herbstgedichte

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2 Antworten

Christian Morgenstern (1871 - 1914)

Novembertag

  • Nebel hängt wie Rauch ums Haus,
  • drängt die Welt nach innen;
  • ohne Not geht niemand aus;
  • alles fällt in Sinnen.

    • Leiser wird die Hand, der Mund,
    • stiller die Gebärde.
    • Heimlich, wie auf Meeresgrund,
    • träumen Mensch und Erde.

Georg Trakl (1887-1914)

Verfall

  • Am Abend, wenn die Glocken Frieden läuten,
  • Folg ich der Vögel wundervollen Flügen,
  • Die lang geschart, gleich frommen Pilgerzügen,
  • Entschwinden in den herbstlich klaren Weiten.

    • Hinwandelnd durch den dämmervollen Garten
    • Träum ich nach ihren helleren Geschicken
    • Und fühl der Stunden Weiser kaum mehr rücken.
    • So folg ich über Wolken ihren Fahrten.
  • Da macht ein Hauch mich von Verfall erzittern

  • Die Amsel klagt in den entlaubten Zweigen.
  • Es schwankt der rote Wein an rostigen Gittern,

    • Indes wie blasser Kinder Todesreigen
    • Um dunkle Brunnenränder, die verwittern,
    • Im Wind sich fröstelnd blaue Astern neigen.

Oder du suchst dir eins aus von den vielen auf:

http://www.handmann.phantasus.de/gh_herbstgedichte.html

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Kommentar von Koschutnig
05.11.2011, 16:18

Gern geschehen! Ich freu mich ja immer, wenn ich helfen konnte!

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Rilke, Rainer Maria (1875-1926)

Herbsttag

  • Herr: Es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
  • Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren
  • und auf den Fluren laß die Winde los.
  • Befiehl den letzten Früchten reif zu sein
  • gib Ihnen noch zwei südlichere Tage
  • dräng sie zur Vollendung hin und jage
  • die letzte Süße in den schweren Wein.

    • Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr
    • wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
    • wird lesen, wachen, lange Briefe schreiben
    • und wird auf den Alleen hin und her
    • unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.
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Kommentar von Koschutnig
05.11.2011, 16:18

Korr. der RS-Fehler: lass, gib ihnen

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