Hinduismus vs. Buddhismus

3 Antworten

Es gibt im Hinduismus verschiedene Gottheiten.

Diese werden aber, je nach Form des Hinduismus, teilweise nur als unterschiedliche Verkörperungen (Inkarnationen) eines einzelnen Gottes angesehen.

Welcher Gott dann jeweils als "höchste Persönlichkeit Gottes" gilt, ist je nach Richtung des Hinudismus verschieden (Vishnu, Krishna, usw.).

Auch gibt es Anhänger einer Unpersönlichkeitslehre im Hinduismus, die lehren, das es lediglich ein abstraktes Göttliches (Brahman) gebe, das aber nicht in Gestalt einer Person existiert.

Gerade in der Volksförmmigkeit werden die Götter je nach "Zuständigkeit" angebetet. Wer zB Glück braucht, betet zu Ganesha, dem Beseitiger von Hindernissen usw.

Es gibt also Dutzende von Formen des Hinduismus mit ganz unterschiedlichen Ausrichtungen.

Es gibt im Hinduismus die Vorstellung vom ewigen Selbst

Das Ziel des Hinduismus ist es, das ewige unzerstörbare Selbst des Menschen (Atman) mit dem ewig Göttlichen (Brahman) zu vereinen.

Es gibt im Hinduismus die Askese als Weg zum Göttlichen

Hierzu nehmen beispielsweise Asketen (Sadhus) extreme körperliche Entbehrungen auf sich, um die Identifikation mit dem Körper zu lösen und sich ganz auf dieses Ewige auszurichten.

Es gibt im Hinduismus das Kastensystem als göttliche Ordnung

Sozial gesehen leitet sich das Kastensystem in Indien vom Hinduismus ab. Auch wenn die ursprüngliche Aufteilung in Brahmanen, Fürsten, Krieger, Handwerker usw. nicht den modernen Berufen entsprechen muss, wirkt sich die Vorstellung einer solchen Hierarchie weiterhin auf die Gesellschaft aus.

Die "Unberührbaren" (Paria, Harijan), die keiner Kaste angehören, werden heute nach wie vor diskriminiert und ausgeschlossen.


Unterschiede im Buddhismus

Es gibt im Buddhismus keine Gottheiten

Im Buddhismus gibt es keine Lehre von personifizierten Gottheiten, oder eines ewig Göttlichen, die über dem Menschen stehen.

Es gibt zwar Geschichten, dass Götter (Devas) bei der Geburt des Buddha angeblich Blumen vom Himmel regnen ließen und diese Devas sich auch zu Predigten des Buddha versammelten - sie sind jedoch eher Randfiguren und finden keine Verehrung als oberste Gottheiten.

Im Grunde genommen sind sie Märchenfiguren, die für die eigentliche Lehre Buddhismus selbst unwichtig sind.

Im Vajrayana-Buddhismus gibt es zwar Bildnisse von Gottheiten, aber diese Verkörpern zum einen oft einfach Bewusstseinszustände und Eigenschaften des Menschen und können zudem als Übernahme vorbuddhistischer schamanistischer Vorstellung angesehen werden.

Es gibt im Buddhismus kein ewiges Selbst

Der Buddhismus lehrt, dass es so etwas wie ein ewiges Bewusstsein des Menschen nicht gibt. Die Vorstellung einer ewigen Seele, die durch verschiedene Leben wandert, gibt es nicht.

Es gibt im Buddhismus keine Askese

Siddharta Gautama, der später Buddha wurde, soll als Fürstensohn aufgewachsen sein, wuchs also als Hindu einer hohen Kaste auf.

Als er nach dem Sinn des Lebens suchte und die irdischen Anhaftungen überwinden wollte, soll er zunächst genau das gleiche gemacht haben, wie viele andere Hindus vor ihm

Er wurde Asket und hungerte seinen Körper bis an die Grenzen des Möglichen hinab, um die Körperlichkeit zu überwinden und zum Göttlichen zu gelangen.

Schließlich erkannte er, dass die Misshandlung des Körpers nicht der richtige Weg ist und gab den alten hinduistischen Weg auf. Er lehrte dann den "mittleren Weg" - keine Anhaftung an Luxus, aber auch keine Askese.

Es gibt im Buddhismus kein Kastensystem

Der Buddhismus hat kein Kastensystem, auch wenn in einigen asiatischen Ländern buddhistische Mönche besondere Verehrung genießen und privilegiert behandelt werden.

Jeder Mensch kann die Erleuchtung finden und muss dazu nicht extra in eine Priesterkaste hineingeboren werden.

Der Theravada-Buddhismus ist da zwar konservativer, gerade im Bezug auf Frauen, von einem Kastensystem für die gesamte Gesellschaft kann aber auch dort keine Rede sein.

Ich habe bestimmt Aspekte vergessen, aber soviel erst einmal von mir. Hoffe, die Antwort war hilfreich.

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Seit mehr als 30 Jahren praktizierender Buddhist

Auch im Hinduismus muss niemand extra in eine Priesterkaste hineingeboren werden um Erleuchtung zu finden! 

Das HEUTIGE (!) Kastensystem existierte so nicht vor Ankunft des Islam und später der Briten und ist nicht durch die Veden sanktioniert!

Das Varna System beruhte auf Fähigkeit und Verdienst, und nicht auf Geburt! Es wurde weniger flexibel durch korrupte Brahmanen in der Zeit islamischer Herrschaft und gänzlich unflexibel durch den Kontrollwahn und der "divide and rule" Politik der Briten. In den Puranas gibt es etliche Beispiele über den Wechsel von einer niedrigen in eine höhere "Kaste" und umgekehrt. Hier ein link über die Briten in Indien:

http://hindukulturgenozid.blogspot.com/2015/03/british-empire-in-indien-british-...

In dieser zeit wurde viel Manipulation und gravierende Geschichtsverfälschung betrieben. Besonders Missionare nutzten ihre Druckerpressen um Texte zu fälschen oder zu verfälschen um Angriffspunkte gegen den "bösen" Hinduismus zu haben und besser das "gute" Christentum vermarkten zu können. Frühe Indologen wie Friedrich Max Müller waren religiöse Eiferer und wurden von den Briten fürstlich entlohnt für ihre "pro christlichen" Übersetzungen (negativen Auslegungen) heiliger indischer Schriften und der indischen Historie. Diese "Wissen" wird mittlerweile leider oft als Faktum betrachtet und leider auch an Schulen und Universitäten gelehrt.

Wer sich allerdings ernsthaft mit den Veden, Upanischaden, Purnas usw. und mit den Werken früher Reisender beschäftigt (z.B. Fa Hsien um ca. 450 AD oder Megasthenes ca. 320 vuZ.) bekommt ein anderes, weitaus positiveres Bild, als es uns sogenannte Indologen presentieren!

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@SwamiShankara

Den Ausführungen über tendenziöse Darstellungen bei Missionierungen kann ich mich anschließenn - mir fällt als indisch-britisches Beispiel auch die Geschichte der Thuggee ein, die ja wesentlich aus der Sicht der Briten übermittelt wurde.

Auch im Hinduismus muss niemand extra in eine Priesterkaste hineingeboren werden um Erleuchtung zu finden! 

Das ist richtig (ich habe ja auch nichts anderes gesagt), dennoch sind die Bedeutung der Brahmanen und der Entsagung als Mittel zur Erleuchtung im Hinduismus deutliche Abgrenzungen zum Buddhismus.

Ich denke, wir sind uns jedenfalls darin einig, dass es signifikante Abgrenzungen zwischen Buddhismus und dem gibt, was man im Allgemeinen als "Hinduismus" zusammenfasst. :-)

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@SwamiShankara

@ SwamiShankara

 Frühe Indologen wie Friedrich Max Müller waren religiöse Eiferer und wurden von den Briten fürstlich entlohnt für ihre "pro christlichen" Übersetzungen (negativen Auslegungen) heiliger indischer Schriften und der indischen Historie.

Also ich bin ja kein Experte auf dem Gebiet der Indologie und Philosophie, aber wenn ich beispielsweise in Friedrich Max Müllers Cambridge-Vorlesungen „Indien in seiner weltgeschichtlichen Bedeutung“ lese - ich zitiere wörtlich/auszugsweise:

Wenn man mich fragte, unter welchem Himmel der menschliche Geist einige seiner auserwähltesten Gaben am vollsten entwickelt, über die größten Probleme des Lebens am tiefsten nachgedacht hat, … - ich würde auf Indien weisen. … Und wenn ich mich selbst fragte, aus welcher Litteratur wir hier in Europa, … am meisten bedürfen, … - ich würde wiederum auf Indien weisen."

- dann habe ich einen ganz anderen Eindruck.

Ohne die restliche Bedeutung Deines Beitrages mindern zu wollen, sollten wir nicht alles über einen Kamm scheren und Max Müller verzeihen, daß er Indologe blieb und nicht zum Hinduismus konvertierte ;-)

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Den Unterschied kann man nicht in wenigen Sätzen erklären. Dazu sind beide Religionen viel zu komplex und zu facettenreich mit ihren vielen Glaubensvarianten und Philosophien. Du kannst verständliche und umfangreiche "Definitionen"/Erklärungen im Internet finden. Das gibt dir die Möglichkeit, Vergleiche anzustellen.

Buddhismus hat seinen Ursprung im Hinduismus und gehört dadurch zu den dharmischen Religionen welche einen gänzlich anderen Zugang zur Erkenntnis haben. Mehr über den Hinduismus  und Gründe warum der Westen ein recht "schiefes" Bild vom Hinduismus hat findest du hier:

http://hindukulturgenozid.blogspot.de/2015/04/verschiedene-religionen-ganzlich.html

Infos über den Buddhismus findest du dort zwar (noch?) nicht aber einen Blickwinkel auf den Hinduismus der nicht von westlich / christlichen / imperialistischen Vorurteilen verfälscht ist.

LG SwamiShankara

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