Hilfe "Nachdem das Wissen davon geschwunden ist, was die Menschenwürde bezeichnet, ist uns nun auch immer weniger klar, wozu wir sie eigentlich noch brauchen"?

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7 Antworten

Ohne den Autor zu kennen (es ist wohl Uwe Volkmann), und die Zusammenhänge, durch die er auf diesen Satz kommt, ist es sehr schwer ihn überhaupt zu verstehen. Er ist wohl auch ironisch gemeint.

Jeder weiß, was die Würde eines Menschen ist, wenn man es aber definieren soll, wird es schon schwieriger. Warum hat man die Menschenwürde an den Anfang unseres Grundgesetzes gestellt und ihn nicht genauer erklärt. Wie kann etwas so schwammig undefiniertes als Grundlage der Rechtsprechung dienen?

Nach den Gräueln der NS-Diktatur wollte man ein Zeichen setzen und so ist die Hervorhebung der Menschenwürde für alle ein wertvolles Gut. Volkmann schreibt Art 1 GG sei "eine symbolische identitätsstiftende Leitformel der BRD, ein Ausdruck von heiler geordneter Welt".

Ab den 70er Jahre wurde Artikel 1 GG immer mehr zur Klärung  politischer Kontroversen herangezogen. Der Bundestag fand keine eigene Entscheidung zum Schwangerschaftsabbruch, sondern musste das Bundesverfassungsgericht anrufen, damit dies ihm die "schwere Aufgabe" abnimmt.  Ab hier wird Art 1 GG auch benutzt, um eigene Wertvorstellungen und Moral gegen andere durchzusetzen.

http://www.jura.uni-mainz.de/volkmann/Dateien/Nachricht\_vom\_Ende\_\_der\_Gewissheit.pdf

Alle halten die Menschenwürde für ein hohes Gut. Aber wie viele finden, dass Folter unter bestimmten Umständen ein zulässiges Mittel ist?

Kann man das Nachmittagsprogramm mancher Sender anschauen ohne das Gefühl von entsetzlicher Würdelosigkeit der Beteiligten? Man könnte auch fragen, wozu brauchen wir Art.1 GG, wenn so viele Menschen freiwillig auf ihre Würde verzichten.

Geht es gegen die Würde eines Kindes, wenn die Eltern einen Arzt verklagen, der eine Behinderung nicht erkannt hat, oder nicht das richtige Designerbaby geliefert hat?

Auch Juristen sind sich nicht einig darüber, was man unter der Menschenwürde versteht.

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Du solltest in Deiner Ausarbeitung unbedingt zwischen dem juristischen Begriff "Würde des Menschen" und dem umgangssprachlichen Gebrauch des Begriffs unterscheiden, und diese "Originalbedeutung" erst mal herausarbeiten.

Ersterer ist klar definiert und keinesfalls "nur so ein Wort".
Er beinhaltet Grundrechte auf körperliche Unversehrtheit, Rede-, Versammlungs-, Religions- und einige weitere Freiheiten (-> wikipedia). Es beinhaltet auch und gerade, das Recht, so zu leben wie man will, solange man die Rechte anderer nicht einschränkt.

Letzterer (der umgangssprachliche) ist schwammig, wie man auch hier in den Antworten teilweise sieht, und reicht von obigem juristischen, über "menschenwürdiges Dasein", bis hin zu Deutungen im Sinne von "würdig sein", Ehrbegriffe oder einem konstruierten "Schutzrecht von Kritik".

Da letzterer sehr subjektiv ist und oft auch absichtlich oder unabsichtlich missbraucht wird, sind persönliche Privatdefinitionen (und Überlegungen, was wohl dahinter stecken könnte) wenig hilfreich, wenn darüber debattiert wird.
Ein Phänomen, daß man überall sieht: jeder interpretiert etwas anderes hinein.

Ein konkretes Beispiel:
wenn Leute nach den Anschlägen auf Charlie schreiben, daß die Zeichner selbst Schuld hätten (verantwortlich sind), dann wird mit so einer Aussage die Würde des Menschen mit Füssen getreten. Und zwar die der Zeichner.
Viele meinen wohl offensichtlich aus Unwissenheit, die Würde der kritisierten Religion bzw. der Gläubigen wäre vorher angetastet worden. Das ist sie nicht, denn Religionskritik zählt ausdrücklich zu den Rechten, welche die Würde des Menschen definiert. Und ein Bilderverbot darf keine Gruppe anderen auferlegen. Und schon gar nicht mit körperlicher Gewalt erzwingen
(mal ganz abgesehen davon, daß es eine "Würde der Religion" oder "Würde einer Gottheit" nur unter religiösen Diktaturen gibt, und Kritik dort dann "Blasphemie" genannt wird)

Schon daran sieht man, daß das Wissen um den Begriff offensichtlich geschwunden ist.

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Kommentar von Robbe99
26.02.2016, 18:24

oh mein Gott...vielen vielen Dank. das hat mir enorm weitergeholfen :)

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Teil für teil. in diesem satz sind 2 aussagen die sich ergänzen. 1. Das wissen was man als Menschenwürde bezeichnet ist verschwunden. Man weiß also nicht mehr wo menschenwürde beginnt und endet bzw was angreift oder eben verteidigt. 2. da man nicht mehr weiß was die menschenwürde ist, weiß man auch nicht wozu man sie braucht. Das ist wie mit einem gerät das man ewigkeiten hat aber nie wirklich beachtet hat weil es ja immer in reichweite ist. Jedoch hat man sich so lange nicht mehr damit beschäftigt dass man irgendwann auch nicht mehr mehr weiß die das denn jetzt nochmal funktioniert hat oder gar wozu man es braucht. Um letzteres geht es in diesem zitat. Es ist das extrem. Menschenwürde ist uns so selbstverständlich dass man in notsituationen nicht weiß bis wo man sich heranwagen kann und wo die grenze gezogen werden muss.
Ein zweiter ansatz der mir nun klar wird ist auch dass dieses zitat sich auf die ignorierung von Menschenwürde bezieht. Der autor würde somit damit sagen wollen dass wenn wir nur so tun als wäre etwas menschenwürdig aber eigentlich alle regeln ignorieren, können wir auch gleich sagen dass wir sie nicht brauchen und einfach ganz ohne arbeiten können um niemanden etwas vor machen zu müssen

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Vor dem zweiten "ist" kommt noch ein Komma hin. Dann ist`s zumindest etwas klarer, wie der Satz gemeint ist. 

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Überlege doch einfach was Menschenwürde bedeutet und was sie nicht bedeutet bzw. das Gegenteil davon ist. Wie sieht ein menschenwürdiges Leben aus? Auf was sollte jeder Mensch ein Recht haben? Unter welchen Umständen müssen derzeit Menschen leben?

Hoffe, dass dir das hilft. ^^

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Die meisten können "Menschenwürde" nicht aus dem Stand heraus definieren und entsprechend sehen wir sie nicht mehr als so super wichtig. Mir persönlich ist es egal. Wir leben alle gut, Menschenwürde ist nur ein Wort und ehrlich gesagt weiß ich auch gar nicht, was das heißt.

Ist nur so ein demokratischer Begriff.

Schätze, die Kernaussage ist, dass Deutsche heute nicht mehr für ihre Würde und ihr Grundrecht kämpfen müssen wie das vor Jahrzehnten der Fall war und in der Hinsicht träge werden.

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