Heldenepik des Spätmittelalters?

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Die Heldenepik ist aber eher typisch für das Früh- und Hochmittelalter.

Im Spätmittelalter wurden etwa Mären, Legenden, Lehrgedichte oder Fastnachtsspiele geschrieben. Ältere Stoffe wurden teilweise in Prosaromanen neu verwurstet, diese haben aber formal und rhetorisch nicht mehr viel mit ihren Vorlagen gemein. Zudem beißt sich auch 'mittelhochdeutsch' mit 'Spätmittelalter' - ab ca. 1350 spricht man nämlich vom Frühneuhochdeutschen.

Heldendichtung ist für das Spätmittelalter allenfalls insofern relevant, als dass man etwa in sogenannten Heldenbüchern die älteren überlieferten Heldenepen gesammelt hat. Eines der bekanntesten Beispiele ist das Ambraser Heldenbuch, das von Kaiser Maximilian I. in Auftrag gegeben wurde (und neben Heldenepen auch Höfische Dichtung enthält).

Wenn's um Mittelhochdeutsch geht, dann ist für dich also viemehr das Hochmittelalter relevant. Als mittelhochdeutsche, heldenepische Dichtungen kämen da z.B. Ortnit und Wolfdietrich in Frage, ebenso das Nibelungenlied oder Texte der Dietrichepik wie etwa Dietrichs Flucht oder die Rabenschlacht.

Als handliches Überblickswerk über die mittelalterliche und frühneuzeitliche deutsche Literatur ist zu empfehlen:

Brunner, Horst. Geschichte der deutschen Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, Reclam, 2013.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Studium Germanistik

Ich gebe Dir für Dein Vorhaben einen Tipp, der mir geholfen hat, 1960 bei meiner Germanistik-Zwischenprüfung (entspricht in etwa dem heutigen Bachelor), einen mittelalterlichen Epik-Text (ich glaube er war aus der "Kudrun") zügig zu übersetzen.

Lies ihn Dir unter Beachtung einiger Ausspracheregeln (dass z.B. ein "h" oft als Rachen-"ch" ausgesprochen wird) laut vor. Und plötzlich verstehst Du ihn.

Ich mach das heute noch so mit holländischen Texten. Leise gelesen bleiben sie unverständlich, lautgelesen – no problem.

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