Ich bin kein Zeuge - wem muss ich das schildern?

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3 Antworten

Du bist dann Zeuge, wenn ein Gericht meinst, dass Du ein Zeuge bist. Du musst nicht eine Tat unmittelbar beobachtet haben, um Zeuge zu sein. Es genügt z.B. auch, dass für die Rekonstruktion des Geschehens Deine Aussage notwendig ist. Vielleicht ist auch z.B. die Aufzeichnung verloren gegangen und Du sollst schildern, was Du auf dem Band gesehen hast.

Die Bewertung Deiner Aussage und ihrer Brauchbarkeit steht jedenfalls nicht Dir zu, sondern nur dem Gericht. Oft wissen Zeugen gar nicht genau, für welchen Beweissschritt ihre Aussage erforderlich ist. Dies ist auch Absicht.

Auch der Umstand, dass Du nichts gesehen hast, kann übrigens von Bedeutung sein. Wenn z.B. - das ist jetzt mal einfach weitergesponnen - die Täterin erzählt hat, Du hättest irgendetwas erlaubt.

Da Zeugen gar nicht wissen, was ihre Aussage letztendlich bewirken würde, bleiben sie übrigens am besten bei der Wahrheit. Alles andere wäre auch strafbar.

Polizisten laden nicht zu Gerichtsterminen. Dazu kommt Post vom Gericht. Allerdings scheint es den Termin ja zu geben, wenn das Amtsgericht darauf eingegangen ist - es sei denn, sie hatten das gar nicht näher überprüft und Dir nur eine allgemeine Auskunft gegeben.

Sobald Du eine Terminladung mit Datum, Uhrzeit, Gerichtssaal usw. hast, bist Du grundsätzlich verpflichtet, zu erscheinen und auszusagen, sonst drohen Strafen. Dein Arbeitgeber muss Dich freistellen. Einen etwaigen Verdienstausfall zahlt nicht Dein Arbeitgeber, Du erhältst ihn aber vom Gericht erstattet. Dazu musst Du ein Formular ausfüllen, in dem Du den Verdienstausfall angibst, und dies Deinen Arbeitgeber bestätigen lassen. Gerade im Einzelhandel ist das Alltag.

Hast Du Gründe, weshalb Du dem Termin aus zwingenden Gründen nicht wahrnehmen kannst, musst Du dies sofort dem Gericht mitteilen, und zwar schriftlich (Brief / Fax, nicht aber per E-Mail oder Telefon). Am besten legst Du Belege bei. Der Grund muss entstanden sein, bevor Du die Ladung erhalten hast. Bereits gebuchte Flüge oder auch eine Beerdigung (mein Beileid) sind solche Gründe. Ansonsten wird Dir zugemutet, dass Du Deine Terminplanung verlegst.

Sehr großzügig sind Gerichte dabei nicht. Bei mehreren Zeugen ist es fast immer so, dass irgendjemand eine abweichende Terminplanung hat. Die Gerichte könnten gar nicht arbeiten, wenn sie auf jeden Terminwunsch von Beteiligten und Zeugen Rücksicht nehmen würden.

Über die Verschiebung entscheidet nur das Gericht. Und zwar schriftlich; manchmal sind sie so freundlich und rufen vorab an, um die Entscheidung mitzuteilen. Bis Du eine entsprechende Nachricht in der Hand hältst (man nennt sie "Abladung", auch wenn dieses Wort nicht draufsteht), gilt Deine Pflicht, zu erscheinen.

Wenn Du entgegen Deiner Verpflichtung nicht erscheinst, musst Du mit einem Ordnungsgeld rechnen. Dieses fällt normalerweise dreistellig aus. Außerdem musst Du damit rechnen, dass die Polizei Dich beim nächsten Termin holt und zum Gericht fährt.

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Entweder der Staatsanwalt oder der Verteidiger hat dich als Zeugen benannt. Aus der Nummer kommst du nicht wieder heraus. Im Zweifel läufst du da auf, sagst, dass du nichts gesehen hast und gehst wieder.

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Bescheid des Amtsgerichtes hast du aber, ja??

Dort ist ein Rechtspfleger benannt.., ruf den an und schildere den Fall.., du seiest kein Zeuge, hast ja nichts gesehen, ect.    Sag, der Sachverhalt wurde falsch interpretiert. 

Keiner kann dich zu einer Zeugenaussage zwingen / nötigen.. 

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Kommentar von archibaldesel
07.03.2016, 18:34

Oh doch, der Richter kann. Es gibt fest definierte Gründe für ein Aussageverweigerungsrecht, ansonsten muss ausgesagt werden. Eine unbegründete Aussageverweigerung vor Gericht kann mit Ordnungsgeld oder sogar Beugehaft geahndet werden.

Wobei man natürlich nur das bezeugen kann, was man auch gesehen hat.

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