Ich bin kurz davor durchzudrehen. Warum noch leben?

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12 Antworten

Was von all dem bin ich?

Die Frage mutet sicher am Anfang komisch an aber sie hat, in meinen Augen, ihre Daseinsberechtigung. Worüber man sich definiert ist eine eigene Entscheidung - auch wenn man natürlich maßgeblich von dem Umfeld geprägt wird.

Schlagwörter sind an der Stelle Karriere, Materielles, Bildung/Wissen, Hobbies, Äußeres, soziales/politisches Engagement und vieles mehr. Man kann sich über so viele Dinge selbst definieren und damit auch sein Selbstwert(-gefühl) steigern respektive festigen.

Das was dir jetzt passiert ist, ist hart. Du hast dich, so lese ich das heraus, in den letzten Jahren richtig reingehängt und nun ist es Schlag auf Schlag weggebrochen. Das was dich, aus deiner Perspektive, ausgemacht hat ist Weg und Sätze wie "Ich fühle mich für den Rest meines Lebens als Versager gebrandmarkt und sehe keinen Sinn für eine Zukunft." zeigen - der Selbstwert ist völlig in den Keller gerutscht.

Es ist also keineswegs übertrieben, wenn du deine Gefühle schilderst und deine Gedanken sind absolut nachvollziehbar. Das ist verständlich und es muss dir auch nicht unangenehm sein, dass so zu schreiben. 

Eine Sache hast du jetzt auch schon für dich mitgenommen und ich weiß nicht, so genau kann ich das nicht herauslesen, ob du dir dessen bewusst bist.

"Vielleicht kommt euch das übertrieben vor, aber ich habe sonst nichts."

Der Punkt ist, dass du dich gedanklich in eine Sackgasse manövriert hast. Ich schrieb oben von den Möglichkeiten, von den Optionen, wie man sich selbst definieren kann, den Standbeinen des Selbstwerts. Sich auf eines zu Stützen, ist ein hohes Risiko, denn wenn dieses wegbricht, bricht alles auf einmal ein - das erlebst du gerade. 

Wenn du also schreibst, dass dir alles sinnlos vorkommt, dann ist das absolut verständlich.

Allerdings, so mein Gedanke, sollte dir das nicht deinen gesamten Lebenswillen auf lange Sicht nehmen. Das ist natürlich aus meiner Perspektive leichter gesagt als getan und an deiner Stelle würde ich mir jetzt vermutlich denken, dass der Spinne auf der anderen Seite des Bildschirms bitte seine Binsenweisheiten stecken lassen soll. Das ändert jedoch nichts daran, dass dir Optionen offen stehen und du sie für dich nutzbar machen kannst, greifbar machen kannst.

Du hast gezeigt das du motiviert und ehrgeizig bist.

Nutze diese Eigenschaften für dich und lasse sie dir nicht aus den Händen greifen. Selbst schreibst du "Das ungerechte ist, dass ich noch nicht einmal etwas dafür kann [...]" was doch schon zeigt - es ist nicht eine Unfähigkeit gewesen, ein Fehler den du gemacht hast, fehlende Kompetenz. Schlicht und ergreifend ein schwerer Schlag, der durch eine Verkettung, wie auch immer diese aussieht, dich getroffen hat.

Es gibt keinen Grund an dir zu Zweifeln.

Du schreibst du fühlst dich für den Rest deines "Lebens als Versager gebrantmarkt" aber warum sollte dem so sein? Du hast nicht versagt. Du hast Ehrgeiz, Wille und viel Kraft investiert und hast nun einen Rückschlag erlitten, für den du, sagst du selbst, nichts kannst.

An keiner Stelle hast du also versagt. Du hast immer noch dein Können, nutze es und wenn du es immer noch möchtest, dann gehe in dieselbe Richtung, in die du bereits gegangen bist. Rückschlag bedeutet nicht, dass etwas für immer unerreicht bleiben muss.

Nun aber der eigentliche Punkt.

Schaffe dir ein zweites Standbein für dich, neben der Karriere. Einen Ausgleich, der dir auch das Gefühl gibt etwas wert zu sein. Eben nicht mehr die Karriere als das einzige was du hast zu erleben. Oben schrieb ich bereits, über was sich Menschen nicht alles definieren und sich ihren Selbstwert erhalten. Ob Hobby, Leidenschaft - ganz egal. Hauptsache du gestehst dir selbst einen Rückhalt zu, etwas, was auch einen Rückschlag abfedern kann und dir gleichermaßen auch gut tut. 

Vielleicht fällt dir jetzt schon etwas ein, etwas das du gerne tust, vielleicht intensiver tun möchtest aber nicht die Zeit dafür gefunden hast. 

...und da schließt sich der Kreis. Lasse dir nicht deinen Lebenswillen nehmen von Etwas, für das du nichts kannst. Orientiere dich, wenn du das möchtest, weiter an deinem Karriereziel aber gestehe dir zu, auch mehr im Leben haben zu dürfen als das. 

Was von all dem bist du?

Ich weiß es nicht. Nur das du mehr bist als eine fleischgewordene Karriere. Du bist nun an dem Punkt dir das selbst bewusst machen zu können und aktiv, durch neue Wege, dir noch mehr zu geben. 

Ich wünsche dir alles Liebe und hoffe sehr, dass du dir bald sagen kannst, dass du vieles bist. Ein Mensch mit vielen Facetten, derer du dir auch bewusst bist.

Liebe Grüße.

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es gibt schlimmres als ein Jahr zu verlieren. ich will jetzt nicht gut reden, aber versuch dir mal klar zu machen, dass es leute gibt, denen es viel schlimmer geht...

ich hatte vor 10 jahren oder so einen schweren fahhradunfall. wäre meine freundin nicht gewesen, ich wäre ertrunken! es sah auch eine weile so aus. als wäre ich vom hals ab gelähmt! hat sich aber gottseidank wieder gegeben!

sieh es mal so, du hast ein Jahr verloren, aber du hast noch so viele vor dir. die du alle verlieren würdest, wenn du jetzt schluss machst...

also kopf hoch, das wird wieder... frei nach milva...

hurra, wir leben noch, was mussten wir nicht alles überstehn, und leben noich...♫

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Kopf hoch und weiter machen. Es kommen wieder bessere Zeiten, wenn du die richtige Einstellung hast. Was ist schon ein Jahr im ganzen Leben. Karriere ist auch nicht alles. Du musst dich nicht dafür schämen. Die Gesundheit kann man halt nicht steuern.

Ich hatte auch schon schwere Zeiten im Leben. Manchmal hat es mich echt an meine Grenzen gebracht. Aber ich habe nicht aufgegeben, eher angefangen, die kleinen Dinge zu schätzen. Heute geht es mir gut und ich bin zufrieden.

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Ein Versager ist man nur, wenn man das bereitwillig annehmen möchte.

Ich habe meine Karriere innerhalb der Firma prima durch einen Burnout versemmelt.

Somit ist klar, dass ich, zumindest aktuell, innerhalb der Firma keine große Möglichkeit der Entwicklung haben werde und auf meiner momentanen Position entsprechend ausharren muss, bis sich eine neue Chance ergeben kann.

Ich kann aber auch mein Glück woanders suchen und die Firma wechseln.

Selbst sehe ich mich nicht als Versager. Warum auch?
Schließlich hat mir nur mein Körper aufgezeigt, dass er mit meiner Entwicklung nicht einverstanden ist und diese auch nicht gut für mich ist.

Da heißt es einfach, wieder aufstehen, Krone richten und weitermachen.

Für diese Einsicht habe ich aber auch einige Zeit gebraucht. Und das eben auch verbunden mit professioneller Hilfe durch einen Psychotherapeuten.

Manchmal braucht man auch eine weitere Meinung, die man mit seiner eigenen abgleichen kann, um wieder auf den richtigen Weg zu kommen.

Mittlerweile hat man dann noch Leukämie bei mir diagnostiziert.
Trotzdem kein Grund, von meinen Plänen der weiteren Entwicklung abzuweichen.

Und auch lange kein Grund, darüber nachzudenken, ob ich noch leben möchte.

Denn, ich will leben. Und das Leben ist auch mit Umwegen und mit manchen Steinen, die im Weg liegen, trotzdem schön.

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Weißt du? Ich bin gläubig... ich weiß nicht welche glaubenrichtigung du hast ob du überhaupt gläubig bist aber eins wissen wir alle wir werden alle eines tages sterben. Vielleicht ist dieser tag morgen oder ernst in 100 jahren das weiß außer allah niemand. Aber weißt du... Wenn du wegen einem jahr, deinen sinn zum leben verlierst, denkst das es das war... Dann weiß ich nicht ... Diese zeit die du auf dieser erde verbringst ist nicht so lang wie man meint. Jeder Mensch hat seine höhen und tiefen und jeder wird mal lachen und mal weinen mal fallen und wieder aufstehen mal wird er ein herz brechen aber mal wird sein herz gebrochen werden. Aber mann muss, immer wieder, den sinn und die freude finden das alles zu erleben ob gut oder schlecht. Ich bin allah für alles dankbar, ich versuche dankbar für alles zu sein, auch wenn ich es nicht immer leicht hatte. Ich weiß nicht, ob wenn leute mein leben hätten, depressiv wären oder was weiß ich, aber ich kann mit allem was mit wiederfährt ob gut oder schlecht zurecht kommen.

Ich weiß nicht wo du dich gerade befindest, was du durchmachst, aber guck mal, du hast ein handy, du hast internet, dach überm kopf, essen, trinken, die kariere wird wieder... Es wird wieder... es ist nicht vorbei. Nix ist vorbei, es hat gerad erst angefangen. Weißt du. Mach die augen auf. Setz dich denk nach. Alles wird gut

Du schaffst das

Gruß
Momoi14

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Hallo, du schreibst ein Jahr deines Lebens für die Tonne -- ich habe 13 Jahre meines Lebens gesoffen -- die sind auch für dieTonne.

Auf Grund des Saufens habe ich jetzt vermehrt gesundheitliche Probleme (Krankheiten, die vielleicht auch so gekommen wären, verstärken sich) ausserdem bin ich psychisch sehr angeschlagen (wieso hätte ich sonst gesoffen).

Ausserdem eine schwerer Unfall in Jugendzeit mit bleibenden Einschränkungen (nüchtern).

Habe auch eine Therapie gemacht, alles nicht meine Schuld -- soll ich jetzt von der Brücke springen????

Gruß Josef

(Übrigens :: durchdrehen tu ich auch noch manchmal, aber ich nehme das eher mit Humor-- bin halt eine besondere Persönlichkeit)

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Nicht mehr leben zu wollen bedeutet für mich: aufgeben...
Das Leben ist nun mal von Herausforderungen geprägt, anderen Menschen sieht man es von außen nicht an, haben aber auch ihre Vorgeschichten.

Ein Jahr ist jetzt nicht besonders viel, wenn man bedenkt, dass man 40-50 Jahre arbeitet, oder arbeiten müsste.

Ich kenne jetzt nicht die Details deiner Krankheit und wie sich das auf deine Karriere ausgewirkt hat...
Aber ich bin mir sicher, dass auch Du das überstehen wirst und sich alles ändern kann...

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Hallo yuppieyuppie,                         viele Menschen erleben so eine Phase, einige öfters, einige weniger. Heutzutage denken Meschen immer weniger über das Positive nach, die meisten denken nur noch an negativen Sachen. Immer alles auch noch einmal umdrehen.Also frage dich: Warum denn nicht leben? Klar wegen deinen genannten Gründen, aber wer will denn kein leckeres Eis genießen, zu Hause in der Sonne liegen... Mach dir nicht so viele Sorgen. Genieße dein Leben und freue dich, wenn es dir nach dieser schweren Zeit besser geht.

Lg ProfessorNoxus 

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mein gott... dann hätte ich mich schon fünfmal umbringen müssen.

und ich konnte auch kein einziges mal was dafür...

ein jahr ist grad mal 1,25% deiner voraussichtlichen lebenserwartung.

du kannst nicht einfach bei jedem rückschlag gleich aufgeben...

mit hätte, wäre und könnte, kann man sein leben nicht bestreiten. ärmel hochkrempeln und loslegen. übrigens ist die karriere fürs leben nicht wichtig. wichtiger ist, wie du menschlich dein leben bewältigst.

willst du mein lebensmotto wissen?

never surrender! take the stones to pave your way.

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einfachichseinn 21.07.2016, 19:50

Wieso übersetzt du ein deutsches Zitat auf englisch?

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ponyfliege 21.07.2016, 21:06
@einfachichseinn

weil es kein deutsches zitat ist und weil es meine sache ist, in welcher sprache mein lebensmotto ist.

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einfachichseinn 21.07.2016, 21:11

Du das ist ein Zitat von Goethe, aber gut...

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Es gibt so etwas, dass nennt sich Therapie.

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einfachichseinn 21.07.2016, 21:12

Es hilft dem fs, um nicht durchzudrehen... Denken hilft!

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Gib nicht auf!!!

Das ist 1 Jahr...es gibt soooo viel für das es sich zu leben lohnt!

Es kommen wieder gute Zeiten 🍀

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Nun, wenn ich mir all deine Fragen so durchlese, kann ich das alles nicht so ernst nehmen.

Dein Problem liegt sicher woanders, nicht in einem Karriererückschlag.

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