Herbslieder / Gedichte?!

...komplette Frage anzeigen

2 Antworten

Herbsttag

Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.

Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,

und auf den Fluren lass die Winde los.


Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein;

gib ihnen noch zwei südlichere Tage,

dränge sie zur Vollendung hin, und jage

die letzte Süße in den schweren Wein.


Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.

Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,

wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben

und wird in den Alleen hin und her

unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.


Rainer Maria Rilke, 21.9.1902, Paris

Eins geht noch:

Der Herbst

Die Sagen, die der Erde sich entfernen,

Vom Geiste, der gewesen ist und wiederkehret,

Sie kehren zu der Menschheit sich, und vieles lernen

Wir aus der Zeit, die eilends sich verzehret.


Die Bilder der Vergangenheit sind nicht verlassen

Von der Natur, als wie die Tag' verblassen

Im hohen Sommer, kehrt der Herbst zur Erde nieder,

Der Geist der Schauer findet sich am Himmel wieder.


In kurzer Zeit hat vieles sich geendet,

Der Landmann, der am Pfluge sich gezeiget,

Er siehet, wie das Jahr sich frohem Ende neiget,

In solchen Bildern ist des Menschen Tag vollendet.


Der Erde Rund mit Felsen ausgezieret

Ist wie die Wolke nicht, die abends sich verlieret,

Es zeiget sich mit einem goldnen Tage,

Und die Vollkommenheit ist ohne Klage.


Friedrich Hölderlin

0

Was möchtest Du wissen?