Hitler:war es eine Machtergreifung?

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9 Antworten

Nein, es war eine Machtübertragung, betrieben von maßgeblichen Eliten aus Wirtschaft und reaktionärem Klüngel.

Am 19. November 1932 überreichte Friedrich Reinhart (Commerz- und Privatbank) eine Eingabe an Hindenburg, die u. a. von dem Kölner Bankier von Schröder, Thyssen, Eberhard Graf von Kalkreuth unterzeichnet und von Hjalmar Schacht initiiert worden war. In dieser Eingabe wurde Hindenburg aufgefordert HitIer zum Reichskanzler zu berufen. Andere führende Industrielle, Banker und Großagrarier schlossen sich dem an.

[...] Mit Eurer Exzellenz bejahen wir die Notwendigkeit einer vom parlamentarischen Parteiwesen unabhängigeren Regierung, wie sie in dem von Eurer Exzellenz formulierten Gedanken eines Präsidialkabinetts zum Ausdruck kommt. [...] Gegen das bisherige parlamentarische Parteiregime sind nicht nur die Deutschnationale Volkspartei und die ihr nahestehenden kleineren Gruppen, sondern auch die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei grundsätzlich eingestellt und haben damit das Ziel Eurer Exzellenz bejaht. [...] Es ist klar, daß eine, des öfternen wiederholte, Reichstagsauflösung mit sich häufenden, den Parteikampf immer weiter zuspitzenden Neuwahlen nicht nur einer politischen, sondern auch jeder wirtschaftlichen Beruhigung und Festigung entgegewirken muß. [...] Die Übertragung der verantwortlichen Leitung eines mit den besten sachlichen und persönlichen Kräften ausgestatteten Präsidialkabinetts an den Führer der grössten nationalen Gruppe (A. HitIer, d. Verfasser) wird die Schlacken und Fehler, die jeder Massenbewegung notgedrungen anhaften, ausmerzen ...

(Quelle: Büro des Reichspräsidenten, Abt. B/III, Bd. 47, Bl.259/260, abgedruckt in: Neue Gesellschaft für Bildende Kunst und das Kunstamt Kreuzberg (Hg.): Renzo Vespignani: Über den Faschismus. Berlin 1976, S. 11)

Hindenburg übertrug aber zunächst noch General Kurt von Schleicher am 3. Dezember 1932 die Aufgaben des Reichskanzlers, nachdem HitIer den Auftrag einer Regierungsbildung ohne Präsidialvollmachten am 23. November 1932 abgelehnt hatte. Einen Monat später einigten sich aber bereits HitIer und Papen im Haus des Kölner Bankiers Kurt von Schröder auf die Ablösung Schleichers und eine gemeinsame Regierung unter Einbeziehung der Nazis.

Von Papen verhandelte dabei im Auftrag Hindenburgs mit HitIer. Am 21. Januar 1933 teilte die "Deutsche Allgemeine Zeitung" mit, dass das Präsidium des Reichsverbandes der Deutschen Industrie sich für die Bildung einer Regierung unter Beteiligung der HitIerpartei ausgesprochen hat.

Die Weimarer Republik war eine Republik mit Menschen, die ihre Probleme gelöst haben wollten. Dass das nicht gelang, lag weniger daran, dass es nicht genügend Republikaner oder Demokraten gab, sondern daran, dass die alten Eliten des Kaiserreichs in Wirtschaft, Verwaltung, Militär, Polizei, Justiz und Politik nach wie vor das Sagen hatten. Geradezu versinnbildlicht wurde das durch die Wahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten, einem erklärten Monarchisten und Verächter der Republik.

Die Weimarer Republik ist nicht an den fehlenden Demokraten gescheitert. Sie ist an der Bewahrung der alten Machtverhältnisse des Kaiserreichs gescheitert. Inflation und Weltwirtschaftskrise taten ihr Übriges.

Die Machtübertragung an Hitler war keine Revolution und schon gar nicht die Ergreifung der Macht gegen den Willen der bisher Herrschenden. Es war die Übertragung der Macht an den Mann und an die Partei, die Sozialdemokraten, Kommunisten und Juden von führenden Stellen in Deutschland entfernen sollte, ganz im Sinne der nach wie vor maßgeblichen Eliten. Es war die demokratiefeindliche Intrige des Demokratieverächters an der Spitze der Weimarer Republik und seiner Hintermänner, den Bankern, Großindustriellen und Großagrariern.

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Es war die Ergreifung einer Möglichkeit zur Macht, welche man ihm von Seiten insbesondere der Wirtschafteliten in Gesinnungsverbindung mit antirepublikanischen Politkreise geboten hat. Der Begriff selber stammt aber aus der Tatsache, dass der "Gröfaz"(größte Führer aller Zeiten) sich letzlich seine unumschränkte Macht durch eine Art Staatsstreich unter Einsetzung von Gewalt gegen die Mehrheitsverhältnisse im Reichstag aus der Position einer de facto Minderheitsregierung verschafft hat da er mit seiner braunen Unterhose auch in den letzten freien Reichstagswahlen nur 40+X Prozent erreicht hat aber eben nicht die Mehrheit. - Der Rest ist bekannt.

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Es war der Versuch, dem Teufel nur einen Finger zu geben. Der ging schief.

Die Machteliten waren am Ende ihrer Optionen. Da hofften sie, einen Pakt mit Hitler schließen zu können, obwohl ihnen klar war, dass das ein Risiko war.

Wie das Pfeifen im Walde der Spruch: "Wir werden ihn an die Wand drücken, dass er quietscht."

"Machtergreifung" war die Bezeichnung, die von der NS-Seite verwendet wurde (war es Hitler selbst oder irgendeiner aus seiner Entourage, der immer unbekannt bleiben wird?), um sich als einzig Handelnde zu sehen.

Dass Hitler nach dem fehlgeschlagenen Putsch keinen Staatsstreich riskierte, sondern abwartete, bis man ihm den kleinen Finger reichte, dann aber entschlossen Hand und Arm ergriff, um die Eliten aus dem Weg zu räumen, zeugt davon, dass er gelernt hatte.

Hinterlistig ("Erschleichung") war es aus der Sicht der Eliten, eine kraftvolle Tat ("Ergreifung") war es aus Sicht Hitlers und seiner Anhänger. 

Der überzeugten Demokraten musste es wie ein "Pakt mit dem Teufel" erscheinen. 

Als objektive Beschreibung passen alle drei Bezeichnungen nicht. 

Die reaktionären Machteliten hatten alle Optionen verspielt, die sie einzusetzen bereit waren, und sich keine weitere offen gehalten. So versuchten sie etwas, was sie nicht wollten. ("So schlimm wird es schon nicht sein.") - Die Alternative wäre ein Bündnis mit allen demokratischen Kräften gewesen. Das lag ihnen aber so fern, dass ihnen nur Hitler blieb.

Freilich: Die Demokraten hatten schon verspielt, als sie Hindenburg als Bollwerk gegen Hitler nutzen wollten. Die Frage, ob es Möglichkeiten gab, Hitler zu verhindern, ist nicht eindeutig zu beantworten. Dass es nicht geschehen ist, ist klar. 

Dass es nicht so sehr die Fehler der anderen Seite waren, sondern die Kraft der "Bewegung" und die "Vorsehung", dafür sollte das Wort "Machtergreifung" stehen. Man braucht Hitlers Sichtweise nicht zu übernehmen, wenn man feststellt: Er hatte richtig taktiert und die anderen ausgespielt.

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Kommentar von Fontanefan
02.09.2016, 09:07

Wenn man unbedingt ein Wort für den Vorgang finden will, passt am ehesten das neutrale "Machtübertragung". 

Was Hitler danach aus der "Machtübertragung" gemacht hat: die konsequente Ausschaltung aller Kräfte, die seiner Diktatur im Wege standen, das war entschlossenes, geschicktes Handeln. Wenn man etwas "Machtergreifung" nennen will, dann war es dieser Vorgang, der mit dem "Ermächtigungsgesetz" zur de facto Abschaffung der Weimarer Verfassung führte.

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Machtergreifung ist ein traditioneller Begriff und er ist richtig - Machtübertragung ist auch nicht falsch, aber weniger bekannt.

Die Ergreifung trifft die Sache finde ich wirklich gut, da Hitler etwas, das man ihm anbot, entschlossen ergriff - so dass seinen konservativen Steigbügelhaltern Hören und Sehen verging. Mit den Verhaftungswellen nach dem Reichstagsbrand, mit den Drohungen vor der Abstimmung zum Ermächtigungsgesetz, mit dem Verbot der Parteien und Gewerkschaften kann man wirklich vom Ergreifen der Gelegenheit sprechen, die Demokratie zu zerschlagen um nachher unumstrittener Alleinherrscher zu sein.

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Eher eine Machterschleichung....

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du bist ja komplett dumm, überleg erstmal was du schreibst, bevor du dich traust so etwas zu fragen.

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Machterschleichung trifft es besser

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Manche Historiker nennen es neuerdings auch Machtübertagung,denn Hindenburg hat ihm ja die Macht übertragen.

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Kommentar von jackthegiant
01.09.2016, 22:59

*Machtübertragung

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Selbstverständlich war das ne Machtergreifung

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