Hatte adolf hitler nur juden vergasen lassen. Habe gehört das auch polnische und auch schwarze vergast wurden?

9 Antworten

Die Nazis haben sowohl politische Gegner als auch "unwertes Leben" töten lassen. Dazu zählten nicht nur Juden, sondern auch viele Andere

  • Politische Gegner (Sozialdemokraten, Kommunisten)
  • Personen mit neurologischen Erkrankungen (etwa Epilepsie)
  • Personen mit psychischen Erkrankungen
  • Personen mit körperlichen Behinderungen
  • "Minderwertige" Volksgruppen und Nationalitäten (Sinti und Roma, Slawen)
  • Religiöse Überzeugungen (zB Zeugen Jehovas)
  • Wohnunglose, Landstreicher
  • Mitglieder der Wandervögel
  • Okkultisten
  • Homosexuelle

Kurz: Alle Personen die nicht in das Bild der arischen Superrasse passten und politisch oder religiös zu sehr abwichen, wurden getötet

Mitglieder der Wandervögel 

Das ist sehr verallgemeinernd. 

Die Wandervögel waren ein kleine und eine von vielen bündischen Jugendgruppen. Die größte war der Großdeutsche Bund mit knapp 50.000 Mitgliedern. 

Denen allen warb man Mitglieder und Betreuer für die HJ ab und verbot dann alle bündischen Gruppen. 

Wer weiterhin versuchte eine bündische Gruppe aktiv zu halten, verstieß gegen das Gesetz. Das endete in der Regel mit Gefängnisstrafe wie z.B. bei Gertrud Koch. 

Niemand kam ins KZ nur weil er Mitglied der Wandervögel oder einer anderen bündischen Gruppierung gewesen ist.

Ins KZ kamen die (ehemaligen) bündischen Mitglieder, die als kommunistisch oder homosexuell bekannt waren oder denen das zumindest überzeugend nachgesagt wurde. Das traf aber auch auf Leute zu, die nicht bündisch aktiv gewesen waren.  Bei Bündischen glaubte man es vielleicht schneller, trotzdem brauchte es jemanden aus dessen Umfeld, der so eine Aussage erst einmal machte. 

Ich wüsste nur einen Wandervogel namentlich, der ins KZ kam und das ist Robert Oelbermann. Verhaftet aufgrund von Anschuldigungen bezüglich angeblichen, homosexuellen Handlungen. 

Ich gehe davon aus, dass es ein paar mehr traf, denn dass mindestens ein Teil der Wandervogelführung die Jugendgruppe  total zweckentfremdete, war schon seit mindestens 1908 öffentlich bekannt. Die waren sogar so schamlos ein Buch "Die Wandervogelbewegung als erotisches Phänomen" zu veröffentlichen. 

Die einfachen, ehemaligen Mitglieder und  Opfer von sexuellen Übergriffen liefen dagegen keine besondere Gefahr im KZ zu landen. 

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@Fraganti

Ich hatte in diesem Fall "Wandervögel" als umgangssprachlichen Sammelbegriff für die bündischen Jugendgruppen genutzt, da ich davon ausging, das mit dem oberbegriff der bündischen Jugend nur die Wenigsten etwas anfangen können.

Habe nicht damit gerechnet, hier jemanden zu finden, der diesbezüglich belesen ist, sehr erfreulich.

Ich bin nämlich der Ansicht dass die bündische Jugend in der allgemeinen Darstellung der NS-Zeit zu kurz kommt.

Wir sind uns - bei aller Verallgemeinerung - vermutlich darüber einig, das auch Mitglieder diese Bewegungen Ziel von Verfolgung durch das damalige Regime waren, wenn sie zu freiheitlich auftraten.

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@Enzylexikon

Zumal der Wandervogel die Individualität förderte, während die Hitlerjugend ja die absolute Gleichschaltung anstrebte - ideologisch abweichender konnte man ja kaum sein.

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@Enzylexikon

Ehemalige Mitglieder wurden verfolgt, wenn sie sich die Freiheit herausnahmen ihren Verein trotz des Verbots fortzuführen und wie gesagt endete das im Gefängnis, wenn nicht noch etwas anderes hinzukam. 

Ob eine bündische Gruppe die Individualität der Mitglieder förderte, oder nur von einer "kollektiven Individualität" schwärmte, kam sehr auf die einzelne Gruppe an. Es gab auch mehrere, verschiedene Wandervogelgruppen, die wenig oder gar nichts miteinander zu tun hatten.  Manche waren durch Leute gegründet, die aus dem Ursprungsverein herausgeworfen worden waren, weil sie sich nicht mehr an die Grundidee des Vereins hielten.  

Auch viele politische Verbände (vor allem links und rechts außen) und Gewerkschaften nutzten in den 20ern und frühen 30ern die unterschiedlichsten bündischen Gruppen um ihren Nachwuchs und ihre Stammwähler zu rekrutieren und in ihrem Sinne zu schulen. Auch eine uniformierte Vereinsbekleidung und Paraden im militärischen Stil bestanden bei etlichen Gruppen und wurden bei fast allen bis in die frühen 1930er übernommen. 

Das ist kein Markenzeichen für Vereinigungen, die Individualität als hohes Gut ansehen, auch wenn die gerne etwas anderes behaupteten. 

 Die HJ gehörte da selbst dazu und bestand vor der Zusammenschließung und Umbenennung aus dem "Bund deutscher Arbeiterjugend", der "Großdeutschen Jugendbewegung", dem "Bund Ekkehard", dem "Wehrjugendbund Schill" usw. 

Natürlich wurden die bündischen Gruppen als Konkurrenz unter fremder Kontrolle angesehen und deshalb verboten, nach dem die HJ formiert war, das steht außer Frage. 

Die gesamte Idee der HJ, ihrer Strukturierung und ihres Programmplans stammt aber aus der bündischen Zeit und war nichts neues. Auch die Systemidee des Reichsarbeitsdienstes hat ihren Ursprung in weniger individuell geprägten bündischen Kreisen, wie der schlesischen Jungmannschaft (SPD nah), der Jungdeutschen Jugend (Jungdeutscher Orden - liberal DDP nah, Beziehungen nach Frankreich) und einigen Splittergruppen des Wandervogels (unterschiedliche politische Verbindungen). 

Die gehörten alle nicht zu den braunen, forderten aber bereits um 1924 ein einjähriges, "freiwilliges Arbeitslager" für alle Jugendlichen als gesetzliche Pflicht. Angeblich würde es der "Selbständigkeit" dienen, sei ganz "individuell" und "freiwillig", wenn alle Jugendlichen Zwangshilfsarbeit per Gesetz leisten müssen. 

Letztendlich stand dort der Gedanke nach Billigarbeitskräften, Militarisierung und Konditionierung der Jugendlichen für politische Aufgaben im Vordergrund und das aus ganz unterschiedlichen, politischen Richtungen und Parteilager während der 1920er. Ihre Pläne fanden bei der Weimarer-Regierung aber kein Gehör. 

 Es wurde nichts neu erfunden in den 1930ern, nur alles in einer Organisation vereinigt und auf eine Richtung und ein System eingeschworen. Abweichung oder Nichtteilnahme war legal nicht mehr möglich. So wie viele bündische Leiter aller Richtungen sich das auch schon 10 Jahre eher gewünscht hatten, nur verloren die meisten ihren Posten, ihren Einfluss und hatten selbst nichts von dieser Entwicklung.

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Einige Farbige wurden aufgrund ihrer Hautfarbe ebenfalls beim Holocaust ermordet. Der größte Anteil der ermordeten Juden waren im übrigen Polen. Jedoch wurden sie umgebracht, da sie Juden waren. Niemand wurde aufgrund der polnischen Abstammung vernichtet und auch sonst nicht aufgrund einer bestimmten Nationalität - außer natürlich man war ein Zionist. Daneben wurden auch politische Gegner, homosexuelle Männer, Sinti und Roma (Porajmos), religiös nicht NS-konforme Gruppen und psychisch oder physisch Behinderte (Euthanasie) ermordet.

Ergänzung: *außer natürlich man war ein Zionist ODER Sinti und/oder Roma. (Habe ich ja auch aufgezählt)

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2. Ergänzung: Es ist nur die Rede vom Holocaust, nur um das klarzustellen. Bzgl. der Ermordung aufgrund der Nationalität sei sicher z.B. auch auf den Vernichtungskrieg im Osten hingewiesen.

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@Borowiecki Du kannst es auch mit "Viele" ersetzen. Das ist aber meines Erachtens Haarspalterei. Ich jedenfalls weiß nicht, wie viele schwarze Deutsche noch fliehen konnten und welche womöglich im NS-System durchgesickert sind. Zumindest sind einige tausend Schwarze ermordet worden - im Holocaust allein waren es 2000 schwarze Menschen.

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Der dunkelhäutige Hamburger Jung Hans-Joachim Massaquoi überlebte den Holocaust nur mit viel Glück und einigen (wenigen) Deutschen, die ihm behilflich waren. Einer davon war der Publizist Ralph Giordano, der später das sehr aufschlussreiche Buch mit dem Titel:" Wenn H. den Krieg gewonnen hätte", schreiben sollte.

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