Hypothetische Frage zur dissoziativen Persönlichkeitsstörung?

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6 Antworten

Hallo Schlumpfbaby,

wie martin0815100 schreibt, ist das Symptom dieser Krankheit kein Therapienasatz und auch nicht wirklich wünschenswert,da die betroffenen Personen es

a) nicht bewusst steuern können

und b) eher darunter leiden, als es bewusst als Erleichterung zu empfinden, da die Psyche eigenmächtig darüber handelt, ohne unser Zutun.

Zudem kommt auch, dass der erkrankten Person durch die abwechselnden Persönlichkeiten ganze Zeitabschnitte fehlen, an denen sie sich nicht mehr erinnern können. z.B.: Die erkrankte Person geht morgens mit der Persönlichkeit Yslop aus dem Haus, fährt mit der Bahn nach München, dort wechselt Yslop mit Xanton. Während sie dann in München ist, weiß Xanton nicht, wie er da hin gekommen ist.

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Es ist möglich, Personen zu imaginieren. Hierfür bedient man sich der aktiven Imagination.
Die Vorgehensweise ist also, dass ich bewusst und konzentriert den Blick
nach innen richte. In der Imagination dann nehme ich direkt Kontakt mit
meinen inneren Gestalten auf und verhalte mich dabei auch so, wie ich
mich im täglichen Leben verhalten würde. Das Ich soll in seinem
Ich-Kompetenz-Rahmen bleiben.

http://psychotherapie-konstanz-henzler.de/fortbildungen/aktive-imagination/

Du könnest eigene Personen imaginieren, mit denen Du in Kontakt bist. Mit denen Du einen Dialog führst.

Zum Beispiel könntest Du eine starke Person oder eine starke, mächtige Sache imaginieren, die soviel Kraft besitzt, dass sie Dich im Alltag und vor Dir selbst schützen kann. Dieser Person Sache gibst Du einen Namen und identifizeirst Dich mit ihr, dass sie schwierige Situationen für Dich übernimmt.

Du könntest zudem auch eine helfende Person imaginieren, die wie eine "Göttin", oder wie ein Weltall- Geist heilende Kräfte in sich trägt. Ihr kannst Du einen aussagekräftigen Namen geben, dass er/sie Dich beschützt, Dich beruhigt, stärkt und heilt. Sie kann über jeden, wo Du bist, ein Zeuge sein, der für Dich eintritt.

Du könntest auch das innere Kind aufrufen und andere (hilfreiche) Personen und Dinge, die soviel Aussagekraft haben, dass diese Vorstellung der Personen so stark ist, dass eine Identifikation gegeben ist.

ich hoffe, ich konnte Dir helfen.

LG



geminorum 17.11.2016, 07:39

Hey, das ist eine tolle Antwort, selbst wenn ich die Frage nicht gestellt habe, hilft es auch mir. Von der "aktiven Imagination" als solche höre ich zum ersten mal, das ist interessant für mich, daher meine Frage gleich hierunter: Zählt eine Art Imaginäre Freundin auch dazu? Mit ihr gehe ich auch in einen Dialog, wenn es brenzlig wird, oder auch einfach bei alltäglichen Dingen, wie eine normale Freundin eben, nur dass andere sie nicht wahrnehmen. Sie hat mir schon oft sehr gut geholfen, auch ich leide an Depressionen und wage derzeit den Weg in eine erneute Therapie. Ich habe jedoch noch nie einem Psychologen, Therapeuten oder Arzt von ihr erzählt, weil ich Angst habe, sie dann zu verlieren, weil sie womöglich als problematisch oder als gestörter Teil meiner Persönlichkeit angesehen wird. Was bedeutet es für meine Psyche, dass ich im Erwachsenenalter so eine Freundin habe? Ich erinnere mich nur Bruchstückhaft an meine Kindheit, schätze aber, dass ich meine besondere Freundin erst seit dem 5. oder 6. Lebensjahr habe, also nun fast 20 Jahre lang. Da sowas ja nun eher nur im Kindesalter auftritt, hab ich mich bisher noch nicht getraut, mit jemanden darüber zu sprechen. Ist das auch sowas wie mit dem inneren Dialog gemeint ist? (sollte ich doch eine eigene Frage dazu stellen? uff... aber du scheinst Ahnung zu haben, ich hätte Angst dass du die Frage nicht findest und ich deine persönliche Antwort dazu nicht bekommen kann.)

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moonchild1972 17.11.2016, 19:09
@geminorum

Hi geminorum :)

Klar kann man eine imaginäre Freundin oder Person "erschaffen" und sie ist für Dich auch real, obwohl sie kein anderer sieht. Und das ist auch im Erwachsenenalter möglich und überhaupt nicht seltsam oder so. Das machen sehr viele, unter anderem auch Erwachsene, die Ängste haben, oder Schwierigkeiten mit bestimmten Situationen. Auch wenn sie einsam sind, oder schwermütig, ist diese Gestalt eine echte Hilfe. Du kannst diese imaginären Personen innen, wie so wohl auch außen "erschaffen".

Das ist ja wirklich eine sehr lange Zeit mit Deiner Freundin, wenn Du schreibst, dass Du sie schon seit Deinem 5. oder 6. Lebensjahr kennst. Ich finde es sogar bewundernswert, wenn einer, der Schwierigkeiten hat, sich "Brücken baut". Und die aktive Imagination ist so eine Brücke :)

Ich wünsche Dir einen schönen Abend und eine gute Zeit.

Ahoi, moonchild1972

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Schlumpfbaby 17.11.2016, 14:13

Danke erstmal für die ausführliche Antwort, Dein Verstehen und deine Denkansätze dazu. Du gehst sehr stark auf den Kontrollverlust ein, der natürlich nicht wünschenswert ist, aber eigentlich will ich ja durch das Erschaffen einer neuen Persönlichkeit genau diese Kontrolle wieder herstellen, denn ich habe ohnehin gar nichts mehr unter Kontrolle.

Da wäre es mir sogar egal, ob ich mich daran erinnern könnte, bestimmte Dinge getan zu haben, solange ich nur überhaupt wieder etwas tun könnte, irgendwas, ganz egal was.

Das mit der aktiven Imagination geht ja im Prinzip in die gleiche Richtung wie die Tulpas oder Elementale die Knutschpalme vorgeschlagen hat.

Nur irgendwie bereitet mir gerade das die größten Schwierigkeiten, da ich zwar auf der einen Seite sehr gut imaginieren kann, aber so gut wie keine visuelle Vorstellungskraft habe. Ich kann nichtmal Gesichter von mir bekannten Menschen imaginieren. Deshalb fühlt sich das alles nicht real an und wird es für mich auch nicht.

Ich werde mir den Link von dir noch durcharbeiten, vielleicht hilft mir das ja trotzdem irgendwie weiter, also ganz lieben Dank!

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moonchild1972 17.11.2016, 19:28
@Schlumpfbaby

Hi Schlumpfbaby,

Danke für Deine Rückmeldung. Also es kann auch so gehen. Eine andere Form der aktiven Imagination:

Nicht, dass Du Dir eine Person/Sache vorstellst, sondern dass Du einer realen Sache/einem Gegenstand soviel Eigenkraft  - ihm so zu sagen eine Seele - gibst, mit dem/der Du Dich ganz arg verbunden fühlst. was Dein süßes Geheimnis ist. Denn Du gehst mit diesem Gegenstand eine Beziehung ein.

Manche lieben ihr Auto und reden mit ihm. Manche sprechen mit Pflanzen. Und ich habe seit meiner frühesten Kindheit ein Luxusdampfer zur Freundin, welcher mir ganz stark geholfen hat. Und über den ich Kurzgeschichten und Gedichte und Lieder mit Gitarre geschrieben und gesungen habe. Mit der ich auch schriftlich in einem Dialog gegangen bin.

Du stellst also fest, dass es nicht unbedingt die Imagination einer Person braucht, sondern dass ein Gegenstand, oder z.B. eine schöne Puppe, oder halt irgendetwas ausreicht, mit was Du einen starken, aussagekräftigen Dialog beginnen kannst. Dieser Dialog ist dann imaginär.

Du kannst Dir die vorgestellten Gestalten/Personen vielleicht auch besser merken, wenn Du Dir ausgewählte Fotos, oder Abbildungen  von Zeitungen - bzw. Zeitschriften immer und immer wieder ansiehst, oder Dinge in der Hand hältst, die Dich an Deinen geliebten Gegenstand erinnern.

google einmal über aktive Imagination nach. Es gibt darüber auch wirklich sehr interessante Bücher.

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Hallo,

quasi sich ein gesundes Ich erschaffen? :)

Nein, ich denke das geht nicht. Eine DIS entwickelt sich vor dem 5./6. Lebensjahr, wenn das Gehirn einen bestimmten Entwicklungsstand hat. Danach kann man viele Traumafolgen entwickeln, aber keine DIS. Selbst bei schwersten Traumata würde sich keine DIS mehr entwickeln.

Das Ziel der Therapie / vom Gesund werden ist ja auch nicht Dissoziation sondern Assoziation/Integration. 

Alles Gute!

Schlumpfbaby 17.11.2016, 14:01

"Ein gesundes Ich erschaffen" - das ist exakt was ich meinte, danke allein dafür dass du verstanden hast, worum es mir geht.

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Es gibt etwas, daß vielleicht deiner Frage näher kommt. In vielen Bereichen des Shamanismus gibt es Trancetechniken, mit denen sich jemand von einer anderen Persönlichkeit bzw. Geist "übernehmen" lässt. Ein Shamane bzw. Shamanin lernt in der Ausbildung ihre Alter Egos bzw. "Hilfsgeister" kennen und lernt sie, wenn es ein guter Shamane ist, zum Wohle der Gemeinschaft einzusetzen.

Diese Art der "Therapie" ist eine sehr schwierige Arbeit, die sehr viel Können, Wissen und Erfahrung benötigt. Ein Lehrer/Therapeut der das nicht hat, richtet mehr Schaden an, als das er hilft.

Schlumpfbaby 17.11.2016, 14:04

Ich arbeite seit fünf Jahren im schamanischen Bereich, bzw. lerne. Die Reisen klappen ganz gut, wenn ich allerdings an meine Traumata gehen will, schlägt es um. Und es ist tatsächlich schwierig, gerade im schamanischen Bereich Menschen zu finden, die verantwortungsbewusst und professionell mit dieser Arbeit umgehen.
Danke für den Gedankenansatz.

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Nicodemus0815 17.11.2016, 14:29
@Schlumpfbaby

Da die meisten Traumata aus der vorgeburtlichen bzw. frühkindlichen Zeit stammen, ist es (fast) nicht möglich sie selbst bewusst zu bearbeiten. Wenn man ein Trauma öffnet, hat der Traumatisierte nur die Möglichkeiten zu agieren, die er auch in dem Alter hatte, in dem das Trauma entstand. Man braucht daher für so etwas immer Hilfe. Alleine würde so etwas auch ein Shamane für sich selbst nicht angehen.

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Ich habe mal jemandem beim Ausstieg begleitet. Wenn ich mir überlege wie eine DIS zustande kommt, dann bezweifle ich, dass man einen solchen Effekt "künstlich" herbeiführen kann. Es geht ja gerade um diesen Kontrollverlust.

Ich weiss auch nicht, ob Erwachsene (oder Alle die alt genug sind um sich bewusst mit dem Gedanken auseinander zu setzen), noch vergleichbar, also durch Spaltung, reagieren würden. So oder so, würden die Nachteile wohl die Vorteile überwiegen.

Was mir spontan noch einfällt sind Tulpas. Manche Leute schwören ja dass das funktioniert und man in letzter Konsequenz auch eine Art zweiter Persönlichkeit dadurch erschaffen kann, aber ob das stimmt? Gibt es eine Menge Infos zu (Englisch ist da wohl von Vorteil). Google hat da garantiert mehr Ahnung von als ich.

Schlumpfbaby 17.11.2016, 14:07

Tulpas, die kannte ich bisher nur unter dem Begriff "Elemental". Habe tatsächlich schon versucht eines zu erschaffen, nur leider ist das nicht so einfach, wie die Literatur behauptet.

Danke auf jeden Fall für deine Gedanken hierzu und den Hinweis auf die Tulpas.

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Ich würde das auf gar keinen Fall versuchen!

Ich habe jemanden in meinen Freundeskreis, der unter Depressionen leidet und auch solche verschiedene ICHs hat. Wirklich mein Freund ist davon komplett überfordert, er weiß einfach nicht, mehr was/wer er ist und was nur erfunden ist, am anfang soll es zwar geholfen haben, aber man kann es früher oder später nicht mehr kontrollieren. Er sagt immer, dass die verschiedene ICHs einer der schlimmsten Sachen übehaupt sind.

jdenfalls ist das eine schlechte idee

Schlumpfbaby 17.11.2016, 14:05

Meine Idee ging ja auch gar nicht in die Richtung, noch mehr Kontrollverlust zu produzieren, sondern eher, ohne erneute Traumatisierung, ein gesundes und starkes Ich zu erschaffen.

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Das ist kein Therapieansatz sondern ein Symptom einer Krankheit. Klar nennt man das auch eine Bewältigungsstrategie, aber die anderen Persönlichkeiten wissen ja nicht zwangsläufig irgendwas voneinander oder von der Vergangenheit.

Manche erinnern sich an Teile, manche haben Blackouts. Das ganze Gebiet ist noch extrem unerforscht da man ja selten an Opfer kommt die dermaßen viel mitgemacht haben, dass so ein Krankheitsbild entwickelt wurde.

So oder so kann es kein Ziel sein sowas zu entwickeln als Heilungschance für Traumatisierte.

Es gibt aber eben zu wenig Wissen. Zeitweise wurde in Deutschland eine Identitätsstörung gar nicht diagnostiziert sondern es wurde dann eher Borderline aufgeschrieben. Aus diesem Grund wissen wir zu wenig.

Schlumpfbaby 17.11.2016, 03:54

Dass es sich um ein Symptom handelt ist mir klar, trotzdem kam mir die Idee, dass es ein Therapieansatz sein könnte, gäbe es eine Möglichkeit das Auftreten eines Alter Ego bewusst und kontrolliert zu provozieren.

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