Ich dachte Buddhisten glauben nicht an Götter?

8 Antworten

Der Buddhismus kennt keinen allmächtigen Schöpfergott, wie etwa Judentum, Christentum und Islam. Das wird auch kein solcher Gott angebetet.

Man muss aber grundsätzlich unterscheiden zwischen der tatsächlichen "Lehre Buddhas" und zB dem Volksbuddhismus in asiatischen Ländern.

Wenn man die Lehre der Bibel mit dem christlichen Volksglauben vergleicht, wird man auch viele Abweichungen finden - Heiligenverehrung etwa.

Man sollte also immer wissen, was man da gerade sieht oder liest - buddhistische Lehre, oder asiatische Gebräuche.

Geschichtliche Betrachtung

Der Buddhismus entwickelte sich in einer Kultur, die im Wesentlichen hinduistisch geprägt war. Dazu gehört natürlich auch der Volksglaube.

Bei seiner Verbreitung verbot der Buddhismus diese Vorstellungen nicht, sondern er integrierte ihre Verehrung in die eigenen Rituale.

So wurden diese alten Hindu-Götter zB zu "Schützern der buddhistischen Lehre" erklärt und konnten so vom einfachen Volk weiterhin verehrt werden.

Religiöse Betrachtung

Der Buddhismus lehrt die Wiedergeburt in den sechs Daseinsbereichen:

Höllenwesen, Hungergeister (Preta), kämpferische Dämonen (Asura), Tiere, Menschen und Himmelswesen (Deva).

Dabei leben die Deva zwar unvorstellbar lange und haben alles, was man sich wünschen kann, sind aber trotzdem dem Kreislauf des Leidens unterworfen.

Sie müssen befürchten, dass andere Devas mächtiger sind, haben Angst ausgenutzt zu werden und fürchten den Abstieg bei der Wiedergeburt.

Diese Wesen werden vom einfachen Volk in Asien manchmal als "Wunscherfüller" angerufen - das ist aber nicht Teil der Lehre Buddhas.

Bodhisattvas

Bodhisattvas ("Erleuchtungswesen") sind ein Konzept aus dem Mahayana-Buddhismus und stellen ein wichtiges Ideal dort dar.

Im Theravada ist der "Arhat" das Ideal - der einzelne Übende, der ausschließlich auf sein eigenes Erwachen und das Nirvana hinarbeitet.

Die Begründung dafür ist, dass niemand das Karma einer anderen Person aufheben kann, also letztlich jeder für sich selbst verantwortlich ist

Das galt den Philosophen des Mahayana als zu egoistisch und sie erklärten als Gegenentwurf, es gäbe auch das Ideal des Bodhisattva.

Der Bodhisattva legt ein Gelübde ab, selbst bei seinem Erwachen nicht aus dem Kreislauf der Wiedergeburt auszusteigen, sondern sich freiwillig weiter in diesen leidvollen Existenzen zu bewegen.

Er stellt damit seine eigene Befreiung zurück zum Wohle der anderen Wesen. Auch heute noch können Mahayana-Buddhisten dieses Gelübde ablegen.

Dabei kam es zu dem Glauben, dass diese Bodhisattvas auch in "höheren Sphären" existieren und Menschen, die sich hilfesuchend an sie wenden, unterstützen.

Der Bodhisattva des Mitgefühls (Avalokiteshvara) wird in vielen asiatischen Ländern in weiblicher Form (Guanyin, Kannon) verehrt. Er hört die Klagen der Wesen und setzt sich dafür ein, ihnen zu helfen.

Der Bodhisattva der Weisheit (Manjushri) soll dabei helfen, die geistigen Illusionen zu überwinden. Im Volksbuddhismus werden diese Vorstellungen teilweise sehr wörtlich genommen und es gibt entsprechende Amulette

Psychologische Bedeutung

Gerade moderne Buddhisten sehen teilweise sowohl die Wiedergeburten, als auch die Bodhisattvas vor allem als Symbole und Ideale an.

Man hat mit dem Bodhisattva ein Ideal, dem man nacheifern kann, um ein menschenfreundliches, sozial engagiertes Leben zu führen.

Pretas, Asuras, Devas und andere Formen der Wiedergeburt können auch als symbolische Beschreibungen für bestimmte geistige Verfassungen gelten.

Das habe ich hier schon mal erklärt:

https://www.gutefrage.net/frage/wenn-es-die-wiedergeburt-wirklich-geben-sollte-wie-kann-es-dann-sein-dass-aus-vielleicht-10000-menschen-milliarden-geworden-sind-rest-steht-unten?foundIn=list-answers-by-user#answer-189570040

Buddhistische Praxis

Insbesondere im Vajrayana-Buddhismus glaubt man daran, dass man durch bestimmte Meditationen auf Bodhisattvas und Buddhas das eigene Bewusstsein verändern kann.

Indem man beispielsweise übt, völlig eins mit einer Verkörperung des Mitgefühls zu werden, will man diese Eigenschaft bei sich fördern.

Indem man den Bodhisattva der Weisheit visualisiert, seein Mantra spricht und Rituale vollführt, will man eigene geistige Blockaden überwinden.

In diesen Fällen kann der positive Effekt durch die Änderung des Bewusstseins aufgrund der Identifikation mit einem Bodhisattva herbeigeführt werden.

Es gibt buddhistische Erzählungen, die das etwas erklären.

So verspricht ein tibetischer Händler der regelmäßig nach Indien reist, seiner Frau immer wieder eine heilige Reliquie mitzubringen, doch immer vergisst er es. Schließlich droht die Frau sich umzubringen, wenn er ohne Reliquie wiederkommt.

Auf seinem Rückweg aus Indien merkt der Händler aber, dass er es schon wieder vergessen hat. Aus Angst um seine Frau blickt er um sich, sieht einen halbverwesten Hundekadaver und bricht ihm einen Zahn aus, den er in Seide hüllt.

Zuhause erzählt er seiner Frau, dies sei ein Zahn Buddhas.

Die Frau beginnt, täglich vor ihrem Hausaltar die Verehrungsformeln zu sprechen - und plötzlich sind himmlische Regenbögen über dem Haus zu sehen und Menschen die den Zahn sehen, werden geheilt.

Haben hier übernatürliche Kräfte gewirkt - oder war die Autosuggestion der Menschen so stark, dass sie ihnen half, sich besser zu fühlen, oder sogar zu gesunden?

Dadurch, dass sie sich geistig ganz in die Verehrung der Reliquie versenkten, änderten sie ihr Bewusstsein und es konnten positive Nebeneffekte auftreten.

Kurzform:

Der Buddhismus übernahm einige Gottheiten (Devas) aus dem hinduistischen Volksglauben und gliedert sie in das eigene Lehrmodell ein, anstatt ihre Verehrung zu verbieten.

Durch die Verehrung dieser Wesen erhoffen sich einfache Menschen dann tatsächlich auch persönliche Vorteile, obwohl dies nicht Teil der eigentlichen buddhistischen Lehre ist.

Asiatische Buddhisten können oft selbst gar nicht trennen, was denn nun zB vietnamesischer Volksglaube und was buddhistische Lehre ist, weil sie mit dieser Mischung aus beidem aufwachsen.

Es gibt mit diesen Devas also zwar eine Art "übernatürliche" Wesen, die aber letztlich genau so dem Leiden unterworfen sind, wie alle anderen Wesen auch und nur zeitweise diese Form haben.

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Der Buddhismus ist eine aus dem Hinduismus entstandene Religion. Somit ist der Glaube an verschiedene Gottheiten im Buddhismus vorhanden, findet dort aber keine wichtige Bedeutung. So oder so bekennt sich der Buddhismus dem "ewigen Gesetz" (der Lehre der Reinkarnation etcc), oder genauer gesagt: Geht er von dieser Lehre aus.

es gibt auch keine "echten" götter im buddhismus, so wie die ganzen manifestierten gottheiten in anderen religionen..............:)

es gibt eigentlich nur zwei gruppen, die einmal in menschliche, also irdische bodhisattvas (....-wesen) und einmal in überirdische, also transzendente (....-wesen) unterschieden werden............. :)

die buddhistische "lehre" ist auch keine religion, sondern ein weg, den jeder beschreiten kann, wenn er es möchte, und gerade da unterscheidet sich diese lehre von allen anderen religionen, die einen zwang beinhalten, nämlich das anbeten und den gehorsam der jeweiligen religion selbst, das unterwerfen des eigenen lebens einem gott..................:)

buddha war zudem ein mensch, und bedeutet nur "erleuchtet/aufgewacht", eine bezeichnung für einen MENSCHEN, der also gelebt hat und erwacht ist (im geistigen sinne), NICHT für einen gott..............ein kleiner, aber feiner unterschied.........:)

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