Hilfe bei Pflege einer 100 Jährigen demenzkranken Frau

12 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Überlege Dir doch einmal, was du als angenehm empfinden würdest, wärst Du an Stelle Deiner Großmutter. Wenn Dir Dinge in den Mund gesteckt werden oder Flüssigkeiten hinein gegeben werden, die Du absolut nicht magst - weil Du nicht erkennst, was es ist und was das Ganze überhaupt soll. Hunger und Durst hast Du ja schließlich nicht (oder empfindest es jedenfalls nicht) - Würdest Du Dich nicht auch wehren?

Es ist bei sehr vielen Demenzerkrankten so, dass sie Hunger und Durst nicht empfinden. Alles, was gegen ihren Willen in sie hineingefüllt wird - obwohl es wirklich von Herzen gut gemeint ist - ruft Widerwillen und Abwehr hervor.

Magensonde ist für mich absolute Zwangsernährung. Man nimmt dem Menschen die letzte Würde und Entscheidungsmöglichkeit, das letzte bisschen Autonomität - die Freiheit zu entscheiden, das esse oder trinke ich jetzt oder eben auch nicht. Genauso ist es mit Infusionen. Ein leichtes beruhigendes und stimmungsaufhellendes Mittel in niedriger Dosis könnte vielleicht ihre Abwehr vermindern. Auch meiner Sicht sollte es zumindest einen Versuch wert sein.

Sicher bietest Du ihr ohnehin nur Mahlzeiten an, die sie früher gern gemocht hat. Viele demenzkranke mögen Süßes, das ist richtig, oder kräftig gewürzte Speisen, da auch Geschmack- und Geruchssinn weniger stark ausgeprägt sind und normal Gewürztes als fade empfunden wird.

Meines Erachtens solltest Du alles dafür tun, die Lebensqualität der alten Dame nicht leiden zu lassen. Sicher hast Du Dich auch in Gedanken schon mit dem Sterben beschäftigt - in so hohem Alter muss man ja täglich damit rechnen, dass das Leben zu Ende geht.

Wenn es für die alte Dame angenehmer ist, nicht tessen und trinken zu müssen, solltest Du sie auf keinen Fall zwingen. Biete ihr immer wieder kleine Mahlzeiten und Getränke an, aber akzeptiere ihre Ablehnung. Du machst Euch beiden damit das Leben leichter. Sicher, es wird so sein, dass sie an Gewicht verliert und Austrocknung - der Fachmann sagt Exsikkose dazu - droht. das kann lebensgefährlich werden, da hast Du recht, und vielleicht wird die Frau an den Folgen versterben.

Sie wird aber nicht im herkömmlichen Sinn "Verhungern" oder "Verdursten", da sie ja genau diese Empfindungen ja offensichtlich nicht mehr hat. Sie wird nicht leiden dabei, das will ich sagen. Und Du bráuchst auch kein schlechtes GEwissen dabei haben, da Du ihr ja immer wieder Mahlzeiten angeboten hast.

Wenn es Dir hilft, kannst Du aufschreiben, was Du ihr angeboten hast und was sie davon zu sich genommen hat und auch, wie sie Dich abgewehrt hat. Genau das tun die Pflegekräfte im Heim auch - sie dokumentieren ihre Angebote und die Reaktion darauf. Damit bist Du auch rechtlich aus dem Schneider, wenn Dich irgendjemand auf "Verhungern" ansprechen sollte.

Zum Schluss möchte ich Dir auch wie viele andere hier meine Hochachtung für deine liebevolle Pflege aussprechen. Du machst das großartig.

das wirkt für mich wie passive Sterbehilfe.. ich bin immoment in einem sehr sehr starken Gewissenskonflikt

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@mupmup

Das kann ich gut verstehen, dass Dich das in einen Konflikt stürzt.

Als ich meine Eltern gepflegt habe (oder auch bei meiner Tätigkeit im Pflegeheim, 6 Jahre im Demenz-Heim) habe ich mir immer die Frage gestellt, was würde der Betroffene sich wünschen? Was ist für ihn schön bzw. angenehm? Wie würde er antworten, wenn ich fragen könnte: lieber die eine oder andere unangenehme Maßnahme und länger so wie jetzt leben oder lieber eine Lebensverkürzung in Kauf nehmen, dafür aber angenehm leben, ohne Zwangsmaßnahmen?

Im Heim haben wir uns dazu im Team einen Standpunkt erarbeitet und mit den Angehörigen besprochen, was sie für Oma oder Vater wollten. Du hast es schwerer ohne Team um Dich rum...

Es ist in meinen Augen keine passive Sterbehilfe, wenn Du Deiner Oma die Entscheidung über Essen und Trinken überlässt, ihr die Mahlzeiten anreichst und eben auch ihre Ablehnung akzeptierst, sondern ein würdevoller Umgang mit der Erkrankten. - Und das ist doch das, was Du willst? Ihr soweit wie möglich eine angenehme, würdevolle letzte Zeit - wie lang auch immer - ermöglichen?

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@lamarle

@lamarle, ganz dickes Kompliment für diesen tollen Fachbeitrag, ich bin in jedem Punkt deiner Meinung. LG

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das hört sich stark nach einem "fall" fürs pflegeheim an. zunächst: hat sie einen gesetzlichen betreuer?- also nicht jemanden, der sie "pflegt" i.s. von anziehen, waschen, füttern usw. sondern jemanden, der ihre interessen (im rechtlichen sinne) wahrnimmt, oder nicht?. wenn nicht, musst du das beim zuständigen vormundschaftsgericht (beim amtsgericht deiner gemeinde) beantragen. der zuständige richter nimmt dann die situation selbst in augenschein und beauftragt einen amtsarzt, ein gutachten zu erstellen. wenn dann richter und arzt zu dem ergebnis kommen, dass eine gesetzliche betreuuung von nöten ist, kümmert sich der betreuer oder die betreuerin um alles weitere. notfalls wird so jemand, der nicht mehr zugänglich ist per magensonde "zwangsernährt". alles keine einfache sache. ich wünsche dir kraft, alles notwendige einzuleiten.

Eine Infusion mit einer Nährlösung wäre eine Möglichkeit. Das wäre dann allerdings mit Arzt und Krankenkasse abzuklären. Die Frage ist, ob sie den Zugang drinlassen würde.

Eine Infusion wäre eine Möglichkeit, wir hatten es Probiert, doch hatten wir dadurch zu kämpfen dass sie die infusionskanüle rausreisst, denn trotz ihrem hohen alter hat sie eine menge kraft.

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@mupmup

Wie weiter oben schon angemerkt, nachdem sie offenbar so mit dem Leben kämpft wäre für mich wirklich die Frage da, ob sie nicht mit einem leichten Beruhigungsmittel ein schöneres Leben hätte. Man muss sie ja nicht gleich so zudröhnen, daß sie nur noch vor sich hinvegetiert.

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@Jerne79

wir werden uns mit unserem Hausarzt zusammensetzen. Vielen Vielen dank Jerne79

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@mupmup

Gern geschehen. Und ich ziehe meinen Hut vor dir, nicht jeder hätte die Nerven für so eine Pflege.

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