Hatte die Inflation 1923 irgendwelche Vorteile für die Arme oder reiche gebracht?

...komplette Frage anzeigen

4 Antworten

Moin,

wirtschaftlich gesehen hat diese Hyperinflation den gesamte Markt in den Chaos gestürzt. Praktische Vorteile hatten erst einmal, wie bereits erklärt, Schuldner, da deren Schulden ihren Wert verloren. Gegenteilig waren diejenigen mit Ersparnissen und Gläubiger natürlich die Verlierer.

In der folgenden Krise war natürlich der im Vorteil, der materiellen Besitz hatte. Die Landbevölkerung mit Grundbesitz und Nahrungsmittelerzeugung kam deswegen wesentlich besser durch, als die Städter, welche aufgrund der stärkeren Abhängigkeit vom Finanzkreislauf massenhaft verarmten.

Der eigentliche "Gewinner" war der Staat, der seinen Haushalt nicht mehr stemmen konnte und zwangsweise die Druckerpressen anwarf. Die folgende Krise war jedoch vorprogrammiert und riss mittelfristig das ganze System mit, wirklichen marktwirtschaftlichen Vorteil zog aus dieser kaum jemand.

Allerdings kann man immer davon ausgehen, dass die wirtschaftliche und gesellschaftliche Elite Finanzkrisen besser wegsteckt, als man es erwarten dürfte, bei all den Verlusten für Unternehmen und Vermögensentwertung. Geldanlagen im Ausland, Beziehungen und Kapitalbesitz überstehen manches.

mfg Nauticus

Klar hatte es Vorteile für Hochverschuldete: Den Gläubiger konnte man mit wertlosen Papier, also Geldscheine abspeisen.

Aber nach dem 1. WK, den Unruhen in den ersten Jahren der Weimarer Republik und der allgemeinen Armut war das nun wirklich kein großer Vorteil.

wie meinen sie das ,dass man den Gläubigern wertloses Papier abspeisen konnte?

Also kann man zusammenfassen,dass es denen,die eh schon Arm war schlechter ging..

aber Bauern hatten ja einen riesen Vorteil,da er seine Sachen teuer verkaufen konnte und er seinen Essenvorrat hatte oder?:)

0
@Fettesweibxd

also Hochverschuldete hatten z.B einen Schuldenbetrak von 30.000 Mark, Das war unheimlich viel Geld. Durch die Hyperinflation jedoch sank der wert ziemlich schnell und am nächsten tag konnte man sich für 30.000 Mark noch ein Brötchen kaufen. Da konnten die schuldner natürlich alles schnell zurückzahlen und waren raus aus der Schuldenfalle. Vorteile hatte es noch für die bauern. Viele die viel besessen haben z.B Bilder/Gold/Silber haben es gegen Nahrung bei den Bauern eingetauscht. So kamen diese in Besitz vieler Wertvoller Dinge. Besonders Schlimm war es für Leute die viel Geld gespaart hatten. Das GEld war über NAcht nichts mehr Wert und sie hatten meist alles Verloren.

1

Ich bin Jahrgang 1924 und ein Jahr nach der Inflation geboren. Habe die Inflation also nicht erlebt, sondern kenne die Situation nur aus den Erzählungen meiner Eltern und Großeltern.

Vorteile hatten diejenigen, die materille Werte wie Häuser und Grundstücke hatten. Dazu einige Beispiele. Meine Eltern haben in der Zeit geheiratet. Meine Mutter erzählte mir von dem Herd in der Wohnküche. Sie war in einer Näherei beschäftigt. Der Chef kam am Wochenende mit einer Aktentasche voller Geld und legte jeder Näherin ein Bündel auf den Tisch. Damit ist meine Mutter gerannt, um einen Herd anzuzahlen. Für den Kohlenwagen unter dem Herd reichte es nicht. Den hat sie in einer der nächsten Wochen gekauft. Er hat Billion gekostet.

Der Bruder meines Großvaters erbte als ältester 2 große Häuser und hätte nach preußischem Erbrecht seine Geschwister auszahlen müssen. Dazu hatte er kein Geld. Er verkaufte die Häuser. Das Geld hatte im Handumdrehen keinen Wert mehr. Der Wert der Häuser war aber geblieben.

Vielleicht kannst du dir daraus ein Bild über die damalige Zeit machen.

Es ist echt toll, wenn man von eigenen Berichten hört! :-) Vielen dank!

0

So eine Situation killt immer die Mittelklasse und ist damit sehr gefählich für die Gesellschaft, denn die Mittelklasse stabilisiert alles.

Die Reichen haben genug echte Werte wie Fabriken, Immobilien usw. Auch wenn sie Verluste haben so überdauern sie die Zeit relativ locker und fahren sobald es wieder besser ist noch grössere Gewinne ein.

Die Armen haben nichts zu verlieren.

Der Mittelstand hat Ersparnisse, die dann furtsch sind, es sind auch oft Angestellte, die dann die Jobs los sind. Wie gesagt,sie sind die grössten VErlierer. Und so eine Krise führt zu "Lumpenisierung" der Gesellschaft. Hinterher gibt es nur verhungernde Arme, die jedem nachlaufen, der Brot verspricht und Reiche haben immer noch die Zügel in der Hand.

Was möchtest Du wissen?