Hilfeeee! Was ist eine musikalische Gattung?

2 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

"Gattung" ist ein unscharfer, letztlich eigentlich unbrauchbarer Begriff. In "Gattungen" werden Musikstücke zusammengefaßt, die sich in irgend einer Form gleichen, sei es in der Besetzung (Streichquartett, Sinfonie, Lied) oder sei es im Verwendungszweck (Oper, Oratorium, Kantate etc.). Eines meiner ersten abendfüllenden Stücke wollte ich "Oper" nennen; der Dramaturg am Theater, an dem es uraufgeführt wurde, schlug stattdessen vor, es "eine Idylle" zu nennen, eine neue Gattung war geboren...

"tiergartenbg"s Kommentar ist Unfug. "Diatonik, Chromatik und Enharmonik" sind Begriffe aus der allgemeinen Musiklehre; es sind auch keine Tongeschlechter. "Formen" sind locker umrissene Gestaltungsprinzipen (Sonate, Fuge, Strophenlied etc.), mit Gattungen hat das alles nichts zu tun (eigentlich sollte man hier nur antworten, wenn man weiß, wovon man spricht).

Die Frage nach der musikalischen Gattung wird erst dort interessant, wo ein Musikstück sich ihr entzieht. So wurde häufig die Frage diskutiert, ob Wagners Opern nicht eigentlich sinfonische Dichtungen seien. Oder ob einige Klavierstücke von Liszt nicht eigentlich Sinfonien seien. Manche Opernarien von Verdi sind in Italien zu Volksliedern geworden ("Libiam" aus "La Traviata"), haben also ihre Gattungsbegrenzungen überschritten.

Ich hoffe, mein Kommentar war hilfreich. Gruß von Kalaf

Der Begriff Gattung bezeichnet in der Musiklehre: seit der Antike die Tongeschlechter Diatonik, Chromatik und Enharmonik. seit dem 18. Jahrhundert die „Kunstformen“ wie Motette, Madrigal, Streichquartett, Oper etc.

„Gattung“ und „Form“ sind zwei sich häufig überschneidende Begriffe, die im alltäglichen Sprachgebrauch auch unscharf-synonym gebraucht werden. Allgemeine Formen sind beispielsweise Liedform und Rondoform; die Disziplin der musikalischen Formenlehre versucht, diese zu klassifizieren.

Die Lehre von den musikalischen Gattungen betrachtet im Gegensatz dazu die Kriterien Besetzung, Text, Funktion, Aufführungsort und Satzstruktur.

Weitere Kriterien zur systematischen Klassifikation von Musik sind: Epochen wie z. B. Renaissance, Barock, Wiener Klassik usw. Stil bzw. Genre Gattung und Funktion der Musik [Bearbeiten]

Oft überschneiden sich Bezeichnungen für Aufführungsrahmen mit den Bezeichnungen für das dort Aufgeführte: Kammermusik war einst Musik in der aristokratischen „Kammer“, scheint sich seit dem späten 18. Jahrhundert aber eher durch Besetzung, Stil etc. zu definieren. Der Begriff Opéra comique bezeichnet ein Pariser Theaterinstitut des 19. Jahrhunderts und zugleich eine Operngattung, die dort aufgeführt wurde. Das Menuett ist ein Gesellschaftstanz und zugleich ein Satz in der klassischen Sinfonie.

Gattung und Aufführungsrahmen entsprechen sich so und sind dann nur bedingt trennbar: Gattungen sind oft eng an funktionale Zusammenhänge gebunden, Musik ist dann Gebrauchsmusik. Die Bindung an bestimmte Gattungstypen brachte für den Komponisten stets Beschränkungen seiner kompositorischen Möglichkeiten mit sich, z. B. bei Kirchensonaten oder zunächst bei der Gestaltung der geistlichen Oratorien, die nicht allzu opernhaft sein durften. Seit dem späten 18. Jahrhundert wurde Kammermusik jedoch - quasi gattungsübergreifend - auch im bürgerlichen Konzertsaal spielbar, und die Opéra comique konnte auch in deutschen (Provinz-)Theatern reproduziert werden. Dieser räumlichen Emanzipation entspricht oft die Emanzipation von ihrer Funktion, wie etwa bei Tanzmusik, die zum Sinfoniesatz wird.

Eine solche Emanzipation von der Funktionsmusik macht die Gattung rein bzw. „absolut“ (vgl. Absolute Musik). Sie bewahrt etwas (wie die aristokratische Kammer als Aura) und löst es zugleich aus seinem ursprünglichen Zusammenhang. Absolutheit zielt dem ästhetischen Anspruch nach auf Kunst als von der Wirklichkeit losgelöster „Gegenwelt“. Sie kann eine ungeschönte Betrachtung der historischen Fakten im 20. Jahrhundert behindern und steht seit den Katastrophen des 20. Jahrhunderts unter Ideologieverdacht.

Komponisten des 20. Jahrhunderts haben sich von allzu engen Gattungsbegriffen gelöst und haben hybride Mischformen im Rahmen klassischer Gattungen (wie z. B. die Kammersinfonie) oder im Rahmen der Künste (z. B. Performance als Mischform von Tanz/Theater und Musik) gefunden. In radikalen Experimenten negierte John Cage den Gattungs- und Werkbegriff vollständig.

Liebe/r tiergartennbg,

bitte achte in Zukunft darauf die Quelle anzugeben, wenn Du zitierst. Die Beachtung der Urheberrechte ist uns wichtig! Bitte schau diesbezüglich noch einmal in unsere Richtlinien unter http://www.gutefrage.net/policy. Die Beiträge werden sonst gelöscht.

Vielen Dank für Dein Verständnis.

Herzliche Grüße

Klara vom gutefrage.net-Support

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