Heinrich und Thomas Mann Streit?

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Es gab gleich zwei grosse Probleme zwischen den Bruedern. Das erste Politik. Heinrich war ein deklarierter Linker, der von Anfang an gegen die Nationalsozialisten war, während Thomas am Anfang versuchte, mit den Nazis klar zu kommen und schliesslich von seine Kinder - vorallem Erika und Klaus - fast "gezwungen" wurde, in die Emigration zu gehen.

Das zweite Problem war die Lebensfuehrung. Thomas war laut eigener Aussage ein "notorischer Villenbesitzer" und er verkehrte besonders gerne mit reichen (und moeglichst auch kultivierten) Leuten - so zum Beispiel sein Schwiegereltern: Katia Mann war als Katia Pringsheim geboren worden, Tochter eines schwerreichen Mathematik-Professors und einer bekannten Schauspielerin. Die Pringsheim hatten ein herrliches Haus in Muenchen, das mit erlesenen Kunstwerken eingerichtet war und sie gehoerten eindeutig zu den "oberen Tausend" in Sueddeutschland.
Heinrich Mann mochte Schickeria nicht. Er verkehrte in nicht sehr wohl beleumdete Nachtlokale und er heiratete schliesslich eine Frau, die Thomas und seine Frau absolut unmoeglich fanden. Nelly Mann war unehelich geboren - was damals als ein Makel gesehen wurde - und war Animierdame in ein nicht eben vornehmer Club gewesen. Dazu war sie eine sehr "ueppige" Dame - was Heinrich sehr mochte, Thomas mit sein Neigung zu Knaben aber eher abstossend fand - und sehr viel juenger als Heinrich. In der Emigration fing sie dann an zu trinken und trieb sich auch mit juengere Maenner herum. Thomas und Katia waren empoert und Heinrich nahm die Einmischung uebel.

Dau spielte wohl auch berufliche Rivalitaet eine Rolle. Thomas war der erfolgreichere und liess Heinrich das spueren. Und wahrend Heinrich im Exil sehr arm war, ging es Thomas - auch dank des Vermoegens seiner Frau - immer noch recht gut.

Die beiden hatten in dem angeblich so grossbürgerlichen Haus in der Lübecker Beckergrube zusammen nur ein gemeinsames Zimmerchen. Da war Streit wohl schon mal vorprogrammiert. Offenbar gab es auch Streit um eine Geige, die wohl Heinrich gehörte. Es wird berichtet, die haben damals ein Jahr lang nicht miteinander gesprochen.

Bei waren eher ziemlich schlechte Schüler und der Heinrich wollte immer schon Schriftsteller werden. Der Thomas hatte damals wohl auch Probleme mit seinem eher südländischen Aussehen, dass er als einziger in der Familie von seiner Mutter geerbt hatte (seine Grossmutter war eine Brasilianerin).

Vermutlich nahm sich Thomas seinen Bruder als Vorbild und wollte dann auch Schriftsteller werden, vor allem nach ersten kleinen Erfolgen. Sein erster Roman ist denn auch so eine Art wertkonservativer bourgeoiser Familientratsch, natürlich alles fein maskiert. Nur seine engere Familie (Mutter, Bruder Schwestern) hat er da ganz rausgehalten.

Heinrich war aber im Gegensatz zu Thomas eher sozialistisch orientiert. Dann begann Thomas auch noch massiv die Werke seines Bruder öffentlich zu zerreissen, was diesem wohl nicht gefallen konnte. In den zwanzigern war Heinrich eher der erfolgreichere. Thomas hingegen wollte unbedingt sowas wie ein neuer deutsche Goethe werden, indem er sich streng an diesem orientierte und auch einen extrem hochgestellsten Stil für das Bildungsbürgertum entwickelte.

Bis heute werden auch die verwerflichsten Dinge des Mannes (z.B. die fragwürdige Behandlung seiner eigenen Kinder) sehr wohlwollend von den Kritikern betrachtet und der Bundespräsident persönlich hat sich sogar dafür eingesetzt, dass Deutschland Mann's ehemalige Hütte in Kalifonrnien für so einige Millionen erworben hat, den sonst wäre dieses "Heiligtum" wohl von den Amerikanern einfach platt gemacht worden.

Das muss an den völig entgegengesetzten Charakteren der beiden gelegen haben, zudem an unzweifelhafter Rivalität. Wozu führt es wenn zwei Brüder dasselbe tun?

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