Hörverstehen in der Fremdsprache: Bin ich auf einem guten Weg?

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9 Antworten

Hallo,

du schreibst, dass du jedes Wort klar abgrenzen kannst. Das Problem ist jedoch im gesprochenen Spanisch, dass die Worte ineinander überfließen und es bedarf sehr viel Übung, um einen nicht in Schulspanisch gesprochenen Satz vollständig zu verstehen. Meist ist im Unterricht ja auch der Text in einem gewissen Kontext.

Ich hatte damals bis A2-Niveau selbst beigebracht und bin dann auf eine Sprachschule in Spanien, wo ich bis einschl. B2 einen Kurs machte (wenn man das in den heutigen Europ. Framework-Level umsetzt).

Ich blieb in Spanien und fing in einer Bar zunächst das arbeiten an und die ersten 4 Tage verstand ich gelinde gesagt kein Wort. In Deutschland würde man zu J&B vornehm Justinery And Brooks sagen. In Spanien einfach Jótabe. Und nach ein paar Whiskies auch nur noch Joe. Aber irgendwann kam ich drauf. Dann ging das gröbste in dem Bereich, aber ich kam immer wieder an Grenzen, wo ich mich "wie ein Ochse vor dem Berg" fühlte. Es war - obwohl ich gut Spanisch sprach und auch dort lebte - zu Beginn erstaunlich schwer, alles richtig rauszuhören.

Eben gerade das von mir zu Beginn erwähnte zusammenfließen der Worte. Aus se ha ido (was man im Deutschen eben schön getrennt sagen würde) wurde saido. Es gab jede Menge an Modalverben, also einfachste Worte aus dem Basiswortschatz, die nun 100.000 Bedeutungen hatten. Im Hinterkopf lief immer die Grammatikprüfung mit, aber man hatte auch schon Schwierigkeiten in einem schnell gesprochenen Text das Subjuntivo oder grammatikalische Feinheiten rauszuhören usw.

Aber das gibt sich. Ich habe mir irgendwann mal gesagt: Spanisch läuft nicht davon. Es ist heute wie morgen gleich. Und nach und nach kommt man drauf, hat den Trick raus, alles rauszuhören.

Dazu kam noch, dass ich in Andalusien Spanisch gelernt habe. Ich hatte dann eine Freundin in Barcelona. Mit derem Spanisch (ich meine nicht Katalansich, sondern Spanisch mit katalanischem Akzent) hatte ich enorme Schwierigkeiten. Bis wir im Sommer in den Süden fuhren und schwupps verstand ich wieder alles. Die Betonung, der Satzaufbau usw. ist eben von Region zu Region verschieden. Da musst du dich erst mal einfinden, denn im Deutschen werden die Worte überdeutlich auseinandergehalten, im Spanischen bringt man 5 Worte in 3 Silben unter und lässt eben - scheinbar - ein paar Buchstaben weg. Später kommt man drauf und hört auch deren Ansatz, ohne dass diese jedoch zum klingen kommen.

Es ist also alles Übungssache. Mit TV machst du ja schonmal nichts falsch. Ggf. wären für den Anfang auch Kinder-Hörbücher gut, Gute-Nacht-Geschichten usw., die etwas langsamer gesprochen werden. Aber da kannst du dich auch nicht drauf verlassen ^^

Dann kannst du auch mal übergehen und z.B. auf tve.es antena3.es cuatro.es telecinco.es lasexta.es usw. Serien zu verfolgen oder dir DVDs mit spanischen Untertiteln kaufen. Ab besten sind auch Filme mit viel Action, denn mein erster Kinofilm auf Spanisch (es war nicht meine Idee) hies El Dilema. Es wurde nur diskutiert und erst nach 30 Minuten bekam ich mit, um was es überhaupt ging. Dagegen sind Filme gut, die eben viel dargestellte Handlung haben, wo man schon ungefähr weiss, was sie sagen.

Aber Spanisch ist schon zu Beginn sehr schwer zu verstehen. Es gibt so viele lokale Besonderheiten, so viele verschiedene Rhytmen, Modal- und Modewörter. Ich glaube das beste wäre wirklich ein Stream der vorgenannten TV-Sender. Ein Kapitel, dass du notfalls mehrmals dir ansiehst/hörst. Auch wenn du es weist, solltest du es zumindest noch einmal wiederholen.

Ach ja, fast vergessen: Lieder. Auf Youtube hast du ja alle spanischen Lieder, viele auch mit Text. Ich würde da mal die Charts oder so Songs wie "Rayos de Sol" oder ggf. auch Shakira (obwohl die teilweise auch sehr schnelle Wortfolgen hat) raussuchen, eben mit Text "shakira con letra", ggf. auch langsamere Lieder wie z.B. die Stilrichtung Bachata (z.B. von Aventura). Auch wenn die natürlich wieder Dominikanischen Dialekt haben, aber doch nicht so ausgeprägt wie beim Sprechen.

Wenn du da ein paar Lieder auswendig lernst und mitsingst, bekommst du richtig die Feinheiten raus, auch wie man die Worte schnell zusammenschmelzen lässt und du gewöhnst dich an diese Form des Komprimierens, verstehst das dann auch auf einmal in normalen Gesprächen.

Auch wenn du mit dem (relativ langsamen) Sprechen keine Schwierigkeiten hast, beim Singen hörst du gleichzeitig und vergleichst. Besser kannst du auch Hören nicht lernen.

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Hallo!

Ich glaube nicht, dass dich das sehr beunruhigen sollte. Auch ich habe ähnliche Erfahrungen wie du gemacht. Wenn man eine Fremdsprache lernt, gibt es immer Punkte, mit denen man sehr gut zurecht kommt und andere, wo man ein bisschen hinter den Erwartungen zurückbleibt. Das kann zumeist zwei Ursachen haben:

  • Persönliche Neigungen/Eigenheiten: Manche Menschen hassen Grammatik und sehen sich die einschlägigen Kapitel nur mit Widerwillen an, wollen sprechen und verstehen und arbeiten deshalb nur mit Wörtern und Texten, das kann sich negativ auf die Grammatikkenntnisse auswirken. Genauso klar ist es, dass man nicht überall seine Stärken hat. Es hat auch mit der Aufmerksamkeit zu tun, die nicht jeder auf dieselben Eindrücke richtet. Manche Menschen sagen, dass sie sogar dann verstehen, was jemand gesagt hat, wenn sie dessen Sprache fast gar nicht oder nur eine verwandte Sprache sprechen. Ich könnte mir das mit meinem Hörverständnis auch nicht vorstellen.
  • Lernmethodik und Sprachanwendung: Sprache hat sehr viel mit Verstehen und sehr viel mit Übung zu tun. Und natürlich gebraucht jeder die Sprache anders. Das hat dann auch zur Folge, dass man manche Bereiche ganz natürlich sehr stark trainiert und andere ein bisschen außen vor lässt. Wenn du z.B. täglich etwas Spanisches liest oder schreibst, entwickelst du dich in den Bereichen Wortschatz und Grammatik sicher gut weiter. Wenn du aber nur hin und wieder mit Hispanohablantes sprichst oder überhaupt spanische Sprache hörst, bleibt das Hörverständnis vorerst zurück, vor allen Dingen dann, wenn deine Stärke möglicherweise ohnehin woanders liegt.

In beiden Fällen ist die Situation jedenfalls nicht ausweglos. Du musst nur deine Aufmerksamkeit ein bisschen mehr auf diese kleinen »Schwachstellen« richten, um sie zu beheben. Man braucht eben für das eine ein bisschen länger als für das andere, aber ich bin mir ganz sicher, dass du dein Hörverständnis verbessern wirst, wenn du weiter übst, du kannst dann auch einmal zu einem Punkt gelangen, an dem du schnellere Fortschritte machst. Nur ruhig und optimistisch bleiben ;)

Und ja, ich habe durchaus ähnliche Erfahrungen gemacht. Beim Französischen geht es mir sogar fast gleich. Ich kann es passabel sprechen, lesen und schreiben, aber das Hörverständnis macht mir große Probleme. Beim Portugiesischen und Russischen (wo ich leider auch noch immer Probleme habe) ging es mir anfangs ähnlich.

och, das geht mir genauso;) Mach dir keine Sorgen..denke, das ist normal und wir müssen einfach noch mehr hören..;) (Lass uns doch einfach nach Spanien auswandern;)Nach spätestens ein paar Monaten können wir perfekt Spanisch, davon bin ich überzeugt!) Ich müsste aber meinen Mann mitnehmen..hihi) Die Spanier sprechen aber auch sehr...naja..als ob sie sich die Zunge am Weinglas verbrannt hätten....Hut ab erstmal, dass du soviel kannst-schreiben, lesen...etc.Ich denke, es ist einfach schwierig für unsere klapprigen Hirne, die mit Zeitverzögerung die Worte übersetzen-wenn auch richtig-das dann auch noch gleich zu verstehen, während es sich schon halb auf den nächsten Satz, der ja während eines Gespräcjs etc.nicht lange auf sich warten lässt, konzentrieren muss. Dolmetscher sein ist bestimmt schwer und gut bezahlt, bzw.deshalb wollen gewiss alle zweigleisige Muttersprachler..;)

Ich denke, das ist völlig normal. Zum einen kann man nicht erwarten, jeden spanisch redenden Menschen zu verstehen, denn es gibt da durchaus Dialekte wie bei uns, insbesondere die lateinamerikanischen Dialekte haben wohl einiges an Gewohnheitseffekt.

Wenn ich mich an meine Schreiberei und auch Sprecherei in Englisch erinnere, so hat das erst geklappt, als man nicht mehr Deutsch gedacht hat. Da wird der Kasus Knacktus liegen, denke ich ...

Hallo,

natürlich wäre ein Aufenthalt im spanischsprachigen Ausland (Ferienfreizeit, Gastfamilie, Schüleraustausch, Au Pair, work und travel usw.) zur Verbesserung des Hörverständnisses am besten - möglichst allein, sonst schickt man gerne seine Begleitung vor - aber Auslandsreisen stellen meist ein zeitliches und finanzielles Problem dar.

Tipps für daheim:

spanisches Fernsehen schauen

spanisches Radio hören

spanische Podcasts hören

DVDs auch mal auf Spanisch schauen (v.a. wenn man den Lieblingsfilm auf Deutsch eh schon in + auswendig kennt.)

• sich einen von Muttersprachlern geleiteten Konversationskurs (z.B. VHS) o. einen Spanisch-Stammtisch, bei dem Muttersprachler mitmachen, in Wohnortnähe suchen.

• Skype einrichten und spanischen Muttersprachler als Gesprächspartner suchen

Ich denke, was du beschreibst ist ganz normal. Das wird schon, nur nicht verzagen. Übung macht den Meister!

:-) AstridDerPu

Gehirne funktionieren natürlich individuell unterschiedlich. Aber ich halte das von Dir geschilderte Problem für völlig "normal". Damit meine ich, daß ich es manchmal auch habe und Leute kenne, denen es ähnlich geht.

Mein Englisch war schon nicht schlecht, als ich das erste Mal in den USA war. Trotzdem hatte ich exakt das von Dir beschriebene Problem. Das hatte sich dann aber schnell von selbst und fast völlig erledigt.

Fast völlig! Heute ist mein Englisch schon recht nah an dem eines native speaker.
Und dennoch: Wenn ich einen Film im Original sehe, bei dem die Tonspur extrem viele Nebengeräusche enthält (ein Film von Robert Altmann zum Beispiel), hat mein Hirn manchmal Schwierigkeiten, den Text "herauszufiltern". Bei einem deutschen Film habe ich diese Schwierigkeiten nicht. Ich nehme aber an, daß mein Hörverstehen nach einem Dutzend Altmann-Filmen hintereinander auf dem muttersprachlichen Stand wäre oder zumindest ganz nah dran. Danach hätte ich aber sicher andere Probleme ...

Mein Fazit für Dein Problem:
Es ist Übungssache. Spanisch unter "Laborbedingungen" und "normales Spanisch im Alltag" sind zwei verschiedene Dinge. Ersteres hast Du gelernt, Letzteres wirst Du lernen. (Es sei denn, Du hast ein Hörproblem, eine Beeinträchtigung beim Hören - was natürlich sein könnte, aber eher selten und im Test nachweisbar ist.)

Also, ich denke: Das wird schon!

Gruß, earnest

In Spanisch ist das tatsächlich eine grosse Schwierigkeit: Tipp: Radio hören, Fernsehen schauen, Filme ansehen auf spanisch, ev. erst mit Untertitel (zB. auf Spanisch)...

Was du jetzt dringend brauchst ist Praxis. Ich bin sicher, dass dieses Problem sich erledigt, wenn du mal z.B. 2 bis 3 Wochen z.B. in Spanien bist. Plötzlich schaltet dein Hirn um und erkennt automatisch.

Sieh dir Filme an, Narichten und und und, alles Übung!

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