Homeoffice hat trotz Eignung vieler Jobs dafür in vielen Firmen immer noch einen schweren Stand. Warum?

...komplette Frage anzeigen

10 Antworten

Weil viele Chefs Angst haben, keine direkte Kontrolle mehr ausüben zu können.

Man kann nicht mehr einfach ins Büro reinschneien um als Chef Präsenz zu zeigen;

emotionaler Druck lässt sich leichter aufbauen, wenn sich der Mitarbeiter auf dem Territorium des Chefs aufhält.

So ganz einfach ist das Thema nicht, ich habe selbst mehrere jahre lang Leute im Homeoffice betreut. In Deutschland bestimmt zunächst einmal der Arbeitgeber den Arbeitsort, d.h. er muss die Arbeit von zuhause erlauben.

Dann kommen auch einige Gesetze ins Spiel wie Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) oder Bildschirmarbeitsplatzverordnung (BildschArbV). Für deren Einhaltung muss der Arbeitgeber sorgen, d.h. "mal so" vom Wohnzimmertisch aus arbeiten, das geht nicht. Normalerweise muss da ein Arbeitszimmer zur Verfügung stehen, von dem aus man auch ungestört (!!! - also keine spielenden Kinder, kein laufender Fernseher, ...) arbeiten kann. Wenn das nicht gewährleistet ist, dann kann auch ganz schnell der Versicherungsschutz im Home Office erlöschen, den man grundsätzlich wie auf der normalen Arbeitsstelle geniesst. Und um das zu kontrollieren darf hat dann beispielweise auch der Arbeitgeber das Recht, den Arbeitsbereich zu besichtigen, d.h. der darf die Wohnung/das Haus betreten.

Oft vergessen wird auch das Mietrecht: eine gemietet Wohnung dient dem Wohnen, nicht dem Arbeiten. Wenn man "nur" zeitweise dort am Rechner arbeitet, dann sollte das kein Problem sein. Anders sieht es aber aus, wenn man zuhause Publikums-/Kundenverkehr hat, dann kann das schon eine Umwidmung sein, und dann kann´s Ärger mit dem Vermieter geben.

Und nicht zuletzt muss auch ein vergleichbarer Sicherheitsstandard wir in der Firma gewährleistet sein: Auf einem Firmengelände gibt´s normalerweise Zugangskontrollen, da kann nicht jeder hinein und sich bewegen wie er mag. Deswegen kann ein Fremder auch nur schwer Unterlagen einsehen. Wie kann sichergestellt werden, dass firmeninterne Unterlagen, die nach Hause mitgenommen werden, dort adäquat geschützt sind und eben nicht offen und für Karl Schmidt und Rudi Ratlos, die abends auf ein Bier vorbeikommen, einsehbar auf dem Wohnzimmertisch herumliegen? Je nach Klassifizierung der Unterlagen kann es also sogar notwendig sein, dass man zuhause einen kleinen Safe haben muss, damit man Dinge nach der Heimarbeit auch wegschliessen kann.

... nur so ein paar Aspekte, die nichts mit Misstrauen oder Kontrollsucht zu tun haben ;)

Gilbschleuder 04.09.2017, 09:53

Danke. Das ist richtig. Aber selbst wenn die Voraussetzungen gegeben sind, scheinen sich viele Vorgesetzte aufgrund einer ausgeprägten Anwesenheitskultur recht schwer zu tun bei diesem Thema.

0

Mein Mann arbeitet dreimal die Woche zuhause, 2 Tage muss er in die Firma.Begründung des Chefs: Der persönliche Austausch zwischen den Kollegen wäre in vielen Fällen sinnvoll. Sieht mein Mann zwar nicht, der tauscht sich auch hier zuhause ständig aus - geht gar nicht anders.

Aber er ist schon froh, dass er vorwiegend von daheim arbeiten darf.

Wir sehen das auch auch so: Keine Belastung des ohnehin starken Berufsverkehrs, keine Umweltbelastung und wir sparen jede Menge Sprit, müssen seitdem zuweilen nur noch alle paar Wochen tanken fahren.

Ich denke mal, das wird sich in den nächsten Jahren noch ändern, also, dass mehr Menschen von zuhause aus arbeiten dürfen.

lg Lilo

P.S. Das ist kein Misstrauen, dass nicht gearbeitet wird. Wenn mein Mann morgens loslegt, loggt er sich ja in der Firma ein und die sehen ja, was er geleistet hat im Laufe des Tages. Dahingehend gab es noch nie Probleme.

Angst vor Kontrollverlust würde ich sagen.

Hinzu kommen noch Menschen, die natürlich auch neidisch wären. Und wenn der Arbeitgeber erstmal mit Extrawürsten anfängt, nimmt das meist kein gutes Ende.

Eine konkrete Antwort kann ich Dir auch nicht geben, aber mein Eindruck bei alten AG war immer, dass man den Mitarbeitern nicht genug traut, dass sie dann auch ihr Pensum arbeiten. Also ja, vermutlich Misstrauen und Kontroll"zwang". Bis sich das etabliert, wirds wohl noch eine Weile dauern. 

Firmen die sich schwer tun mit einer Home-Office Lösung müssen einfach lernen, dass es nicht um die Anwesenheit geht, sondern um Arbeitsergebnisse, die zu einem vorgegebenen Zeitpunkt abgeliefert werden.

Chefs, die gerne nachschauen ob der Mitarbeiter am Schreibtiscch sitzt und so tut als würde er oder sie arbeiten, werden sich beim Thema Homeoffice immer schwer tun

Mangelndes Vertrauen und fehlende Kontrolle.

Bei uns läuft es sehr gut mit dem Homeoffice.

Oft ist es Misstrauen. Man weiß nicht ob genauso effizient gearbeitet wird. Bei einigen ist es sicherlich auch eine finanzielle Hürde.

Natürlich ist es Misstrauen - aber so ganz unbegründet erscheint mir das nicht...

Es ist immer leicht, sich aufzuregen und als armes Opfer zu sehen, wenn man derjenige ist, dem andere nicht vertrauen.

Vielleicht sollten alle, die sich hier so fürchterlich über "böse Chefs" aufregen, sich mal fragen, wie "vertrauensvoll" sie selbst sind...

Fehlende Kontrolle/Kontrollverlust, ja!

Unfähige MA, die so eine Vertrauensstellung ausnutzen!

Was möchtest Du wissen?