Helikopter Mutter

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4 Antworten

Vielleicht hilft es dir, dir klarzumachen, dass du niemals verhindern kannst, dass deinem Kind etwas passiert. Menschen, die ein Problem damit haben, Kontrolle aufzugeben, leben meist in der Illusion, dass diese Kontrolle sie vor schlimmen Dingen bewahren könnte. Das tut sie nicht, denn sie wird niemals lückenlos sein können.

Er solle bitte nur da bleiben(draußen) wo ich ihn sehe....(wir wohnen in einem Hochhaus in 1 Stock

Das halte ich bei einem Fünfjährigen für absolut gerechtfertigt. Möglicherweise musst du ja nur einen Weg finden, die Situationen, in denen Loslassen gefragt ist, von denen zu unterscheiden, wo du beschützen musst?

Es könnte helfen, dir jeweils deine konkrete Angst bewusst zu machen, also etwa "Angst vor Entführung", "Angst vor Verkehrsunfall" oder "Angst vor Verletzung". Gerade die oft schlimmste Angst, die vor Entführung, braucht Realitätsbezug. Tatsächlich werden nur sehr wenige Kinder entführt. Die Wahrscheinlichkeit, dass es das eigene Kind erwischt, ist äußerst gering.

Verhindern könnte sie nur eine lückenlose Überwachung des Kindes - und die wird es niemals geben. Bleibt die Überlegung, was man tun kann. Dem Kind sagen, es soll nicht mit Fremden gehen, beruhigt das eigene Gewissen, ist aber ziemlich wirkungslos. Wer ein Kind haben will, kriegt es auch, denn er kann so viel Druck auf das Kind ausüben, dass es nicht widerstehen kann. Es bringt also nichts, dem Kind hier Angst zu machen. Man schützt es damit nicht, sondern sorgt nur für Unsicherheit - und unsichere Kinder sind immer stärker gefährdet.

Stattdessen kann man dafür sorgen, dass das Kind eine Vielzahl von vertrauten Personen hat, an die es sich wenden kann, wenn es Probleme gibt. Auf dem Dorf ist das meist ganz gut zu bewerkstelligen. Je vielfältiger die eigenen sozialen Kontakte, desto besser bekannt ist das Kind - und desto "beschützter".

Sicherheit im Straßenverkehr kann man trainieren. Dabei kann man sich z.B. vom Kind führen lassen. Auch hier wirst du aber niemals verhindern können, dass dein Kind zur falschen Zeit am falschen Ort ist und z.B. von einem alkoholisierten Raser überfahren wird. 

Meine vier Kinder haben die unglaublichsten Dinge gemacht, ohne sich ein Haar zu krümmen. Trotzdem sind manche davon schief gegangen und es gab kleine, aber auch große Verletzungen. Die gab es jedoch auch in ganz banalen und unerwarteten Situationen. Hätte ich eine davon verhindern können? Kaum. Obwohl ich mich das natürlich auch immer wieder mal gefragt habe. 

Davor ist man nie gefeit. Wenn etwas passiert, hinterfragt man alles und macht sich manchmal auch Vorwürfe. Das ist etwas, womit wir Eltern leben und zurechtkommen müssen. Die Alternative, unsere Kinder unter einer Glasglocke aufziehen zu wollen, ist nicht wirklich eine. 

Und so haben wir Platzwunden nähen, Knochenbrüche operieren und Gehirnerschütterungen behandeln lassen müssen. Wir haben gefühlte Hunderte von Pflastern auf Wunden geklebt und Kilometer von Verbänden um Körperteile gewickelt. Wir haben Zecken und Holzsplitter entfernt, Bisswunden desinfiziert und Umschläge aus essigsauerer Tonerde um gezerrte Gelenke gelegt. Und so manche Narbe blieb, auf die die Kinder im Nachhinein stolz waren.

Unsere Älteste überstand Experimente, wie Zielspringen im Heu zwischen nach oben gerichteten Heugabeln, einen Reitversuch auf dem Stier des Nachbarn oder einen Sturz aus einem 10-Meter-Baum unversehrt. Verloren hätten wir sie fast, als sie beim Paella-Essen in Spanien urplötzlich hochallergisch auf eine einzige Muschel reagierte.

Heißt: Behalte deinen behütenden Blick, er gehört zu dir als Mama. Übe nach und nach, im passenden Moment die Hände bei dir und den Mund zuzuhalten. Dann wird das schon :).



Der erste Schritt zur Besserung ist ja getan.

Ein zweiter Schritt das Kind loszulassen, wäre ein Internat, wenn es soweit ist und genügend Kohle vorhanden ist.

Auf dem Land gibt es in der Regel besseren Kontakt mit den Miteltern. Da kann man sich einiges abschauen und in kleinen Schritten mal ausprobieren.

Und wenn er diese kleinen Gefahren besteht und du sie aushältst, kannst du "kühner" werden.

Ich hatte auch eine so treusorgende Mutter.

Einer der Erfolge war, dass sie mich vor vermeintlichen Gefahren zu bewahren trachtete, aber nicht oder ohnmächtig bemerkte, wie ich in den Alkoholismus (ich habe bis zu meiner Berufstätigkeit bei meinen Eltern gewohnt) abglitt.

Also: die Gefahren lauern nicht dort, wo du sie vermutest.

Hinschauen, ernst nehmen und nicht überwachen und beschützen ist angezeigt.

Nicht ganz einfach.

Mit 5 ist es noch gerechtfertigt, dass du dich so verhälst. Immerhin hast du eine Aufsichtspflicht und bist voll haftbar für jeden Blödsinn den dein Sohn macht. Wenn er dann aber 7/8 Jahre alt ist, solltest du ihm aber mehr Freiheiten geben. Es wäre aber wirklich unverantwortlich sein 5 Jahre altes Kind alleine rumlaufen zu lassen. Du verhälst dich also richtig!

Evtl. Mal mit nem Psychologen reden...es ist ja gut das du dich um dein Kind sorgst aber ist das zu viel des Guten, du tust ihn da keinen Gefallen für sein späteres Leben ...Versuch dich einfach mal zu entspannen....Grüße

jannis0606 27.04.2015, 08:22

Das ist es, was ich in griff haben möchte. Ich will es ja eigentlich gar nicht, tu es aber trotzdem, weil ich angst habe ihn zu verlieren:-( 

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