Herrscht in der Geschichte von Max und Moritz irgendeine Art von Gerechtigkeit?

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5 Antworten

Da in den Streichen von Max und Moritz ganz unterschiedlich gelagerte Episoden vorgeführt werden, kann man deine Frage nur bezogen auf die verschiedenen Akteure beantworten.

In Streich 1und 2 kommt es zur absolut ungerechtfertigten Bestrafung des Spitzes, dem die Schuld für das Verschwinden der gebratenen Hühner angehängt wird. Hier wird der Racheimpuls der Witwe Bolte, die zunächst den Aggressor beim Tod ihrer Hühner nicht ermitteln konnte und folglich mit ihrer Ohnmacht und Wut allein war, bei einem zweiten nachfolgenden Verlust auf das nächstmögliche irgendwie verfügbare Opfer gelenkt. Der Spitz wird zum "Omega", zum Prügelknaben, an dem man seine Wut abreagieren kann, wenn die Austragung des Konfliktes am realen Gegener vereitelt ist. Hier wird nicht belehrt, sondern nur auf die kaum zu kontrollierende Gefühlssituation des Menschen verwiesen, der bei unerträglicher Wut so von Vergeltungswünschen getrieben ist, dass er auch ein sonst sicher geliebtes Wesen als Ersatzobjekt dazu missbraucht. 

Im dritten Streich wird die Verhöhnung von Menschen vorgeführt, die ebenfalls starke Rachegelüste aktiviert. Der Schneider rennt ja los, um die Kinder zu verprügeln, womit er im Grunde eine überzogene Reaktion zeigt. Eben diese zu harte Bestrafung wird vereitelt durch den Trick der Buben, wobei wiederum der Schneider für seine kopflose Vergeltungsneigung bestraft wird. 

Im vierten Streich wird die in der Literatur sehr oft thematisierte Abneigung von Kindern mit Sonderbegabungen gegenüber stark auf Korrektheit und Pflichterfüllung pochenden Lehrern vorgeführt, indem gegenüber solchen Lehrern maßvolle Vergeltungsaktivitäten in Form von Streichen gezeigt werden.Gemessen an den vielen Demütigungen, die Kinder von Lehrern erdulden müssen, ist der Streich in Bezug auf die Frage der Angemessenheit noch recht gut nachvollziehbar. 

Der Streich mit Onkel Fritz ist eher harmlos und stellt kein Problem dar. 

Der Diebstahl beim Bäcker hat schon mehr eine Gerechtigkeitsbotschaft, wobei hier der relativ gerüngfügige Diebstahl einer Brezel im Grunde mit einer sadistischen Vernichtungsaktivität von seiten des Bäckers geahndet wird. Die Tötung durch Feuertod war zu allen Zeiten eine besonders harte Strafe, die nur bei absoluten Kapitalverbrechen zur Anwendung kam. Man kann Busch hier allerdings zugute halten, dass er die Bestrafung der Kinder durch den Bäcker mehr im Stile von Märchenerzählungen gestaltet, wo aus Anschauungsgründen ebenfalls oft viel zu drakonische Strafen gefällt werden. 

Das gleiche gilt auch für den Schlussstreich, der schließlich die endgültige physische Vernichtung der Kinder beschreibt, die ebenfalls unter keinen Umständen für Busch als realitätsangemessen gesehen wurde. Auch hier war es für ihn eine moralische Märchenerzählung mit einem erhobenen Zeigefinger. 

Nicht wirklich, das ist auch gar nicht der Sinn und Zweck der Geschichte.

Sinn und Zweck dieses Dingens besteht darin. aufzuzeigen, bist Du ein Tunichtgut, dann kommts irgendwann volle Kanne zurück und Du hast "jesusmäßig die A-Karte" gezogen.

"Gerechtigkeit" nur in sofern, "es erwischt" die Übeltäter.

Mit Gerechtigkeit hat es jedoch nichts mehr zu tun, dass die Balgen wegen einiger saudummer Scherze gleich abgeschlachtet und an die Hühner verfüttert werden, nichtmal zur Zeit der Entstehung dieser Story wäre das im damaligen Gerechtigkeitsempfinden so einfach drin gewesen.

Man arbeitete, um Kinderlein beizubiegen, sie mögen immer fein artig, pflegeleicht und abwaschbar zu sein, zudem mit dem Mittel, Kindern Angst einzujagen. In sofern stellt dieses Dingens aus heutiger Sicht nicht einmal mehr ein pädagogisch akzeptables Mittel zur Erziehung zur Verfügung, aus damaliger Sicht jedoch schon - obwohl, wenn ich mir anschaue, dass Leute heute noch ihren Kindern arlistig Märchen von der Hölle und Teufel erzählen und das dann aus einem angeblichen Glauben der Liebe heraus, könnte man so den ein oder anderen Zweifel bekommen, ob nicht vielleicht doch.... naja... ok.... anderes Thema.

Nein. Es sind Kinder, die den Erwachsenen Streiche (auch übelster Art) spielen. Sie werden vom Bäcker auf grausame Art getötet und noch im Tode verspottet, in dem sie an das Federvieh verfüttert werden. Das steht in keiner Relation zu ihren (tatsächlich strafbaren) Handlungen.

Na klar, so ein Schmonzes mußte ja kommen: Täterschutz vs. Opferschutz.

Lazy Sunday afternoon.

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@VisionDativ

Ist es wirklich Todeswürdig, dem Onkel Maikäfer ins Bett zu schmuggeln? Manche Täter muss man schon auf Grund ihrer Jugend schützen. Das ist beileibe kein "Schmonzes".

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Natürlich.

Allerdings nicht nach heutigen Maßstäben:

Strafe darf heutzutage nicht mehr sein, weil die Kindesentwicklung nachhaltig beeinträchtigt werden könnte.

Also würden in einer heutigen M&M-Adaption nicht die beiden Buben gemahlen werden, sondern der Müllermeister.

Naja, wenn du Todesstrafe durch Selbstjustiz als gerecht bezeichnest...

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