Hemmt oder fördert ein Sozialstaat wie in Deutschland die volkswirtschaftliche Wohlfahrt?

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3 Antworten

Langfristig entsteht oder bleibt Wohlfahrt in einem Land dadurch, dass das Land eine hohe eigene Leistungsfähigkeit behält, denn Wohlstand muss in jedem Zyklus (Monat, Jahr, 5 Jahre) neu produziert werden. Nicht der Konsum ist maßgebend, sondern die Produktion. Was nicht produziert wird an Lebensmitteln, Verbrauchsgütern usw. kann auch nicht konsumiert oder zum Konsum verteilt werden. Das ist die Grundregel,

In Zeiten der internationalen Arbeitsteilung - auch manchmal Globalisierung genannt - wird das etwas komplizierter. Wir produzieren nicht für uns allein sondern tauschen Güter mit anderen Volkswirtschaften. Jetzt heißt die Formel:

Eigene Produktion, die in Deutschland bleibt + im Ausland gekaufter Import (bezahlt mit Produktion in Deutschland für Export) = Menge der aufteilbaren Güter.

"Aufteilbare Güter" deshalb, weil wir nicht alle Güter verbrauchen können. Wir müssen auch verbrauchte Produktionsgüter ersetzen und müssen neu investieren, um im internationalen Wettbewerb Schritt zu halten. Das heißt, Wohlfahrt bleibt nur erhalten oder wird sogar gesteigert, wenn wir in einem Maße in unsere Produktion investieren, um im wirtschaftlichen Wettbewerb mit anderen Volkswirtschaften Schritt zu halten. Das Investitionstempo und die Qualität anderer Volkswirtschaften diktiert uns teilweise das Maß, in dem wir selbst Anteile unserer "aufteilbaren Güter" investieren müssen und nicht konsumieren können.

Das Verhältnis Konsum zu Investition muss so stimmen, dass wir die Leistungsfähigkeit unserer Volkswirtschaft mindestens erhalten. Weiter gilt: Für Investitionen kann man in dem Maße Kredite aufnehmen, als Zinsen + Tilgung niedriger sind als die Leistungssteigerung, die mit der Investition erreicht wird. Das gilt nicht nur für Unternehmen, das gilt auch für den Staat. Sind Zinsen + Tilgung aller Wirtschaftsteilnehmer eines Landes (incl. Staat) höher als die erzielte Leistungssteigerung, gibt das Land Vermögen nach außen ab und im Gegenwert sinkt die Menge der "verfügbaren Güter" und damit die Wohlfahrt.

Das sind also die Grundregeln, die abgefragt werden müssen, wenn man feststellen will, ob unser Sozialstaat die Wohlfahrt in Deutschland hemmt oder fördert. Jetzt kann hier als Sozialstaat nicht Gesundheits- oder Rentensystem bedeuten, denn dafür wird ja zumindest von den Versicherten eingezahlt. Sozialstaat kann hier nur bedeuten dass von Leistungsträgern (Selbstständige und nicht selbstständige Lohn- und Gehaltsempfänger) erworbene Einkünfte abgezogen werden, die per Umverteilung an Nicht-Leistungsträger gegeben werden. Kann man dafür Regeln zur Beurteilung aufstellen?

Ein Land ohne Leistungsträger ist ein armes Land, denn es wird nichts oder nur wenig produziert, das verteilt werden könnte. Das Bestreben eines Sozialstaates sollte also sein, möglichst viele Bürger als Leistungsträger zu befähigen, ohne dass sie Angst haben müssen, bei Unglück, das jedem zustoßen kann (z.B. Unfall, Krankheit, unverschuldete Arbeitslosigkeit), in ein "Loch" zu fallen. Andererseits sollten die Hilfen nicht so sein, dass sie Leistungsbereitschaft bremsen. Dazu ist z.B. die Regel genannt worden: Jeder der etwas leistet, sollte Netto mehr haben als der, der von der Leistung anderer getragen wird.

Sinnvoll für unser Land wäre, wenn der Staat nur in dem Maße Schulden machen darf, als er in Bildung, Infrastruktur oder andere Unterstützung der Leistungsfähigkeit des Landes investiert. Reine Sozialausgaben müssen über Steuern und Abgaben finanziert werden. Dann spüren die Bürger, wieviel sie bezahlen und können signalisieren, wieviel sie abzugeben bereit sind. Diese Transparenz ist in Deutschland nicht wirklich gegeben. Vor allem werden durch Schiebereien öffentlicher Mittel wie z.B. den Länderfinanzausgleich Verhalten provoziert, die langfristig dem Land schaden. Wenn sich in einem leistungsniedrigen Land wie MCPOMM Politiker damit brüsten, wieviel Soziales sie leisten, ohne zu sagen, dass sie das nur können, weil sie Leistung aus anderen Ländern abziehen ohne die Leistungsfähigkeit des eigenen zu steigern, dann ist das in Wirklichkeit Wohlfahrtsvernichtung.

Verteilungsvorschläge aller Art generieren keine Wohlfahrt, wenn sie die Leistungsfähigkeit eines Landes schwächen. Wohlfahrt und Leistungsfähigkeit eines Landes sind nur zwei Seiten einer Medaille.

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Hei cdesti, fördert. Denn: Wenn die Reichen, die Unternehmer, die Geld-Haber ordentlich Steuern zahlen, kann sich der Sozialstaat soziale Aufgaben leisten, deren Kosten letztlich in die Staatskasse zurückfließen. Denn auch kleine Leute geben Geld aus und zahlen dafür Steuern, Reiche dagegen scheffelten ihr Geld und transferierten es ins Ausland, ohne dafür Steuern zu bezahlen. Nehmen wir 1 000 Euro, die der Geld-Haber an Steuern bezahlen muß und die in die Kasse eines Armen fließen: Der Arme gibt dies Geld komplett aus und hat dafür +/- 21 Prozent Steuern gelatzt, plus Alkoholsteuer, plus Tabaksteuer, plus Benzinsteuer, plus, plus plus... Der Tausender des Reicher aber schlummerte irgendwo nutzlos auf einem geheimen Konto.

Grüße!

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DER sozialstaat in D fördert die volkswirtschaftliche wohlfahrt über ALLE massen d.h.es wird laufend geld ausgegeben,was über kredite(bundesanleihen)beschafft werden muss.

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