Ich bin Autistin - Kann mir wer den Sinn von Gestik und Mimik erklären?

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5 Antworten

Nicht-Autisten denken kaum über ihre Körpersprache nach. Die läuft einfach halb-bewusst mit, mehr oder weniger automatisch. Deshalb können sie auch nicht erklären, warum sie mit den Armen fuchteln oder das Gesicht verziehen.

Der evolutionsbiologische Zweck von Gestik ist einfach Kommunikation. Tiere kommunizieren fast nur über Körpersprache. Vor Entwicklung der Sprache stand auch den Primaten nur Mimik/Gestik zur Verfügung. Das alles ist natürlich nicht verschwunden, als die ersten Frühmenschen eine Lautsprache erfanden.

Was ich auch nicht verstehe warum man sein Gesicht im Gespräch so
komisch verziehn muss (sei es lächeln oä) was hat ein lächeln mit
Freundlichkeit zu tun?

Mit Sprache drückt man vor allem Sachinformation aus. Mit Tonfall und Mimik überträgt man die Emotion dazu. Das heißt, Nicht-Autisten übertragen immer ein Komplettpaket aus Information und ihrem dazugehörigen Gefühl.

Weil es als unhöflich gilt, negative Gefühle zu äußern, überspielt man die unterbewusst mitlaufende Mimik mit etwas Schauspielkunst. Man setzt z.B. ein künstliches Lächeln auf, um positive Stimmung zu signalisieren, oder guckt auf die Augenpartie, um Interesse vorzuspielen.

Und was hat es mit Höflichkeit zu tun andere in die Augen zu schauen? Ich
meine ich höre doch was die Person sagt und so lange nicht ein
trockenes "Aha" kommt ist das doch höflich genug?

Die Person sagt nicht alles. Sie sagt nur einen Teil und geht davon aus, dass du den Rest aus dem Gesicht abliest. Wenn du nicht ins Gesicht schaust, "hörst" du der Mimik nicht zu, verpasst also einen Teil des Inhalts. (Dass du die Mimik eh nicht lesen kannst und sie dich nur vom Zuhören ablenkt, kapiert ein Nicht-Autist nicht.)

Ich fühle mich zB extrem unwohl wenn man mir in die Augen schaut. Ich fühle mich dann teilweise "durchlöchert"

Ja, genau das passiert. Du wirst "durchlöchert" - nach Nicht-Ausgesprochenem sowie nach Emotionen abgetastet.

Nicht-Autisten setzen dann einfach eine Körpersprache auf, welche die Emotionen zeigt, die sie vorspielen wollen. Ja, die Welt ist ein riesiges Theater voller Schauspieler...

Du kannst keinen Tarn-Ausdruck aufsetzen, man sieht also entweder gar nichts, oder deine echten Gefühle die du nie zeigen wolltest. Ja, du wurdest dreist durchlöchert. Um dem zu entgehen hilft es vielleicht, ein Bisschen Theater zu üben, also gleichgültige Haltungen "auf Bestellung" zu trainieren.

Zusammengefasst: Hinter dem Gewackeln und den Grimassen steckt eine uralte Sprache aus den Tiefen der Steinzeit. Nicht-Autisten nutzen sie weiter, um damit Gefühle auszudrücken, während sie ihre Stimme zum Sprechen brauchen.

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Ja, als Autist hat man mit der Deutung von Gestik und Mimik so seine Probleme. Ich kenne das gut, ich bin selber ein Asperger-Autist.

Nun zum Thema: Gestik und Mimik sind wichtige Faktoren eines Gesprächs. Ein natürliches Lächeln drückt z.B. Freundlichkeit aus, während ein gezwungenes Lächeln eher das Gegenteil bewirkt, weil es aufgesetzt wirkt. Das "Rumgefuchtel mit den Armen" dient dazu, etwas auszudrücken, das der Sprechende nicht in Worten ausdrückt. Je nach Bewegungen der Arme ist die Bedeutung allerdings eine andere, weshalb ich das jetzt leider auch nicht wirklich gut erklären kann. Was ich aber aus eigener Erfahrung weiß, ist, dass diese Bewegungen nicht immer bewusst gemacht werden.

Dem Gesprächspartner schaut man aus Höflichkeit in die Augen, wenn man mit ihm spricht oder wenn er mit einem spricht. So signalisiert man, dass man an dem Gespräch interessiert ist. Mehr als ein trockenes "Aha!" ist nämlich NICHT höflich genug. Ich meine, stell dir mal vor, du würdest jemandem von deinem supertollen Urlaub erzählen und dein Gesprächspartner würde dir nicht in die Augen schauen. Würdest du glauben, dass er dir auch wirklich zuhört? Denn genau so was wird durch den Blick in die Augen beim Gespräch verdeutlicht: dass man seinem Gegenüber zuhört!

Aufgrund dieser Problematik würde ich dir übrigens auch raten mit deinem Autismus offen umzugehen. Jeder hat seine persönlichen Stärken und Schwächen. Und den normalen Menschen, wie wir ihn uns vorstellen, gibt es nicht, weil jeder seine persönlichen Macken hat. Ich bin mit meinem Autismus auch immer offen umgegangen, weil meine Mitmenschen dann besser auf meine Probleme reagieren und mich auch besser verstehen können. Das ist nichts, wofür man sich schämen muss, man kann ja schließlich nichts dafür. Und wenn jemand sich wegen deinem Autismus über dich lustig macht, lass ihn einfach links liegen, so was ist deine Aufmerksamkeit gar nicht wert!

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Während eines Gesprächs signalisiert das in die Augen schauen, das man dem anderen wirklich zuhört und auch vom Gespräch nicht abgeneigt ist.
Dafür reicht es aber auch wenn man hin und wieder den anderen kurz in die Augen schaut :)

Mit der Gestik beim erklären von Dingen, versucht man Sachen zu verdeutlichen.
Aber eigentlich ist sie nicht logisch. Man versteht mich zum Beispiel aber meine Bewegungen sind extrem schräg/eigenartig manchmal.

Beim Lächeln ist es eigentlich so, dass man unbewusst wenn man fröhlich ist lächelt und gleichzeitig werden Glückshormone durchs Lächeln ausgeschüttet, was noch fröhlicher macht.

Nun ja eigentlich.
Wenn jemand nicht weiß, dass du Autist bist und du eben keine Mimik oder Gestiken verwendest, könnte man leicht denken du seist nicht interessiert.

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Es übersteigt vermutlich die Fähigkeiten jedermanns dir hier und jetzt Gestik und Mimik in vollen Zügen zu erläutern.

Wenn dir jemand in die Augen schaut, während du sprichst, signalisiert derjenige, dass er dir zuhört und interessiert ist.

Wenn du an deinem gegenüber vorbei schaust, wirkt es so, als sei irgendetwas anderes von größerer Bedeutung.

Und während eines Gespräches zu lächeln ist vermutlich einfach der Ausdruck von Freude oder Glück.

Wenn dir jemand etwas erzählt, das eine Begeisterung ausgelöst hat, versucht er dieses Gefühl mit einem Lächeln zu übermitteln.

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gestik und mimik wenden die meisten leute nicht an, weil es "sinn macht". beides gehoert zur koerpersprache, die zusaetzlich zum gesprochenen informationen transportiert, die die meisten nicht-autisten unbewusst entschluesseln.

das koennen z.b. informationen ueber die stimmung des gegenuebers sein, die nicht zwingend aus dem, was er sagt, abgeleitet werden kann.

autisten, insbesondere asperger autisten, reagieren kaum auf diese koerpersprache, was bei vielen ein unbehagliches gefuehl ausloest. 

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