Ich bin doch Deutscher

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17 Antworten

Ich kann deinen Unmut verstehen, aber ich denke nicht, dass die Masse das böse meint. Mir ist das auch neulich bei einer Kommilitonin mit Migrationsgeschichte über die Lippen gerutscht und hab mich dann dafür geschämt. Dabei hat sie mich einfach interessiert und ich wollte alles andere als beleidigend sein. Wenn dich das nächste mal einer fragt wo du herkommst, dann sag einfach "Ich komme aus ....( Heimatstadt)" und nimm es nicht so persönlich, auch wenn es manchmal ganz schön verletzend ist.

Zu erst ist es doch wohl so, das dir die türkische respektive zumindest nicht europäische oder meinetwegen auch deutsche Abstammung schon rein optisch anzusehen ist und ergo liegt es doch auch auf der Hand in dieser Richtung zu denken. Alles weitere stellt sich doch wohl möglicherweise erst beim näheren kennelernen heraus und von daher kann ich daran nichts anstößiges erkennen. Entscheidend ist letztendlich nicht diese doch löbliche und auch nicht böse gemeinte Anmerkung wegen deiner Sprachkenntnisse, sondern wie ihr miteinadner umgeht. Sprich wenn der Deutsche für dich als Türke nicht der stinkende Schweinefleischfresser ist und Du für den Deutschen nicht der nach Knoblauch stinkende Kümmeltürke bist, ergo gegenseitige Achtung und respekt sind einzig und alleine entscheidend.

Ich bin hier auch aufgewachsen, ging zur Schule und spreche fließend Deutsch ohne jeglichen Akzent. Sogar besser als so manch ein Deutscher. Besitze die deutsche Staatsangehörigkeit, habe mein Abitur absolviert und studiere.

Trotzdem leide ich häufig sehr unter den immer wiederkehrenden Diskriminierungen und auch unter dieser ewigen Integrationsdebatte nicht nur in den Medien sondern auch auf den Straßen und den öffentlichen Verkehrsmittel. Man merkt, dass sich häufig einige in meiner Gegenwart anders Verhalten, daher kann ich deine Gefühle sehr gut verstehen.

Mir sind bisher selten Personen begegnet die kein richtiges Deutsch sprechen konnten und darunter waren auch Dörfler die zwar der Definition des durchschnittlichen Deutschen entsprechen, aber eben seit 60 Jahren es versäumt haben Hochdeutsch zu lernen.

Man sieht es immer wieder, dass Menschen mit z.B. holländischen oder polnischen Vorfahren die einen Deutschen pass besitzen und die Sprache sprechen zeitlebens als Deutsche betrachtet werden, "wer aber anders aussieht, der ist auch anders".

Selbst habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass wenn ich jemanden begegne immer gleich gefragt wird woher ich denn komme. Dann wird nachgehackt und darauf verwiesen, dass ich eben anders aussehe und dann werden weitere Fragen gestellt. Die meisten sind dann so dumm und merken sich meine Antwort auch nicht und fragen immer und immer wieder. Einmal fragte man mich in einem Autohaus sogar, ob ich denn Deutsch lesen könnte und meine Nachbarin redete mich immer auf Englisch an, wenn ich ihr ein Päckchen überreichte...

Selbst bin ich schon so von der ganzen Situation verschlungen, dass ich von mir selbst auch nur noch als Ausländer spreche. Meine leibliche Mutter reagiert dann immer sehr entsetzt, denn sie entspricht ebenfalls der Definition des durchschnittlichen Deutschen in vollen Zügen.

Viele Leute haben genaue Vorstellungen, wie der Normaldeutsche auszusehen hat. Ein bisschen musst du natürlich auch ausbaden, dass es bei uns viele Immigranten gibt, die gar keine Deutschen sein wollen, sich nicht integrieren wollen und lieber in ihren sprachlichen Gettos bleiben wollen. Ich denke da vor allem an die Großstädte. Kümmere dich einfach nicht drum.

Man sieht es ja niemanden an der Nase an, ob er hier geboren und aufgewachsen ist. Es trifft nunmal für die meisten nicht zu. Deine Möglichkeit besteht lediglich darin die Leute einmalig über deinen Werdegang aufzuklären.

Weil die meisten Menschen Idioten sind.

Alle reden davon, weltoffen und nicht rechts zu sein, aber immer wird Unterschieden zwischen "Deutscher", "Türke", "Russe", usw. Und dann gehts los mit "Ich bin ja nicht rechts, ABER..."

Solche Themen werden diskutiert, und die Menschen beschließen, "tolerant" zu sein. Das Problem ist, dass das Wort tolerant bedeutet, etwas zu dulden, das man aber nicht beführwortet. Man möchte ja EINE Gesellschaft sein, und trotzdem werden Menschen verschieden behandelt. Ob du nun aus nem anderen Land kommst, ne Behinderung hast, oder sonst was. Die Menschen unterscheiden und teilen ein. Obwohl es doch letzlich vollkommen egal ist.

Ich glaube, wenn man sowas zu dir sagt, manchen viele das auch einfach, um zu "zeigen" wie weltoffen und freundlich sie "anderen Kulturen" und Menschen gegenüber seien. Aber im Hinterkopf stecken sie dich immer noch in eine Schublade und haben ein gewisses Bild von dir. Aber das ist ja nicht nur bei Menschen aus anderen Ländern so, sondern allgemein werden Menschen in Schubladen gesteckt.

Den meisten Menschen fällt es halt schwer, ihre Vorurteile abzulegen. Vor allem, weil sie nichtmal merken, dass es Vorurteile sind.

Vorurteile an sich hat aber jeder Mensch, einschließlich mich. Nur bin ich der Meinung, dass man, wenn man ehrlich zu sich selbst ist und drauf achtet, das krass reduzieren kann.

Literaturius 06.12.2014, 11:44

Na siehste! Deshalb glaube ich, daß es langsam (zu langsam?) besser wird. Immer mehr Menschen sehen vor allem den Menschen! Daß die Bayern der Übergang vom Menschen zum Österreicher ist, tut der Liebe ja keinen Abbruch!

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Das ist wirklich ein Problem! Aber es ist nicht immer als rassistisch zu beurteilen, oft ist es auch Gedankenlosigkeit. In einer Plasberg-Sendung sprach dieser vor ein paar Wochen von Muslimen und Deutschen. Ich glaube aber, daß Plaßberg insoweit über jeden derartigen Verdacht erhaben ist, gleichwohl hat er gedankeblos so dahergeplappert. Ich stelle fest (und mache mir hoffentlich nix vor!), daß gegenwärtig eine langsam größer werdende Zahl von Bürgern an Integration interessiert sind, aber vielleicht ist ihr Bewußtsein noch nicht hinreichend geweckt .... Und immerhin, in einem deutschen Bundesland ist der Fortschrit rasend unterwegs - in Bayern!!!! Dort wird gegenwärtig über ein Gesetz beraten, mit dem Menschen dazu gezwungen werden sollen, sich in der Öffentlichkeit und zuhause (!!!!!!!!!!!) ausschließlich deutsch zu unterhalten, ansonsten können sie abgeschoben werden. Das nun wird dazu führen, daß wir viel Platz bekommen, etwa 83,5 % der bajuwarischen Bevölkerung wird ausgewiesen (nach Österreich oder in die Schweiz?), da sie bekanntermaßen der deutschen Sprache ja nicht mächtig sind ...

joeluc 06.12.2014, 21:32

Wo hast Du denn den Quatsch mit dem bayerischen Gesetz her, daß Du nur bayerisch (also deustch) reden darfst?

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Hei aunzca, du deutscher Türke oder du türkischer Deutscher. Ich erzähl dir mein Erlebnis aus Argentinien. Dort lernte ich einen blonden Jungen kennen, so um die 12 bis 14 Jahre, den sie in der Schule im noch "der Deutsche" nennen. Er lebe in der dritten Generation dort - aber er ist blondhaarig. So ist das nun einmal. Grüße!

Überlege doch einmal selbst: Du beklagst Dich hier, schreibst aber selbst nicht, ob Du Dich hast in D einbürgern lassen oder nicht. Du bist hier geboren und alles, gut, aber das Staatsbürgerrecht rrichtet sich nach Deinem Paß. Das ist auf der ganzen Welt so.

Wenn Du Dich als Deutscher fühlst und sein willst, möchte ich Dir einen Tipp geben. Lasse Deine Namen eindeutschen. Auch das machen viele Einwanderer in anderen Ländern. Zum einen sind nun einmal ausländische Namen für Einheimische mit einer anderen Sprache schwer auszusprechen (das gitl nicht nur für türkisch, das gilt für polnische, italienische griechische, etc Namen), zum anderen wundern sich viele über den Namen und fragen erst gar nicht nach der Türkei, denn sie können die Herkunft des Namens nicht identifzieren. Das gibt Dir Gelegenheit zur Schlagfertigkeit.

Wenn Du einen deutschen Paß hast und Dich macht einer an wegen Ausländer, dann kannst Du einfach sagen, ja das war mein Vater, meine Großmutter. Ich bin jetzt Deutscher. Gab und gibt es in D öfters. zB hast Du im Ruhrgebiet sehr viele polnische Namen. Die stammen von vor 150 bis 100 Jahren, als man Polen als Gastarbeiter (das waren damals bereits über 800.000 Menschen!) für die Kohlegruben anheuerte. Die sind in der Mehrzahl auhc in D geblieben, aber Du kannst sie nicht von anderen deutscchen unterscheiden. Also nur Mut und stehe zu Deiner Herkunft. Mache die Kritiker mit sachlichenh Argumenten schweigsam. Wenn Du studierst dürfte es Dir nicht schwer fallen. Selbstbewußtsein zeigen.

Das Problem bist nicht Du, oder andere Einwanderer die sich in D einordnen (ein- nicht unter- oder überordnen - ok?) sondern die Zuwanderer nach D, die hierher kommen und der Ansicht sind genauso weiterleben und weitermachen zu können wie dort woher sie kommen. Das will hier aber niemand, ich auch nicht. Ich will hier nicht nach den Sitten in Anatolien leben, sondern nach den Sitten mit denen ich hier aufgewachsen bin.

Überlege. wie soll es möglich sein, daß hierher Menschen kommen, die mich in meiner Heimat zwingen wollen so zu leben wie diejenigen die zuwanderten? Das kann es nicht sein. Aber leider leiden natürlich auch immer diejenigen mit, die sich dazu anders verhalten. Das ist gerade bei einer Großzahl von Türken der Fall. Aber ich kann Dir auch sehr viele Geschichten erzählen, die mir im Ausland als Deutscher geschehen sind, und zwar nur weil ich Deutscher bin. Damit zu dem Volk auf dieser Erde gehöre, das erstmalig Menschen im industriellem Stil tötete. Ich bin aber nach 1945 geboren - was konnte und kann ich dazu, daß meine Vorfahren so handelten? Nichts und bin doch davon betroffen.

Aber ich finde es in meinem Land für mich auch beleidigend, wie hier teilweise (es sind ja nicht alle) islamische Frauen herumlaufen. Unmöglich. Wenn sie meinen sich verhüllen zu müssen, bitte, aber nicht in meinem Land. Hier ist soetwas nur sehr begrenzt bei Gästen über kurze Zeiträume geduldet. Unsere Kultur ist eben anders und diese Verhüllung hat mit Religion nichts zu tun. Es ist nur die Domestizierung der Frau durch den Mann in der Kultur woher sie kommen. Aber was haben dessen Ansichten mit mir in D zu tun? Gar nichts und weshalb soll ich dulden, was seine Ansichten sind? Der nur zu seinem egoistischen persönlichen Vorteil hierherkommt, und mir diese aufzwingen will?

Der Punkt ist da natürlich, daß Du als Deutscher dann die Haltung der deutschen Kultur zu verteidigen hast, auch unter der deutschen Kultur leidest, wie ich auch, aber zusätzlich noch mit der Kultur Deiner Vorfahren auszukommen hast. Es ist kein einfacher Weg, aber ein gangbarer Weg.

Das verstehe ich auch nicht ganz. Vielleicht musst Du dafür büßen, dass viele Deutsche behaupten, sie seien keine Deutschen sondern Türken, Kurden oder sonstwas mit einem deutschen Pass.

Und ich gebe auch zu, dass ich hier und da auf den ersten Blick meine Vorurteile habe. Aber sobald jemand den Mund aufmacht, und spricht, weiß ich grob, mit wem ich es zu tun habe. Nur einmal war ich völlig verblüfft, als mir ein dunkelschwarzer Afrikaner völlig unverständlich antwortete - im wasch-echten Oberbayrisch.

Es tut mir leid für Dich. Aber ich empfehle Dir, freundlich und höflich zu bleiben. Du wist noch öfter ungebildeten Menschen begegnen, die sich von Deinen Deutschkenntnissen noch eine Scheibe abschneiden könnten.

Nimm ihnen mit einer kurzen, schlagfertigen Antwort den Wind aus den Segeln.

Wundert dich das? Mach dir nichts daraus. Norddeutscher Dialekt im Sachsen wird arrogant und voreingenommen beurteilt und gleich fragt man woher man kommt. Andersherum genau so obwohl man schon 30 Jahre von Sachsen weg ist und die Sachsen unsereinen nicht mehr in der Sprache erkennen fragen die Nordeutschen heute noch woher man kommt und belächeln insgeheim den "Fremdling". Da wird sich auch nichts Ändern.Das hat also mit Rassismus meiner Ansicht nichts zu tun.

allein schon, weil die meisten türken sich selbst als türken bezeichnen. die sprache lernen sie von ihren eltern ... und die haben nen türlichscn akzent.

natürlich bist du deutscher. aber es geht doch in dem fall gar nicht um deinen personalausweis, sondern um deine herkunft!

Diese armselige Auffassung vieler Deutschen kommt daher, weil sie von einer Blutsherkunft ausgehen, so wie es ihr Staat ihnen vormacht und dem sie nachäffen. Die Masse der Deutschen sollte sich daher schämen, derart staatsgläubig zu sein.

zu meiner zeit kamen türkisch aussehende leute tatsächlich aus der türkei (obwohl hier schon viele türken lebten), hatten dort eine deutsche schule besucht und studierten dann in d. wie das heute ist weiss ich natürlich nicht, aber je nach studiengang, z.b. ingenieurswesen, könnte es heute noch so sein, dass türken aus der türkei im hörsaal sitzen.

und die erfahrung lehrt, dass viele junge mitbürger mit türkischen wurzeln kanak sprechen. mir ist erst die woche in einem klamottenladen aufgefallen, dass die offensichtlich türkisch-stämmigen jungs nur ein sehr einfaches deutsch sprachen. bezeichnenderweise sprechen mädchen/frauen mit türkischen wurzeln sehr oft hochdeutsch.

annokrat

Insofern du dich integriert hast und auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt kannst du dich auch als Deutscher fühlen (vorrausgesetzt du bist kein Salafist oder ein konservativer Muslim was aber wiederum bedeutet das du dich nicht intergriert hast)

Es wird wohl an deinem Aussehen liegen

sehe dich einfach als Weltbürger,

Geht mir auch so

Aber naja halb so schlimm Sei froh das du hier leben darfst

joeluc 06.12.2014, 21:42

Nun ja das ist der Punkt. Es ist gut wenn Du das mit Gelassenheit siehst und erträgst. Aber er und Du, Ihr müßt Euch nicht unterordnen, sondern sollt Euch einordnen. Das ist ein großer Unterschied. Denke bitte einmal darüber nach. Also mit "froh sein" ist es nicht. Wenn du Dich einordnest bist Du kein Unterdeutscher (das wäre froh sein), sondern sei einfach nur Deutscher. Leider meinen jedoch viele in D sie wären Überdeutsche (sie akzeptieren zB nicht die Trennung von Staat und Kirche, also Religion. Wer in D leben will muß das aber tun. Das ist unsere Staatsverfassung). Das ist es was nicht funktioniert. Sicher ist es für Dich nicht einfach ständig diese Unterscheidung nachzuvollziehen, aber überlege doch einmal, wie lange hast Du benötigt hast, um lesen, schreiben und rechnen zu können? In D bekommst Du dazu in der Grundschule 4 Jahre Zeit. Also gib Dir auch Zeit, aber nutze sie!

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