Hexameter im Deutschen schreiben /Lyrik

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Der „reinrassige“ Hexameter besteht aus fünf Daktylen (lang kurz kurz) und dem Schluss-Trochäus (Lang kurz) hat folgendes metrische Schema:

— - - | — - - | — - //(„Zäsur“) - |— - - | — - - | — -

Da es im Deutschen nicht lange und kurze Silben, sondern nur betonte und unbetonte Vokale gibt, schreibt man das Schema

| ´x x x | ´x x x | ´x x // x | ´x x x| ´x x x| ´x x -|, es klingt also wie also ein ¾ -Takt

Der schwer durchzuhaltende reine Hexameter wurde gemildert, so dass jetzt die Definition gilt:

Der Hexameter besteht aus sechs Takten. Der fünfte muss ein Daktylus (´x x x ) sein, der sechste ein Trochäus (´x x). Die übrigen Versfüße können nach Wahl Daktylen, Trochäen oder Spondeen sein. Ein Spondeus (- -) hat zwei lange Silben, die zweite steht für 2 kurze. Im Deutschen wird häufig eine Pause gemacht. Im Hexameter steht der Spondeus oft als Mittel gegen Eintönigkeit


3 Anfänge alle aus dem Projekt Gutenberg:


Goethe: Reineke Fuchs

Pfingsten, das liebliche Fest, war gekommen! Es grünten und blühten //

Feld und Wald; auf Hügeln und Höhn, in Büschen und Hecken //

Übten ein fröhliches Lied die neuermunterten Vögel; //

Jede Wiese sprosste von Blumen in duftenden Gründen, //

Festlich heiter glänzte der Himmel und farbig die Erde.

Nobel, der König, versammelt den Hof; und seine Vasallen //

Eilen gerufen herbei mit großem Gepränge; da kommen //

Viele stolze Gesellen von allen Seiten und Enden, //

Lütke, der Kranich, und Markart, der Häher, und alle die Besten. //

Denn der König gedenkt mit allen seinen Baronen //

Hof zu halten in Feier und Pracht; er lässt sie berufen //

Alle miteinander, so gut die Großen als Kleinen. //

Niemand sollte fehlen! und dennoch fehlte der Eine, //

Reineke Fuchs, der Schelm! der viel begangenen Frevels //

Halben des Hofs sich enthielt. So scheuet das böse Gewissen //

Licht und Tag, es scheute der Fuchs die versammelten Herren. //

Alle hatten zu klagen, er hatte sie alle beleidigt, //

Und nur Grimbart, den Dachs, den Sohn des Bruders, verschont' er //


Goethe: Hermann und Dorothea

»Hab ich den Markt und die Straßen doch nie so einsam gesehen! //

Ist doch die Stadt wie gekehrt! wie ausgestorben! Nicht fünfzig, //

Deucht mir, blieben zurück von allen unsern Bewohnern. //

Was die Neugier nicht tut! So rennt und läuft nun ein jeder,//

Um den traurigen Zug der armen Vertriebnen zu sehen. //

Bis zum Dammweg, welchen sie ziehn, ist's immer ein Stündchen, //

Und da läuft man hinab, im heißen Staube des Mittags. //


Eduard Mörike: Märchen vom sichern Mann

Soll ich vom sicheren Mann ein Märchen erzählen, so höret!

– Etliche sagen, ihn habe die steinerne Kröte geboren.

Also heißer ein mächtiger Fels in den Bergen des Schwarzwalds,

Stumpf und breit, voll Warzen, der hässlichen Kröte vergleichbar.

Darin lag er und schlief bis nach den Tagen der Sündflut.

Nämlich es war sein Vater ein Waldmensch, tückisch und grausam,

Allen Göttern ein Greu’l und allen Nymphen gefürchtet.

Ihm nicht durchaus gleich ist der Sohn, doch immer ein Unhold;

Riesenhaft an Gestalt, von breitem Rücken und Schultern.

Ehmals ging er fast nackt, unehrbarlich; aber seit Menschen-

Denken im rauh grauhärenen Rock, mit schrecklichen Stiefeln.

Grauliche Borsten bedecken sein Haupt und es starret der Bart ihm.


Und jetzt, Nora, nachdichten! Reimen musst du ja nicht!

Das war hilfreich? Dann lass uns doch deine Versproduktion lesen! :)

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@Koschutnig

es mangelt doch an der umsetzung ;)

sag mal, warum ist beim Reineke Fuchs, 17 silben, bei den anderen eher 15??

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@Nora007

Nun, so ganz stimmt das ja nicht! Die 1. Zeile hat 17, die 2. 14 und die 3. und 4. Zeile je 15 Silben (wenn ich richtig gezählt hab) - doch auf die Zahl der Silben kommt's ja nicht wirklich an, sondern auf die 6 Betonungen und darauf, dass im vorletzten Takt, also nach der 5. "Hebung", 2 unbetonte Silben ("Senkungen") stehn, was dem Ganzen den Hexameter-Rhythmus verleiht.

Goethe hat den Reineke aber nun tatsächlich mit einem "reinrassigen" Hexameter einschließlich "Zäsur" begonnen, doch gleich in der nächsten Zeilen nützt er die Spondeus-Erlaubnis im 1. , 2. und 4. Takt: F e l d und W a l d sind sozusagen halbe Noten, beide Male fehlt zum Daktylus eine Silbe, ebenso nach H ö h n.

Vllt. geht die Versproduktion leichter, wenn du einen Walzer- oder Ländlertext als Vorlage nimmst und ein paar Silben hinein mogelst?Etwa so : Dónau so bláu, ach du schöne und bláue... Allerdings - statt 6 Hebungen kriegt man auf diese Weise 4 oder 8. Auch nicht das Wahre...

Oder du hängst dich rein und dichtest weiter, wo wahrscheinlich Studenten einmal begonnen hatten, ihre latein. Hexameter zu parodieren:

Hur*tig mit **Donnergepolter berührten die Hintern die Bänke,*

und* sie hoben die **Hände zum lecker bereiteten Mahle*

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