Herz-Lungen-Wiederbelebung bei verstopfter Luffröhre?

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4 Antworten

Erste Hilfe ist zum Glück relativ einfach, wenn man es sich noch einmal genau ansieht. Der Ablauf ist ja immer der selbe:

Zunächst schaust du, ob der Patient noch Lebenszeichen von sich gibt. In dem Fall mit einem Gegenstand in der Luftröhre wird er heftig nach Luft ringen, würgen und husten, Panik haben oder ähnlich schlecht drauf sein. Liegt eine solche Symptomatik vor, kann von Herzstillstand nicht die Rede sein. Hier wäre die richtige Maßnahme, dem Patienten zunächst zum weiterhusten anzueiten und zu versuchen, ihm mit 5 festen Schlägen zwischen die Schulterblätter dabei zu helfen, den Gegenstand wieder los zu werden. Wenn das nicht klappt, darf und soll man inzwischen wieder das Heimlich -Manöver anwenden, also durch 5 feste Kompressionen des Oberbauchs zu versuchen, den Gegenstand heraus zu befördern.

Hat man allerdings einen Patienten, der schon wegen des Gegenstandes bewusstlos geworden ist und leblos am Boden liegt, wird man auch bei ihm zunächst das Bewusstsein überprüfen (hat er nicht, ist bewusstlos), dann den Notruf unter 112 absetzen und dann die Atmung überprüfen. Die ist ja auch nicht vorhanden. In der Ersten Hilfe wird eine umfangreiche Kontrolle des Mundraumes nicht mehr gelehrt, also wüsstest du ja nicht, was da im Halse steckt, und müsstest nach dem, was du im EH-Kurs gelernt hast, bei einem bewusstlosen Patienten mit fehlender normaler Atmung sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen. Nach 30 Mal drücken käme 2 Mal beatmen. Hier würdest du feststellen, dass es nicht geht - du versuchst es zweimal, geht nicht. Du kannst dann kurz mal in den Mund gucken und falls du einen Gegenstand siehst, diesen entfernen. Aber halte dich nicht lange mit diesem Problem auf, denn die Erste Hilfe sagt, dass keine Pausen bei der Herzdruckmassage entstehen sollen. Also: wieder 30 Mal drücken. Dann wieder versuchen, zu beatmen. Geht wieder nicht? Gut, dann weiter drücken. Bis der Arzt kommt.

Der Algorithmus "Wiederbelebungsmaßnahmen bei Personen ohne Bewusstsein und normale Atmung" macht bei Laien keinen Unterschied, ob der Patient wegen eines Problems am Herzen seinen Kreislaufstillstand hat, oder ob dieser durch Sauerstoffmangel herbeigeführt wurde. Es wird stumpf gedrückt und beatmet.

In der Tat gilt das auch, wenn der Patient zunächst noch am Leben ist und um die Luft kämpft. Du hilfst mit Schlägen auf den Rücken und dem Heimlich-Handgriff - doch vergeblich. Irgendwann sackt der Patient zu Boden und ist bewusstlos. Tja, leider musst du dann feststellen, dass er auch nicht normal atmet, hat er ja vorher schon nicht getan. Und was muss man nochmal tun bei einem Patienten, der bewusstlos ist und nicht normal atmet? Richtig. Drücken und Beatmen.

Es ist übrigens durchaus so, dass durch die kräftige Herzdruckmassage ein Fremdkörper auch mal aus der Lunge gedrückt werden kann, insofern ist die Wiederbelebungsmaßnahme doppelt richtig.

Das war viel Text, ich fasse zusammen:

Es ist völlig egal, warum ein Patient einen Herzstillstand erleidet, es muss auf jeden Fall eine Herzdruckmassage begonnen werden, denn nur so kann ein Minimalkreislauf aufrechterhalten werden, der das Gehirn des Patienten wenigstens mit minimalen Mengen Sauerstoff versorgt. Bei der Aspiration eines Fremdkörpers kann es zudem sein, dass durch die Herzmassage der Fremdkörper wieder nach draußen befördert wird. So lange ein Fremdkörper in der Luftröhre steckt, wirst du bei einer Wiederbelebung in der Tat kaum Luft in den Patienten bekommen (es sei denn, der Brocken wird so weit in das Bronchialsystem gedrückt, dass ein Lungenflügel wieder frei wird, aber das ist unwahrscheinlich). Das ist dann so und du kannst nicht viel daran ändern - du müsstest dennoch mit der HLW fortfahren.

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Die aktuellen Leitlienien des ERC von 2015 sehen es so vor, bei effektiven Husten zu weiterem Husten animieren, wenn der Husten ineffektiv wird 5 kräftige Schläge mit der flachen Hand zwischen die Schulterblätter, wenn erfolglos 5 Heimlichmanvöver, wenn immer noch erfolglos 5 Schläge zwischen die Schulterblätter und 5 Heimlichmanvöver im Wechsel bis der Fremdkörper beseitigt ist. Bei einsetzender Bewusstlosigkeit sofort mit Reanimationsmaßnahmen nach BLS (Basic Life Support) beginnen, also 30 Herzdruckmassagen und 2 Atemspenden im Wechsel, vorher sichtbare Fremdkörper aus dem Mund- Rachen Raum entfernen. Paralell muss bei drohenden ersticken natürlich frühstmöglich der Rettungsdienst alarmiert werden, um keine Zeit bis zum Beginn der Maßnahmen unnötig verstreichen zu lassen, sollte der Notruf nach Möglichkeit an einen anderen Helfer delegiert werden. 

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Um solche Fragen abzuklären, empfehle ich die Teilnahme an einem Ersthelferkurs. Die werden von diversen Rettungsdiensten angeboten, DRK, Johanniter etc. Als Angestellter kann man seinen Arbeitgeber bitten, dass dieser die Kostenübernahme für den Kurs bei der Berufsgenossenschaft beantragt. Das ist recht einfach möglich, da es auch im Interesse der BG liegt, wenn in Firmen Ersthelfer unterwegs sind.

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Kommentar von Anettchen2010
27.10.2016, 15:08

Da war ich gestern erst, bei den Maltesern. Aber diese Frage fiel mir jetzt erst auf/ein, als ich nochmal bissl googeln wollte zu dem Thema.

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Da Du schreibst das ein Herz-Kreislaufstillstand festgestellt ist wird natürlich sofort die HLW durchgeführt. Deine Frage zeigt mir, das Du Dich gut mit der Materie befasst und Dir der Lehrgang wichtig war. Super!!

Bei der Atemspende wirst du bei einem verschluckten Fremdkörper einen höheren Widerstand bei der Beatmung spüren. Das deutet dann auf den Gegenstand hin. Wenn Du merkst das die Beatmung erschwert ist solltest Du 2-3 Beatmungen mit mehr Druck versuchen. Evtl rutscht der Fremdkörper dann in eine der beiden Hauptbronchien. Dadurch wird der andere frei und die Beatmung klappt wieder gut. Falls nicht musst Du aber auf jeden Fall weiter drücken. Der Sauerstoffgehalt im Blut reicht für ein paar Minuten. Allerdings wird das Blut ja nicht mehr gepumpt und somit kann das Blut nicht zu den wichtigen Zellen transportiert werden. Es gilt also jetzt den Kreislauf in Schwung zu halten. Also drücken, drücken, drücken. 

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