Hobbes und Verantwortung?

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4 Antworten

Für sein Handeln ist der jeweils Handelnde verantwortlich. Sowohl das Geben des Befehls zu einer Tat als auch die Ausführung der Tat sind Handlungen und jeweils die Handelnden für ihre Handlung verantwortlich, ob anordnende Autorität oder der anordnenden Autorität Untergebener/Untertan.

Auch wenn nach der Staatsphilosophie von Thomas Hobbes der Untertan zu Gehorsam gegenüber dem Souverän verpflichtet ist, bleibt er dafür verantworlich, gehorsam zu sein. Beide sind für ihre Handlungen verantwortlich, auch wenn von Thomas Hobbes dem Untertan kein inhaltlicher Entscheidungsspielraum mit einer Zulässigkeit von Weigerung/Recht auf Widerstand eingeräumt wird mit Ausnahme eines unveräußerlichen Rechts auf Verteidigung des eigenen Lebens (Thomas Hobbes, Leviathan Kapitel 14).

Bei Thomas Hobbes ist durch den Gesellschaftsvertrag, der zugleich ein Unterwerfungsvertrag ist, die Macht des Souveräns verfassungsrechtlich uneingeschränkt. In seiner politischen Theorie geht er tatsächlich soweit, die Befolgung eines Befehls auch zu einer Tat, die einen moralisch bedenklichen Eindruck macht, den Vorzug gegenüber Ungehorsam zu geben. Die Alternative ist in seiner Sichtweise ein Rückfall in den Naturzustand mit ungebändigter Agressivität und dies hält Hobbes für schlimmer.

Bei den bürgerlichen Gesetzen liegt in der Staatsphilosophie von Thomas Hobbes die Gesetzgebung beim Souverän (Thomas Hobbes, Leviathan Kapitel 26) und Autorität, nicht Wahrheit, macht das Gesetz. Was die Umsetzung der Gesetze und die Gesetzgebung der bürgerlichen Gesetze betrifft, kann seiner Aufassung nach der Souverän nicht unrechtmäßig anordnen/befehlen, solange er seiner Aufgabe nachkommt.

Thomas Hobbes gibt natürliche Gesetze an, wobei diese bei ihm im Grunde immer nur Gebote der Klugheit sind. Ein erstes natürliches Gesetz ist, Frieden zu suchen, solange darauf gehofft werden kann. Darin ist als natürliches Recht enthalten: Jeder ist befugt, sich durch alle zu Verfügung stehende Mittel selbst zu verteidigen (Selbsterhaltung). Daraus ergibt sich als zweites natürliches Gesetz, daß jeder, sobald seine Frieden und Selbsterhaltung gesichert sind, auch von seinem Recht auf alles - vorausgesetzt, daß andere auch dazu bereit sind - abgehen und mit der Freiheit zufrieden sein muß, die er den übrigen eingeräumt wissen will.

Außer diesen beiden grundlegenden/primären natürlichen Gesetzen gibt Thomas Hobbes, Leviathan Kapitel 14 und 15 noch neunzehn weitere natürliche Gesetze an. Die natürlichen Gesetze, die im Naturzustand keine eigentlichen Gesetze seien, sondern Eigenschaften, die Menschen zu Frieden und Gehorsam hinleiten, würden im Staatszustand zu wirklichen Gesetzen, die dann staatliche Befehle und somit auch bürgerliche Gesetze seien (Thomas Hobbes, Leviathan Kapitel 26).

Der Gehorsam gegenüber den Souverän kann nach der von Thomas Hobbes vertretenen politischen Theorie beendet werden (allerdings ohne eine Erlaubnis/Zulässigkeitserklärung seitens des noch bestehenden Staates), wenn der Souverän seine Frieden und Ordnung schützende Aufgabe gar nicht mehr erfüllt (vgl. Thomas Hobbes, Leviathan Kapitel 30). Gegenüber einem solchen Souverän, der am Maßstab seiner Aufgabe einer Friedensfunktion im Inneren eines Staates/einer Gesellschaft gemessen versagt oder zur Erfüllung nicht bereit ist, kann es besser sein, Befehlen nicht zu gehorchen und stattdessen einen neuen Souverän zu nehmen, der seiner Aufgabe wirklich nachkommt.

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Nach Hobbes kann der Souverän nichts Unrechtsmäßiges befehlen, weil er die oberste Rechtsinstanz ist und festsetzt, was Recht und was Unrecht ist. Hobbes lebt in einer Zeit des Absolutismus, in der jedes Land und sein Souverän innerhalb der Landesgrenzen festsetzen, was Recht ist. Zu dieser Zeit hatte jedes Fürstentum seine eigenes Recht, seine eigenen Gewichte und Maße und seine eigenen Münzen. Da war auch ein je eigenes Recht nicht ungewöhnlich. Uns Heutigen fällt es schwer, sich soetwas vorzustellen.

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Kommentar von vasis24
28.07.2016, 22:16

Danke. Trotzdem auch hier meine Frage: wer trägt die Verantwortung? Der Handelnde, oder die Autorität?

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Für Handlungen sind immer objektive Einflüsse wie Absichten, Mittel, Gewissen,Umstände u.s.w. verantwortlich. Auch die Macht eines Souveräns basiert darauf und ist daher nie absolut, denn auch ein Herrscher hat sich z.B. der Macht des Geldes zu beugen und muss sich auf Pfeiler stützen, wie staatliche Organe,Adel,Kirche und Armee. Letzteres ist eine Notsituation,die meist dem Machterhalt des Herrschers dient. Diesen Befehl auszuführen oder nicht ist als Frage von Moral nicht beantwortbar. Gruß

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Rechtschaffen ist der der die Gesetze erfüllt.

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Kommentar von vasis24
28.07.2016, 21:45

Und wer ist verantwortlich?

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