Ich bin depressiv. Therapeutin wird nicht von der Krankenkasse übernommen bis nächstes Jahr. Was tun?

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6 Antworten

Die sog. "Zwei-Jahres-Regel" bedeutet, dass bei einer erneuten Psychotherapie innerhalb dieser Frist die Genehmigung generell und ohne Ausnahme gutachterpflichtig ist. D.h. der Psychotherapeut muss nicht nur eine kurze Stellungnahme bzgl. Erkrankung, Indikation, Behandlungsplan und Prognose an die Krankenkasse schicken, wenn nach Abschluss der probatorischen Stunden eine Psychotherapie aufgenommen werden soll, sondern einen umfänglichen und aufwändigen Bericht an den Gutachter. Das ist vielen Therapeuten oft planungstechnisch nicht möglich, daher schwer, innerhalb dieser Zeit einen Therapieplatz zu bekommen. Gerade Berichte bei hoher Chronifizierung und erfolglosen Vorbehandlungen sind besonders aufwändig und Gutachter zu besonders kritischer Entscheidungshaltung aufgefordert. Eine Psychotherapie wird nur genehmigt, wenn im beantragten Verfahren und des in Kassensystem zugestanden Stundenvolumens eine erfolgreiche Behandlung prognostisch abgeleitet werden kann, sonst muss die Behandlung privat bezahlt werden, die Solidargemeischaft übernimmt dann "nur" noch die Kosten für eine fachärztliche Behandlung und eine ambulante psychiatrische Pflegeleistung/Betreuung..

Ich würde folgendes Vorgehen vorschlagen: erst mal zum Psychiater und Medikation gut einstellen lassen. Möglich wäre m.M. auch, von Psychiater eine Einweisung in ein Akutkrankenhaus mit Psychotherapiestation und angeschlossener Tagesklinik und Ambulanz ausstellen zu lassen. Dort wird sicher von der Klinik eine konkrete Empfehlung bzgl. des Vorgehens nach der Entlassung gegeben. Sofern die Marschrute feststeht, aus der Klinik heraus Psychotherapeuten kontaktieren und um Aufnahme auf die Warteliste bitten.

Noch mal eindringlich: bei einer so hohen Chronifizierung, wie du sie berichtest, ist eine gute medikamentöse Therapie notwendige Voraussetzung und wird deine über Jahre bestehende Basis sein. Eine Psychotherapie kommt da erst im zweiten Schritt.  

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Kommentar von supertraurig
20.08.2016, 11:53

Ist ein Psychater gleich ein Therapeut oder ist das was völlig anderes? Bekommt man einen Termin vom Psychater schneller, und übernimmt den Termin auch die Kasse?

Danke für deine Antwort. Ich will das mit den Tabletten nicht mehr außer Acht lassen.

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Erstmal generell könntest du dir einen Betreuer suchen,ich selbst habe schon seit ein paar Jahren "Hilfe für junge Erwachsene- also ambulant betreutes Wohnen. Der kann dir bei genau so etwas helfen und natürlich bei viel mehr.

meiner z.b Hilft mir auch mal beim Haushalt,Termine ausmachen und wahrnehmen,Therapeuten suche usw.

Allgemein muss man so etwas glaube ich beim Amtsarzt machen lassen,alternativ könntest du ja auch erstmal eine Tagesklinik aufsuchen oder stationär gehen,weiß ja nicht was du schulisch/beruflich gerade machst.

Wegen solchen Gutachte kannst du dich aber auch beim Hausarzt erkundigen

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Kommentar von supertraurig
20.08.2016, 11:24

Danke für die Antwort.

Kannst du mir nähere Infos oder Stichpunkte zu dem betreuten Wohnen geben?

Gut, dann kann der Weg zum Hausarzt ja nicht schaden.

Danke :)

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Rede mit deinem Hausarzt und er wird dich an den entsprechenden Facharzt überweisen und der wird dir das Gutachten erstellen.

Bei bestimmten Depressionsarten könnten Antidepressiva helfen, auch wenn man dagegen ist.

Ich bin auch nicht für Tabletten, aber ich kenne einige Patienten die unter sehr starken Depressionen und diese kommen damit gut über die Runden und sie sind sogar arbeitsfähig damit.

Kommt auch immer darauf an, was der Auslöser für deine Depressionen sind.

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Kommentar von supertraurig
20.08.2016, 11:25

Wie siehts aus, dürfen Hausärzte eigl. Antidepressiva verschreiben? Nachdem mir das so oft angeboten wurde, und ich abgelehnt habe, stelle ich meine Entscheidung langsam in Frage.

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Ein Psychologe darf dir niemanls Tabletten verschreiben, dass darf nur der Psychater.

Angenommen aber, der Psychologe hätte dir empfohlen, zum Psychater zu gehen und dir Tabletten verschreiben zu lassen und du lehnst das ab, dann würdest du ja deinen Gesundungsprozess absichtlich torpedieren.

Frage doch bitte einfach deine Krankenkasse, wo du dieses Gutachten durchführen lassen kannst.

Übrigens ist das richtig mit dieser Behandlungspause, eine Bekannte von mir hatte das auch.

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Kommentar von supertraurig
20.08.2016, 11:25

Bezüglich der Tabletten, darf die auch ein Hausarzt verschreiben? Ich fange an die Entscheidung diese Tabletten abzulehnen zu bereuen.

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Wenn du deinen Zustand einfach nicht mehr aushältst, dann kannst du dich auch direkt in eine Klinik einweisen lassen. Das muss die Krankenkasse dann übernehmen.

Medikamente bei Depressionen abzulehnen halte ich für sehr nachlässig, da bei den Betroffenen eine Stoffwechselstörung im Gehirn vorliegt. Außerdem besteht in fast allen Fällen ein erhöhtes Risiko an weiteren psychischen Störungen zu erkranken.

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Kommentar von skipworkman
20.08.2016, 11:53

Hi,

Zitat :

" Medikamente bei Depressionen abzulehnen halte ich für sehr nachlässig,
da bei den Betroffenen eine Stoffwechselstörung im Gehirn vorliegt. "

das mit der stoffwechselstörung wird zwar immer propagiert, jedoch gibt es keinen Beweis dafür, (kannst du nachlesen, wenns dich interessiert).  Du kannst ja schlecht das Hirn einen Depressiven zerlegen um dort "Messungen" zu machen.

Bestimmt gibt es Menschen wo dem so ist und die auf diese Medikamete gut ansprechen. Aber das ist garantiert nicht bei jedem der Fall, der unter depressiven Stimmungen leidet.

Diese Medikamente haben massive Nebenwirkungen, da sollte man niemanden einen Vorwurfe machen, wenn er/sie das nicht nehmen will.

Eine kognitive Verhaltenstherapie ist das Mittel der Wahl, Medikamnete sollen da nur unterstützen und ggf befähigen eine Therapie zu machen.

Lg

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Ruf bei einem Psychiater an. Oder ruf direkt bei deiner Krankenkassean und frag die.

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