Heutige Konflikte mit dem Westen gegen den mittleren Osten?

6 Antworten

Zuerst einmal heißt das Volk "Sarazenen", und das waren keine Türken, sondern ein Volksstamm aus dem Norden der arabischen Halbinsel. In der Türkei waren es vor allem die Seldschuken, die immer wieder Handelskarawanen, Pilger oder ganze Ortschaften überfielen und jeden "Ungläubigen" umbrachten, dem sie habhaft wurden.

Als Reaktion darauf bat der byzantinische Kaiser Alexios I. Papst Urban II. um Hilfe. Er erbat allerings nur etwas Truppenverstärkung, der Papst nutzte dieses Bittgesuch aber politisch aus: Byzanz hatte sich nur knapp ein halbes Jahrhundert zuvor von Rom losgesagt und die Ostkirche sich im großen Schisma von der katholischen Kirche abgespalten. Der Papst witterte hier eine Gelegenheit, die verlorengegangenen Schäfchen der großen Herde wieder hinzuzufügen.

Alexios sollte also mehr "Hilfe" bekommen, als ihm Recht war: Urban mobilisierte im ganzen christlichen Europa sowohl Fürsten, Adlige als auch einfach Bauern und bald schon machte sich ein gewaltiges Heer auf den Weg nach Osten - längst nicht mehr nur mit dem Ziel, die Überfälle der Seldschuken zu stoppen, sondern auch ganz offen, um Jerusalem aus der Herrschaft der Muslime zu befreien, was ihnen schlussendlich auch im Jahre 1099 nach mehreren grausamen Blutbädern, sowohl in Antiochia als auch in Jerusalem selbst, gelang. Jerusalem wurde 1187 von dem ägyptischen Sultan Saladin aber wieder wieder eingenommen, allerdings diesmal, ohne ein Blutbad anzurichten. Jedem Christen und Juden wurde damals freier Abzug aus der Stadt garantiert, was hier nicht unerwähnt bleiben sollte.

Die Kreuzzüge können also militäthistorisch also schon als Verteidigungskrieg gewertet werden, weil die Aggression klar von den Muslimen ausging - und das bereits seit dem Jahr 622. Der Islam hat sich schon unter Mohammed und seit ihm in den ganzen vierzehn Jahrhunderten seines Bestehens ausschließlich mit Gewalt ausgebreitet. Wer nicht konvertieren wollte, wurde abgeschlachtet oder unter ein grausames Segregationsrecht gestellt: Christen und Juden, die unter islamischer Herrschaft leben mussten, wurden zu Schutzgeldzahlungen gezwungen und bei jeder sich bietenden Gelegenheit diskriminiert. Das, was wir in Südafrika unter Apartheid verstehen, war in allen Islamischen Ländern jahrhundertelang grausamer Alltag - und ist es häufig auch noch heute. Das Motiv, die Glaubensbrüder aus dieser Lage zu befreien, spielte also ebenfalls eine große Rolle, weshalb die Kreuzfahrer in den Krieg zogen.

Es ist also tatsächlich so ähnlich gewesen wie heute zu Zeiten des IS. Der IS tut nämlich nichts anderes als Mohammed oder als jeder Kalif und Sultan nach ihm: Er will den "wahren" Islam mit allen Mitteln ausbreiten. Und diese Mittel sind vor allem Grausamkeit und nackte Gewalt. Die Opfer dieses Konfliktes sind sowohl Christen und Juden, aber vor allem andere Muslime - der IS führt somit primär Krieg gegen "Glaubensbrüder". Dass der Westen hier eingreift, ist wie auch während der Kreuzzüge als Verteidigungskrieg zu rechtfertigen - da es aber im Nahen Osten auch reiche Ölvorkommen und andere Ressourcen gibt, geht es den westlichen Machthabern genauso wie einst Urban II. auch und vor allem um machtpolitische Ziele.

Und noch etwas, was du dir unbedingt merken solltest: Die Kreuzzüge als Argument zu bringen, wenn man sich über die Expansion des Islames unterhalten möchte, ist absolut unangebracht. Das steht nämlich in absolut keinem Verhältnis. Sieh dir bitte einmal folgendes Video an.

https://youtube.com/watch?v=I_To-cV94Bo

MarkusPK: Hervorragende Antwort, da kann man nichts mehr hinzufügen!

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Zitat: "Und noch etwas, was du dir unbedingt merken solltest: Die Kreuzzüge als Argument zu bringen, wenn man sich über die Expansion des Islames unterhalten möchte, ist absolut unangebracht. Das steht nämlich in absolut keinem Verhältnis."

Warum? Beide Seiten verbreiteten ihren Glauben mit dem Schwert. Kann man wunderbar vergleichen. Wobei die Kreuzzügler sogar bessere Argumente hatten. In Palestina gab es Christen, die von Moslems erobert wurden. Auf der Iberischen Halbinsel gab es keine Moslems. bevor die Moslems eingefallen sind. Also was soll das?

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@Niconasbeznas

Warum? Ganz einfach. Weil das Zeitalter der Kreuzzüge kaum zwei Jahrhunderte andauerte, die islamische Expansion (Jihad) wird seit knapp 1400 Jahren ohne Unterbrechung als purer Angriffskrieg geführt. Die Kreuzzüge waren dagegen keine Eroberungskriege. Schließlich waren alle Gebiete, um die es dort ging, zuvor christliche Länder gewesen, in welche die Muslime mit Gewalt vorgedrungen waren waren, um ihre Religion den Menschen aufzuzwingen. Man kann also höchstens von einer Rückeroberung sprechen.

Was in anderen Ländern geschah, um den christlichen Glauben mit Gewalt zu verbreiten (Mittel- und Osteuropa, Afrika, Nord- und Südamerika) war kein Bestandteil der Kreuzzüge und richtete sich auch nicht gegen Muslime. 

Dass in den Geschichtsbüchern auch von aggressiven Expansionen von christlicher Seite sehr viel zu finden ist, lässt sich natürlich nicht verleugnen. Allerdings sind diese Zeiten seit mehreren hundert Jahren vorbei. Die großen christlichen Kirchen setzen sich inzwischen weltweit für Frieden und den gegenseitigen Dialog mit anderen Religionen ein, keine von ihnen propagiert in irgendeiner Weise den Krieg. Zwar gibt es auch heute noch gewaltbereite christliche Fanatiker, aber auch hier kann man das nicht ins Verhältnis zum islamischen Terror setzen, der sogar von hochrangigen Islamischen Gelehrten und Staatsmännern offen gelobt und gutgeheißen wird. 

Hast du in der letzten Zeit jemanden "Deus lo vult!" rufen hören? Den Ausruf "Allahu akbar!" hörst du dagegen viel zu oft.

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@MarkusPK

MarkusP: Mal wieder unschlagbare Antwort und hervorragendes geschichtliches Hintergrundwissen, Leistungskurs Geschichte Oberstufe?

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@MarkusPK

Da kann ich dir nur zustimmen. Klassisches Missverständnis.Das klang für mich wie die übliche Asche aufs Haupt Rhetorik vom bösen Kreuzfahrer.

Zitat: Und noch etwas, was du dir unbedingt merken solltest: Die Kreuzzüge als Argument zu bringen, wenn man sich über die Expansion des Islames unterhalten möchte, ist absolut unangebracht. Das steht nämlich in absolut keinem Verhältnis.

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@MarkusPK

[...] auch hier kann man das nicht ins Verhältnis zum islamischen Terror setzen, der sogar von hochrangigen Islamischen Gelehrten und Staatsmännern offen gelobt und gutgeheißen wird.

Du begehst denselben Fehler wie viele andere Menschen dies auch tun und welche zumeist auf der Seite der Pegida und der AfD wandeln: Verallgemeinerung, sprich Du färbst eine ganze weiße Schafherde mit der Farbe der paar 'Idioten', oder besser: Du wirfst sogar die guten 'ins Kröpfchen'...

Zu guter Letzt verharmlost Du mir zu sehr die Kreuzzüge. Des Weiteren sind all die anderen gewalthaltigen Aktivitäten seitens der röm.-kath. Kirche in früheren Zeiten mit der heutigen islamischen Form einer ISIS gleichzusetzen: Missionierung und Inquisition per Gewalt und Zwang...

Von daher kann man sie getrost gegenübersetzen, auch wenn deren Zeiten unterschiedliche sind. Der Islam befindet sich altersgemäß in einem Zeitalter, welcher für die Menschheit eine sehr bittere gewesen war: Mittelalter...

Vielleicht ist dieses Mittelalter eine Epoche, in der eine rapide Entwicklung stattfindet, bei der diese zuerst mit einer Gewalt und danach mit einer Einsicht und Veränderung einhergeht...

Aber im Grunde ist diese Einsicht immer noch nicht vollkommen eingekehrt, wie man dies feststellen kann, weil auch heute noch im Namen des biblischen bzw. christlichen Gottes Kriege geführt und Länder ausgebeutet werden...George W. Bush hatte uns dies ja erst vor Kurzem aufgezeigt gehabt: Ihm war das jüdische Gesetz von 'Aug' um Aug' wichtiger als das jesuische Gesetz von Nächstenliebe und hat somit auch 'die guten ins Kröpfchen' geworfen...

Gruß Fantho

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@Fantho

Welcher Fehler soll das konkret sein, den du mir vorwerfen möchtest? Du schreibst doch selbst, dass für die christliche Welt die "finstere" Zeit vorbei ist und die muslimische Welt noch mittendrin steckt. Das ist doch meine Kernaussage. Und mit AfD-und Pegida-Propaganda hat das nichts zu tun (und ich möchte mir ausdrücklich verbitten, dass du mich mit diesen Hetzern in einem Topf wirfst): ich finde es einfach bloß unverhältnismäßig und historisch unzutreffend, den Jihad mit den Kreuzzügen zu vergleichen. Sie unterscheiden sich deutlich in Motivation, Ausmaß, Dauer und konkreten Folgen. 

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Natürlich gibt es Beispiele in der Geschichte, von Konflikten und kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Völkern und Gruppierungen in denen auch der jeweiligen Glauben eine Rolle spielte. Als sich der Islam durch Mohammeds Eroberungsfeldzügen, und auch nach seinem Tod weiter ausdehnte, haben sich die Christen gewehrt, und als nach der Reformation der Protestantismus in Aufmarsch war, wurde das von der Katholischen Kirche bekämpft. 

Aber die Zeiten, in denen sich die aufgeklärte Länder wegen der Religion als Kontrahenten ansehen, ist vorbei. Nur leider haben die Islamische Gebiete der Erde die Phase der Aufklärung noch vor sich, und leben zwar mit der Hochtechnologie, aber sind in einer Welt des Magischen Denkens gefangen, aus der sie sich erst befreien sollten, bevor sie in Westen akzeptiert werden können. 

Lese doch mal "Licht im Osten" von Peter Frankopan. Ich habe das Buch hier bei Gute Frage schon öfter empfohlen. Es ist wirklich sehr interessant, gut zu lesen, und beantwortet viele Fragen über die Entwicklungen in den Länder die den Islam als Staatsform haben, und die Motiven des Westens, dort Einfluss aus zu üben. Ein wirklich interessantes Buch, auch wenn Geschichte nicht dein Lieblingsfach ist.


Den Kampf gegen den IS vergleicht die IS Propaganda gerne mit den Kreuzzügen. Das ist billige Propaganda um die eigene Gefolgschaft die moralische Rechtfertigung für den Kampf zu präsentieren. Praktisch für die Argumentation ist dabei, dass die Moslemische Welt sich gerne als das Opfer Christlicher Aggression generiert. Die Moslems blenden dabei völlig weg, dass die Kreuzfahrer nur das kopiert haben, was die Moslems ihnen über Jahrhunderte vorher, vorgemacht haben. Im heiligen Krieg, mit dem Schwert zu misionieren. Dabei sollte man erwähnen, dass im nahen Osten und in Nordafrika nicht Arabisch gesprochen worden ist und das Christentum die vorherrschende Religion, vor der islamischen Eroberung, war. Übrigens da gib es noch andere Parallelen, z.B. dass sich Moslems wie Christen als Ungläubige untereinander massakriert haben. Daraus ist der Gegensatz zwischen Schiiten und Sunniten entstanden. Nur so nebenbei erwähnt.

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