Hilfe! Kann man irgendwas gegen das Long-QT-Syndrom machen?

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1 Antwort

Hey,

zunächst was das Loch im Herz angeht: Während der Entwicklung im Mutterleib besteht eine normale Öffnung zwischen rechtem und linkem Vorhof. Diese Öffnung wird als Foramen ovale bezeichnet. Normalerweise verschießt sich diese Öffnung unmittelbar nach der Geburt und verwächst, sodass die Wand zwischen den Vorhöfen geschlossen ist. Besteht weiterhin eine Öffnung, spricht man von einem Foramen ovale persistent (PFO). Das ist nicht selten, ich selbst war schon bei sehr vielen Schluckechos (auch transösophageale Echokardiographie, TEE) dabei, bei denen ein PFO mit Kontrastmitteln nachgewiesen wurde. Diese Patienten waren meiner Erinnerung nach alle über 60 und hatten nie Probleme damit. Was ich damit sagen will, ein PFO macht selten Probleme, solange es nicht allzu groß ist.

Dann kann es sein, dass ein Loch in der Herzscheidewand (Septum) besteht, man spricht dann von einem Ventrikelseptumdefekt (VSD). Dies kann deutlich schwerwiegender sein, muss es aber nicht. In erster Linie ist dessen Größe wichtig. Man unterscheidet zwischen drucktrennenden, druckreduzierenden und druckgleichenden VSD's. Das Problem an der Stelle ist, dass zwischen linker und rechter Herzkammer ein deutlicher Druckunterschied (oder auch Gradient) besteht. Zum Vergleich: Ein normaler endsystolischer Druck im linken Ventrikel beträgt etwa 120 mmHg, ein normaler endsystolischer Druck im rechten Ventrikel dagegen nur 25 mmHg. Die Differenz von fast 100 mmHg ist enorm und führt bei ausreichender Größe des VSD zu einem Links-Rechts-Shunt, also einem Übertritt von Blut aus der linken Kammer in die rechte. Das kann langfristig Probleme machen, wie allgemeine Leistungseinschränkung, pulmonale Hypertonie (Bluthochdruck im Lungenkreislauf), Linksherzinsuffizienz (also unzureichender Pumpfunktion der linken Herzkammer) und möglicherweise zur sogenannten Eisenmenger-Reaktion führen. Solche VSD's werden i.d.R. chirurgisch verschlossen.

Das Long-QT-Sydrom ist eine andere Baustelle. Das, worum es eben ging, betrifft den strukturellen Aufbau des Herzens. Das LQT-Syndrom ist eine Veränderung der Erregungsstadien der Herzmuskelzellen. Nachdem diese erregt wurden, haben sie die Salze, die eigentlich in der Zelle sind, rausgelassen und die Salze, die eigentlich draußen sind, reingelassen. Um die Zelle wieder in die Ausgangslage mit einem Ruhepotential von etwa -90 mV zu bekommen, werden die einen Salze wieder rausgepumpt und die anderen wieder reingepumpt. Diese Phase des Erregungszyklus bezeichnet man als Refraktärzeit. Beim LQT-Syndrom ist ebendiese Zeit verlängert und bietet Angriffsfläche für Herzrhythmusstörungen, sollten bestimmte Bedingungen erfüllt sein. Einige Medikamente können die QT-Zeit verlängern und sollten deswegen von Patienten mit einem LQT-Syndrom gemieden werden. Darunter sind viele Wirkstoffgruppen, z.B. einige Antibiotika, einige Antiarrhythmika, einige Psychopharmaka und so weiter. Das frei verkäufliche Übelkeitsmedikament (Antiemetikum) Vomex, mit dem Wirkstoff Dimenhydrinat, macht das auch. Darauf sollte man dann auch dringend achten. Eine direkte Therapie des LQT-Syndroms gibt es nicht, man kann jedoch die Risiken, die von ihm ausgehen, unter anderem mit Betablockern minimieren. Treten gehäuft schwere Rhythmusstörungen auf, sollte u.a. über einen implantierten Cardioverter/Defibrillator (ICD) nachgedacht werden.

Natürlich sollte deine Freundin mit ihren Leiden einen Kardiologen aufsuchen. Da ihr diese nicht allzu offensichtlichen Erkrankungen bekannt sind, gehe ich jedoch davon aus, dass sie bereits bei einem in Behandlung ist.

Ich hoffe, dass ich deine Fragen verständlich und ausreichend beantwortet habe und dir dabei keine Angst gemacht habe. Leider klingen medizinische Themen oft sehr bedrohlich, aber du möchtest wohl auch lieber die Wahrheit als einen geschönten Text.

Falls du noch Fragen hast, stell sie gern. 

Lieben Gruß :)

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strawberry2610 05.12.2015, 12:53

Danke für die Erklärung :)

Liebe Grüße :)

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