Hedonistische Kalkül?

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Der Ausdruck kann gut aus seinen zwei Bestandteilen verstanden werden.

Hedonismus bezeichnet in einer weiten Bedeutung jede Lehre und innere Einstellung, die Lust (altgriechisch ἡδονή [hedone]) als höchstes Ziel betrachtet. „Hedonistisch“ ist das Adjektiv zu „Hedonismus“.

Ein Kalkül (französisch calcul = Rechnung, zurückgehend auf das lateinische Substantiv calculus =Spielstein(chen), Brettstein, Rechnung, Berechnung und das lateinische Verb calculare = berechnen, zusammenrechnen) ist eine Berechnung oder anders ausgedrückt eine abwägende, zusammenrechnende Überlegung.

Ein hedonistisches Kalkül ist also eine auf Lust ausgerichtete/zielende/auf Lust bezogene Berechnung.

In einer Überlegung wird insgesamt zusammengerechnet/abgewogen, was von einer Handlung an Lustmenge zu erwarten ist (Lustempfindungen werden dabei hinzugefügt; Empfindungen der Unlust/des Schmerzes/des Leides abgezogen). Die Handlung, die im Vergleich mehrerer Handlungsmöglichkeiten (Alternativen) zu der insgesamt höchsten Lustmenge führt, ist die richtige.

Das hedonistische Kalkül kommt oft im Zusammenhang mit dem Utilitarismus (vertritt in der Ethik eine Nützlichkeitslehre) vor. Jeremy Bentham („An Introduction to the Principles of Morals and Legislation”) hat zu einem solchen Kalkül Angaben gemacht, wobei ihm nicht wichtig ist, ob das, dessen zu erwartende Menge berechnet wird, Lust, Glück, Freude. Befriedigung oder ähnlich genannt wird.

Grundsätze des „klassischen“ Utilitarismus (der Standpunkt, beispielsweise den Jeremy Bentham und John Stuart Mill vertreten haben) sind:

1) Konsequentialismus: Beurteilung, was in ethischer Hinsicht gut ist, hängt von den Folgen einer Handlung ab.

2) Nützlichkeitsprinzip

3) Hedonismus (der Nutzen wird als Glück bestimmt und dieses als Lust bzw. Freude, Annehmlichkeit, Gefälliges oder Ähnliches)

4) Universalität: Alle sind zu berücksichtigen, das größtmögliche Glück der größtmöglichen Zahl ist anzustreben.

Jeremy Bentham nimmt als Ausgangspunkt: Menschen streben Glück/Lust/Befriedigung an und möchten Unangenehmes/Schmerz vermeiden. Die Menschen sind grundsätzlich gleichberechtigt („Jeder zählt für einen und keiner mehr als für einen."). Die grundlegende Orientierung und das Motiv ist für die einzelnen Individuen die eigene Lustbefriedigung. Auch die Interessen anderer Menschen werden berücksichtigt (Wohlwollen und eine Art Sozialprinzip), aufgrund der Vernunft (wohlverstandenes Eigeninteresse) und gegebenenfalls durch Sanktionen (Strafen bei Nichtbeachtung) nahegelegt.

Die Größe einer Lustbefriedigung wird im hedonistischen Kalkül aufgrund bestimmter Kriterien(Maßstäbe)/relevanter Faktoren (wichtige einwirkende Bestandteile/Umstände, die maßgeblich/von Belang sind) berechnet. Bei der Anwendung dieses ethischen Maßstabes wägt ein einzelner Mensch klug die Vorteile und Nachteile von Handlungsalternativen ab und wählt diejenige, die bei der Berechnung in der Gesamtsumme am besten abschneidet. Die Handlungsalternative mit dem höchsten Wert ist die richtige.

Bentham verwendet quantitative (bzw. nach seiner Meinung quantifizierbare) Gesichtspunkte:

1) Intensität (intensity)

2) Dauer (duration)

3) Gewissheit/ Ungewissheit (certainty/incertainty), also Wahrscheinlichkeit des Eintretens der Folge

4) (zeitliche) Nähe/Ferne (propinquity/remoteness)

Nach diesen Merkmalen wird der Wert einer Freude bestimmt. Außerdem werden weitere Umstände herangezogen.

5) Fruchtbarkeit/Erfolgsträchtigkeit (fecundity): Zieht eine Freude weitere Befriedigungen nach sich?

6) Reinheit (purity): Wird die Freude durch einen damit verbundenen Schmerz getrübt?

7) Ausmaß/Verbreitung/Wirkungsradius (extent): Anzahl der Betroffenen

Du strebst nach lust und möchtest viel....aber du planst alles genau dabei durch...folgen und so .......

Das ist wohl so eine Art Primitiv-Epikureismus, also die Auffassung, daß es nur um Lust-Maximierung geht. Das setzt allerdings voraus, daß man keine höhere Idee von sich selbst und der Welt hat und einen die sog. Lust nicht so schnell anödet.

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