Hat Zen-Buddhismus überhaupt wirklich was mit Buddhismus zu tun oder eigentlich fast nur mit Daoismus?

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4 Antworten

Ich selbst bin Zen-Buddhist der Soto-Tradition und würde gerne versuchen, dir bei dieser Fragestellung zu helfen.

Dazu müsste man aber erst einmal wissen, was du denn genau unter "buddhistisch" oder "unbuddhistisch" verstehst. Woran machst du das fest?

Das Vajrayana mit seinen ganzen esoterischen Elementen wie Dakinis, Tantras, Tonglen und Phowa scheint, wenn man den Palikanon als Kriterium für "echten" Buddhismus heranzieht, auch nicht sehr buddhistisch zu sein.

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Kommentar von Till87
18.09.2016, 14:42

Ja, nehmen wir den Palikanon oder auch halt den theravada-buddhismus. Ich hab zumindest den Eindruck gehabt, dass der vajrayana mehr mit dem theravada gemein hat als der zen mit dem theravada. gibt es im zen das Thema Metta oder die vier edlen Wahrheiten? Wie viel Buddhismus steckt in Zen, wie stark ist es vom Daoismus geprägt?

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Es ist eine Mischung von beiden.

Das Aufhören gedanklicher Trennung ist eines der Hauptthemen des Zen-Buddhismus.

Zen ist der geistige Erbe des Taoismus.

Als damals ein indischer Mönch namens Boddhidharma mit der Lehre Buddhas nach China kam, wurde diese sehr stark vom Wissen des Tao beeinflusst.

Da sich in den Grundzügen der Struktur der Schöpfung und der Wesensart des Schöpfers (den die einen Tao, die anderen Buddha-Natur nannten) außer der Namensgebung keine wesentlichen Differenzen ergaben, verschmolzen die Lehre des Gautama, genannt Buddha, und der von Laotse und Dschuang Dsi (Tschuang Tzu) miteinander.

Die Patriarchen des Buddhismus und die Weisen des Tao - und die großen Kernphysiker sagen übrigens übereinstimmend das Gleiche aus: Es gibt keine Teile in unserer Schöpfung, alles gehört organisch zu einem in sich abgeschlossenen Ganzen.

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Kommentar von waseinTag
18.09.2016, 19:20

Kurz und knapp und sehr gut erklärt. Danke! 

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Buddha hat die vier edlen Wahrheiten und den edlen achtfachen Pfad gelehrt und zudem die fünf Sittlichkeitsgelübde formuliert. Das ist die gemeinsame Grundlage aller buddhistischen Strömungen.

Weitere Elemente beruhen beispielsweise auf der Kultur und den Sitten einer bestimmten Zeit und können für die Gegenwart völlig irrelevant sein.

Die verschiedenen Lehren Praktiken innerhalb des Buddhismus sind "geschickte Mittel" (Upaya) um die grundlegende Buddhalehre den verschiedenen Menschen mit unterschiedlichen Eigenschaften zu vermitteln.

Jemand der beispielsweise sehr intellektuell ist, wird seinen Zugang zum Buddhismus eher über eine Tradition mit starker Betonung von Visualisierungen, und anderen mentalen Techniken finden.

Jemand, der eine konkrete, durch Regeln sehr gegliederte Lehre sucht, wird sich vermutlich eher vom Theravada angezogen fühlen.

Jemand, der eine konkrete religiöse Praxis sucht, bei der die theoretische Lehre der Praxis untergeordnet wird, wählt eher Zen als seinen Zugang.

Der Buddhismus ist also weder etwas indisches, noch chinesisches, oder japanisches, sondern ein Weg mit vielen verschiedenen Verzweigungen, die jedoch gemeinsame Grundlagen haben.

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Chan hat etwas mit dem zu tun was man mit einem "Wolkenbruch" beschreiben kann - da geht es hinein.

oder

Was ist Daoismus, was ist Buddhismus?

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