Hauptversammlungs Beschlüsse - anwesendes Kapital

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2 Antworten

Hallo,

Normalerweise muss der Aktionär auf der Hauptversammlung anwesend sein, oder sein Stimmrecht an einen Bevollmächtigten Anwesenden übertragen.

Aber die Entwicklung macht nicht halt wie ich in nachfolgenden Zeitungsartikel (FAZ.Net) gelesen habe:

Für Aktionäre ufert die Hauptversammlungssaison regelmäßig zu einem Papierkrieg aus. Einladungen und Unterlagen für die Aktionärstreffen der 30 Dax-Unternehmen füllen leicht mehrere Aktenordner. In Zukunft könnten sich die Verfahren vor allem für Privatanleger vereinfachen. Das Internet wird die gelebte Aktionärsdemokratie leichter machen - so lautet das Versprechen einiger Aktiengesellschaften. Sie sind bei der Verwirklichung der "virtuellen Hauptversammlung" einen großen Schritt vorangekommen.

Daimler-Chrysler ist einer der Vorreiter in Deutschland. Das Unternehmen will im kommenden Jahr - ähnlich wie die Allianz - interessierten Aktionären einen neuen Dienst anbieten. Sie können dann den gesamten Schriftverkehr rund um die Hauptversammlung per elektronischer Post abwickeln. Tagesordnung, Erläuterungen und andere wichtige Unterlagen werden diese Anteilseigner dann ausschließlich auf der Internetseite der Gesellschaft abrufen. Sie bleiben von lästigen Papierstapeln gänzlich verschont.

14.500 Stimmabgaben per Mausklick

Auch auf der jüngsten Hauptversammlung des Stuttgarter Automobilherstellers spielte das Internet eine unauffällige, aber wichtige Rolle. Während auf der Hauptversammlung in Berlin rund 9000 Aktionäre anwesend waren, um ihr Stimmrecht wahrzunehmen, hatten 14.500 Anteilseigner ihre Stimmen schon per Mausklick am heimischen Computer abgegeben. Das war eine Steigerung um rund ein Viertel gegenüber dem Vorjahr. Noch größer ist der Zuwachs bei dem auf diesem Weg vertretenen Kapital. Es wurden für 22,7 Millionen Aktien Stimmen abgeben. Das waren gut 2 Prozent aller Stimmrechte.

Ähnlich groß ist die Beteiligung auch bei der Deutschen Telekom, Siemens, Münchener Rück und der Allianz. Die Teilnahme per Internet nimmt zu, während seit Jahren die physische Präsenz auf den Hauptversammlungen rückläufig ist. Für das Aktionärstreffen am kommenden Dienstag erwartet die Allianz, daß rund 6000 Aktionäre ihre Stimme über das Internet abgeben werden, wodurch bis zu 7,5 Prozent des präsenten Kapitals vertreten sein werden.

Sofern sich die Anleger zuvor für die Internetabstimmung angemeldet und ihre Weisungen erteilt haben, können sie noch bis zum Ende der Generaldebatte reagieren. Wenn ihnen die Rede des Vorstands gegen den Strich geht, können sie ihre Weisung im letzten Moment noch ändern und zum Beispiel den Vorschlag des Vorstands für die Dividende ablehnen. Die Möglichkeit der späten Stimmänderung per Internet bieten auch Münchener Rück und Deutsche Telekom. Bei Siemens und Daimler-Chrysler endet die Frist mit dem Beginn der Hauptversammlung.

Nicht jede AG zieht mit

Allerdings nutzen nicht alle großen deutschen Aktiengesellschaften die Vorteile des Internets im gleichen Maße. Vor allem Gesellschaften, die Inhaberaktien ausgegeben haben, hinken hinterher. Sie verfügen - anders als Unternehmen mit Namensaktien - über kein Aktienbuch und wissen deshalb nicht, wer ihre Anteilseigner sind. Das erschwert Organisation und Abwicklung der elektronischen Abstimmung, was einer der Gründe dafür sein dürfte, daß etwa Bayer und Eon die Massenabstimmung übers Internet nicht anbieten.

Die Last-Minute-Abstimmung wird allerdings nur in den seltensten Fällen wirklich genutzt, berichtet Thomas Licharz, Geschäftsführer bei Registrar Services, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Bank, die Dienstleistungen rund um Hauptversammlungen anbietet. So hätten bei den Hauptversammlungen von Daimler-Chrysler und Celanese zwar tausende Aktionäre online abgestimmt, aber nur eine Handvoll habe die Weisungen noch während der Hauptversammlung geändert. Dennoch sei allein die Möglichkeit, Weisungen noch im letzten Moment zu ändern, ein wichtiger Schritt für die Aktionärs-Demokratie, glaubt Licharz. Er rechnet zwar nicht damit, daß institutionelle Investoren schon bald auf den Besuch der Hauptversammlungen verzichten werden, um stattdessen per Mausklick abzustimmen. In vielen Fällen sei die Umstellung der internen Geschäftsabläufe zu kompliziert. Deshalb sei in den kommenden Jahren auch nicht damit zu rechnen, daß über das Internet, die Präsenz bei den Abstimmungen gesteigert werden kann.

Aber die Verbesserung der Technik und die Möglichkeit, noch während der Hauptversammlung abzustimmen, dürften das Interesse der Kleinanleger weiter steigern. Dies gilt umso mehr, weil sich viele Depotbanken inzwischen weigern, die Stimmrechtsvertretung wahrzunehmen. Privatanleger, die auch weiterhin ihr wichtigstes Recht als Aktionäre ausüben wollen, müssen dies wohl selbst in die Hand nehmen. Das Internet kann dabei hilfreich sein.

Es dürfen auch solche abstimmen, die von Abwesenden bevollmächtigt wurden.

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