchte ab, so sinkt das Wasserdampfaufnahmevermögen und die rel. Luftfeuchte steigt an - die Luft wird feuchter. Bei 100% rel. Luftfeuchte fängt die Luft an, flüssiges Wasser an Oberflächen anzulagern, wenn sie weiter abgekühlt wird.

Nun muss man das auf den Wohnraum übertragen. Da die Lufttemperatur im Wohnraum nicht überall gleich ist, ist auch die rel. Luftfeuchte nicht überall gleich. Man kann grob sagen, da wo es warme Luft gibt (über der Heizung), wird die rel. Luftfeuchte gering sein (die Luft ist trocken), dort wo es kalte Luft gibt, wird die rel. Luftfeuchte höher sein (die Luft ist feuchter).

Kühlt Luft also aus, so steigt die rel. Luftfeuchte an. das geschieht oft am Fenster und an Außenwänden. Fenster fangen von unten an zu beschlagen, weil dort die Luft am stärksten ausgekühlt ist. An Aussenwänden gibt es oft auch unten die ersten Schimmelprobleme, weil dort die Luft am Kältesten ist.

An porösen Oberflächen (Wandbaustoffe, Tapeten, etc.) beginnt sich in den feinen Poren und Kapillaren ab 70% rel. Luftfeuchte flüssiges Wasser zu bilden. Liegt dieser Zustand über einen längeren Zeitraum an, so reicht diese geringe Wassermenge bereits aus, um die ersten Schimmelsporenarten zu Keimen zu bringen. Es bedarf also keiner Kondensatbildung bei 100% rel. Luftfeuchte.

Um den Schimmelbefall zu stoppen, muss dem Schimmel die Feuchte entzogen werden. Das geschieht nur über trockenere Luft, denn nur an die trockenere Luft geben Oberflächen die Feuchte ab.

Dazu kann die allgemeine Raumluftfeuchte durch Lüftungsmaßnahmen gesenkt werden. Ist die Oberfläche aber sehr kalt (nahe dem einstelligen Temperaturbereich), so bilden sich auch bei guten allgemeinen Raumluftwerten von 50% und darunter, hohe rel. Luftfeuchten vor der Oberfläche. Bleiben diese bei 70% und mehr, so nützt das Lüften nichts, die Oberfläche muss erwärmt werden, um eine allzu starke Luftauskühlung mit der entsprechenden Erhöhung der rel. Luftfeuchtewerte zu vermeiden.

Wird fleißig stoßgelüftet, so fällt mit jeder Lüftung trockene (von der absoluten Feuchtigkeit her) und kalte Luft auf den Fußboden des Zimmers. Da kalte Luft schwer ist, bleibt diese auch auf dem Boden liegen. Nichts hebt kalte Luft an - außer Wärme. Die Wärme der Heizung.

Ab der Unterkante des Heizkörpers wird die Luft über dem Boden erwärmt und steigt erwärmt und getrocknet zur Zimmerdecke auf. Bei der anschließenden Abkühlung direkt im Wandkontakt mit der Außenwandoberfläche, feuchtet die Luft auf, reichert sich noch mit der Feuchte aus der allgemeinen Raumluft (vom Atmen/Kochen/Duschen) an und kommt ausgekühlt und sehr feucht unten an der Scheuerleiste der Außenwand an. Da ist nun die Schimmelgefahr sehr groß und mit keinem Stoßlüften wird die Scheuerleiste erwärmt.

Durch immer dichtere Wohnungen (luftdichte Fenster, Wärmedämmungen an Fassaden) steigen die durchschnittlichen Raumluftfeuchten bei gleichen Lüftungsgewohnheiten an, deshalb wird nach der Wärmedämmung immer geraten, mehr zu lüften, weil die Feuchte der Wand nun nicht mehr nach außen abgegeben werden kann, sie muss komplett über die Raumluft entsorgt werden.

Wärmedämmung hilft dort, wo es gilt, die Wärme zu halten. Wärmedämmung verhindert keine kalten Oberflächen (zur Schimmelvermeidung), wenn die Oberfläche nicht gleichzeitig auch von der Heizungswärme erreicht wird. An der Scheuerleiste der Außenwand gibt es kaum Wärme, daher ist die Wärmedämmung hier auch kaum hilfreich. Durch Stoßlüftung fällt immer nur kalte Luft auf den Boden.

Die Heizung muss dafür sorgen, dass alle Wandbereiche im Raum möglichst gleichmäßig erwärmt werden. Da viele Heizungen überwiegend die Luft erwärmen und die Warmluft naturgemäß nach oben steigt, ist diese gleichmäßige Wärmeverteilung in einem Raum mittels warmlufterzeugender Heiztechnik nicht möglich.

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Kommentar von Onki73
02.11.2015, 09:48

Der Anteil an Wärmestrahlung der Heizung bestimmt maßgeblich über die Oberflächentemperaturen der unteren Außenwandbereiche im Raum, da die Wärmestrahlung Oberflächen direkt erwärmt. Erwärmt sich an einer warme Oberfläche die Luft, so bekommt die Luft ein größeres Wasserdampfaufnahmevermögen, die rel. Luftfeuchte sinkt, die Luft wird trockener und kann einen feuchtere Wandoberfläche trocknen.

Der Profi trocknet Wände mit Wärmestrahlung, da diese sehr effektiv die Wand trocknet. Zur Schimmelvermeidung sollte als der Raum mit möglichst viel Wärmestahlung der Heizanlage (Vermietersache) erwärmt werden. Der Hinweis auf das mehrfache tägliche Lüften des Mieters soll den Baufehler der Heizung auf (Heiz-)Kosten des Mieters ausgleichen, denn kein Lüften trägt zur Heizkostenmiderung bei.

Hohe Raumluftfeuchten stehen auch immer im Zusammenhang mit feuchten Wänden, denn die Raumluft steht mit den Umgebungswänden im Feuchteausgleich. Da Wände aber sehr viel Wasser einspeichern können (in einem Kubikmeter Vollziegelmauerwerk gibt es über 200l Hohlräume, die erhebliche Wassermengen einspeichern können), ist das Absenken der durchschnittlichen allgemeinen Raumluftfeuchte ein langfristiger Prozeß, ebenso, wie das Auffeuchten der Wände.

In meiner letzen Altbauwohnung machte ich mit der Entnahme von 12cm Gummidichtung, die lose oben im Holzfensterflügel eingelegt war, gute Erfahrungen. Dadurch wurde die allgemeine Raumluftfeuchte gesenkt durch einen leichten permanenten Raumluftwechsel. Beginnende Schimmelbildung an der Wand konnte so gestoppt werden.

Das hieß auch, dass die Wandfeuchte abgesenkt wurde, was den Dämmwert der Wand verbessert und zur Heizkosteneinsparung beiträgt. J.S. Cammerer hat den Zusammenhang zwischen Wandfeuchte und Dämmwert schon vor Jahrzehnten untersucht. Seine Ergebnisse sind mit seinem Namen und der Bildersuche zu ergoogeln. Bei linear ansteigender Wandfeuchte sinkt der Dämmwert parabelförmig ab, d.h. bei linear ansteiogender Wandfeuchte sinkt der Dämmwert parabelförmig ab. Die Wände sollten für gute Dämmwerte und geringe Heizkosten also nicht nur trocken sein, nein, sie sollten knochentrocken sein!

Viel Wärmestrahlung im Raum sorgt also für trockene Wände und damit auch für trockenere Raumluft mit einer deutlich geringeren Gefahr der Schimmelbildung. Wärmestrahlung erwärmt alle Oberflächen, also auch die Wasseroberfläche der am Fenster beginnenden Kondensatbildung. Dadurch wird das Kondensat sofort wieder zum Verdunsten angeregt. Wärmestrahlung wird vom Fensterglas zu 100% reflektiert. Das macht man sich im Gewächshäusern/Treibhäusern zu nutze.

Gibt es in der Wohnung zur falschen Heiztechnik noch zusätzlich die Nachtabsenkung (oder Tagabsenkung), so verstärken sich noch die Feuchteprobleme. Immer wenn die Heizanlage wieder hochläuft, läuft die Oberflächentemperatur der thermisch trägen Wand der Raumlufttemperatur noch lange Zeit hinterher, was zur stärkeren Raumluftauskühlung vor der kalten Wand führt, mit dem Effekt der höheren rel. Luftfeuchte, was die Wandoberfläche befeuchtet.

Ähnlich ist es auch, beim Beheizen von Räumen mit der Warmluft eines anderen Raumes. Warmfeuchte Luft des wärmeren Raumes hinterläßt hohe Feuchten an der kühleren Wand des weniger gut beheizten Raumes. So entsteht oft Schimmel im kühleren Schlafzimmer, wenn die Zimmertür nicht geschlossen wird und geschlossen bleibt.

Also bei Schimmelproblemen, gleichmäßig durchheizen, auf gute Wärmeverteilung vor Außenwandoberflächen auchten (Vorsicht bei großen Schränken oder dem Bett an der Wand), 2-4x täglich Stoßlüften sollten ausreichen, Kipplüftung vermeiden, ggf. Fenster etwas "undicht" machen und mit der Kerzenflamme auf Zuglufterscheinungen kontrollieren.

Hilft es alles nichts, muss die Heizanlage mit dem Ziel der gleichmäßigeren Wärmeverteilung im Raum umgestaltet werden. Dazu bieten sich Heizrohrschleifen am Sockel vor den Außenwänden an (ggf. gleich die Heizleiste) oder auch der Heizkörper Typ 10, der über 50% Wärmestrahlung in den Raum abgibt und damit für eine bessere Wärmeverteilung im Raum sorgt.

Mit dem IR-Thermometer die Temperatur der besonders schimmelgefährdeten Wandstellen im Raum messen und anhand der allgemeinen Raumlufttemperatur und der allgemeinen Raumluftfeuchte die Oberflächenfeuchte der Wand bestimmen. Luftfeuchtetabellen im Internet sind hierfür sehr hilfreich. Die Oberflächenfeuchte darf nicht dauerhaft über 70% liegen, ansonsten allgemeine Raumluftfeuchte senken und/oder Wandoberflächentemperatur erhöhen.

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Als erstes würde ich die Luftfeuchtigkeit im Raum messen. Das wird mit Hygrometer gemacht. Die Werte sollen bei max. 60% liegen.

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Kommentar von M2015P
01.11.2015, 21:30

werd ich mal versuchen hilft eventuell luftentfeuchter?

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die Luftentfeuchter zum Aufstellen mit Salz bringen wirklich nur sehr sehr wenig. auch das Geld für einen elektrischen Luftentfeuchter, der unter 30l am Tag schafft, kannst du dir sparen.

als erstes muss der Vermieter informiert werden und dann sollte öfter gelüftet werden.mind 3x tgl durch stoßlüftrn. aber es ist auch relevant, woher die Fruchtigkeit kommt und das kann nur ein Fachmann. wenn bauliche Mängel vorliegen, muss der Vermiter den beheben.

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Wir Menschen bringen viel Feuchtigkeit ins Haus. Kochen ohne Dampfabzug, Duschen, Bügeln mit Dampf usw. bringt literweise Wasser in die Wohnung. Kein Wunder beschlagen die Fenster. Die Wände saugen alles auf und geben die Feuchtigkeit langsam wieder ab.

Erst mal würde ich täglich die Fenster trocknen, so kommt schon mal viel Wasser weg. So ein Fenster ist eine gute Gelegenheit, die Luft zu trocknen.

Noch besser wäre ein Raumluftentfeuchter. Diese laufen am Strom und bringen pro Tag 2 -3 Liter Wasser in den Behälter. Damit trocknet ein Zimmer und auch die Wände schnell ab. Der eingebaute Hygrostat stellt ab, sobald es trocken ist. Dadurch sparst du viel Strom, und der Effekt ist, dass eine trockene Wohnung wärmer empfunden wird. Man spart an Heizkosten und fühlt sich wohler.

Meine Frau bügelt bei schönem Wetter auf dem Balkon, so ist der Dampf schon draussen.

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Kommentar von M2015P
02.11.2015, 16:48

Danke dir! habe heute so eine box die ein luftentfeuchter ist gekauft vielleicht hilft es ja :) mittlerweile beträgt die luftfeuchte 59%

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Das Problem sind die hirnrissigen Bauvorschriften. Die Antwort von onki73 beschreibt die Heizungsprobleme vortrefflich. Solche fundierten Antworten findet man leider sehrselten. Auch sogenannte Experten verzapfen oft blühenden Unsinn.
Leider sagen unsere Bauvorschriften nicht, wie eine Wohnung gut entlüftet werden kann. Denen fällt da nur die teure Lösung über Klimaanlage mit Wärmerückgewinnung ein. Sie muss 24 Stunden in Betrieb sein und die Rohre und Filter müssen oft gewechselt werden. All das ist sehr teuer. Es gibt einig Materialien, die das Problem an der Wurzel packen. Das Lehmhaus, das Massivholzhaus, einige ökologische Fertighäuser, und Häuser aus dem Backstein T5. Konventionelle Bauweise ohne Zwangsentlüftung führt unweigerlich zu schlechtem Raumklima.

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Wie oft lüftest du am Tag?

Schlafzimmer am besten Morgens nach dem aufstehen und Abends vor dem Bett gehen, wenn du dein Schlafzimmer aber tagsüber noch benutzt lüfte noch dazwischen.

Ich würde dir ein Hygrometer empfehlen, dann kannst du deine Luftfeuchtigkeit messen und anhand der Werte sehen wann du lüften musst.

Das die Fenster morgens beschlagen sind ist normal das kannst du auch nicht verhindern, die feuchte warme luft wird durch die Kalte draussen gewechselt und bei dem vorgang kodensiert die warme feuchte luft an den kalten Fenster scheiben.

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Die Wärmedämmung ist mangelhaft, so dass bei kalter Witterung die Temperatur der Fensterscheibe und der Außenwände so niedrig ist, dass der mit der Atemluft ausgeatmete Wasserdampf an ihnen kondensiert. Das erkennt man an der beschlagenen Fensterscheibe und einer relativ feuchter Wand, die für Schimmel zusammen mit Tapeten oder Anstrich einen idealen Nährboden für Schimmel bildet. Da hilft nur eine bessere Wärmedämmung und Verringerung der Konzentration des Wasserdampfes im Raum z.B. durch ausreichend vieles Lüften.

LG

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Kommentar von M2015P
01.11.2015, 21:45

kann ich auch nachtsüber so ein box die es da als luftenfeuchter gibt aufstellen? hilft das? diese Problem haben wir erst seit wir diese Farbe verwendet haben

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