Hatten die römischen Kaiser um 200 n. Chr. einen Götterstatus?

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Das ist eine Frage, die man zwar einfach beantworten kann, aber die den Kern dann leider nicht ganz trifft. Zählten sie 200 n. zu den Göttern: Nein, wenn lebendig - höchstwahrscheinlich ja, wenn tot (Caesat, Augustus, Tiberius, Claudius, Vespasian, Titus, Nerva, Traian, Hadrian, Antoninus Pius, Mark Aurel ja - der Rest (Caligula, Nero, Domitian) eher nicht).

Wurden sie angebetet: wenn Gott dann ja, wenn lebendig: indirekt. Ein lebendiger Kaiser wurde nicht direkt angebetet, sondern man opferte für den Genius des Kaisers (Genius Augusti).

Will man genauer auf diese Frage eingehen, muss man sich vor Augen halten, was für die Römer ein Gott war. Die heutige Göttervorstellung der abrahamitischen Religionen zeichnen ein ganz anderes Bild von "Gott". Für die Römer waren Götter abstrakte Kräfte, die durch Personen dargestellt wurden. Auch ein Fluss, eine Höhle, der Wind, ein Gebirge usw. konnte durch einen Gott oder ein gottähnliches Wesen charakterisiert sein. Auch die "großen Götter" waren anders gedacht. Für die Römer gab es eine Vielzahl von Göttern und sie hatten kein Problem damit, neue Götter als solche anzuerkennen - doch sie sahen die Götter nicht als omnipräsent an. Sie opferten den Göttern, von denen sie glaubten, dass sie an den Orten, an denen es für sie wichtig war, Macht besaßen. So hatten die Römer kein Problem damit, einen Gott irgendwo in Babylon anzuerkennen, wenn er dort verehrt wurde - doch der Gott hatte eben nur dort Macht und daher konnte er den Römern in Italien egal sein.

Dieses Bild der Götter trieb logische, für uns kuriose Blüten. So sollten die Römer, um den punischen Krieg zu gewinnen, die Göttermutter Kybele (Magna Mater bei den Römer) aus Kleinasien zu sich holen. Wie taten sie das? Sie fuhren mit einem Schiff dorthin, verhandelten mit den Kelten, die dort wohnten und holten einen schwarzen Stein (angeblich einen Meteoriten) per Schiff nach Rom. Der Stein stand für die Göttin und wurde erst auf der Tiberinsel deponiert. Später bauten die einen Tempel auf dem Palatin und verfrachteten den Stein dorthin. Damit wohnte die Göttin ab jetzt in Rom und musste verehrt werden. Auch bei Eroberungen oder Vernichtungen von Städten versuchten die Römer die Götter durch "Bestechungen" zu locken.

Für die Römer waren Götter also abstrakte Kräfte. Die Kaiser wiederum waren zwar reale Personen - doch unterschieden sie sich von ihrer Wirkungsmächtigkeit stark von normalen Menschen. Kaiser konnten zum Tode verurteilte begnadigen, Feinde vernichten, Berge versetzen (z.B. der Quirinial zum Bau des Trajansforums), riesige Bauten errichten, Schulden streichen, bei Hungersnot hunderte von Tonnen Getreide beschaffen - für die Römer (den einfachenRöbel) waren die Kaiser von beinahe göttlicher Macht. Was lag da näher, als Gebete an sie zu richten oder ihnen zu opfern?

Als Literaturempfehlung dazu: Manfred Clauss, Kaiser und Gott, 1999.

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meines wissens bekamen die meisten kaiser erst nach ihrem tod einen götterstatus.... es gab einige kaiser, die sich auch zu lebzeiten als gott verehren ließen, darunter glaub ich zum beispiel traian.... weiß aber nicht, ob der um 200 v. chr. war... :O :P

Danke schön, ich war mir nämlich auch recht sicher, aber durch komische Umschreibungen im Internet eben nicht mehr zu 100%.

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