Hat Schopenhauer recht oder nicht?


11.10.2021, 18:50

2 Antworten

sehr richtig.

Eigentlich sogar überflüssig dann extra zwischen "tun wollen" und "wollen wollen" zu trennen. Der Wille kann niemals frei sein, weil man um eine Entscheidung treffen zu können, erstmal vor eine gestellt werden muss. Denn wir können uns nicht entscheiden, wann wir aufwachen wollen, wenn wir gerade schlafen, weil wir wach sein müssten um diese Entscheidung bewusst zu fällen und ebenso wenig können wir augenblicklich Einschlafen, weil das einen Mechanismus auslöst, der noch im selben Moment bewusst "prüft" ob wir schon schlafen und damit dem Vorhaben in die Quere kommt. Man könnte also niemals auch nur die Illusion haben irgendwas zu entscheiden, wenn man nicht durch einen Fremdeinfluss geweckt worden wäre. Dass unser Rechtssystem dennoch Regeln beschließt, Regelbrecher verurteilt und sogar Euthanasie verbietet, also niemandem, der mit den Regeln nicht einverstanden ist, überhaupt die Wahl lässt, sich zu enthalten, ist höchst makaber und könnte nicht weiter von "Willensfreiheit" entfernt sein.

Quatsch! Erstens muss man die Philosphie Schopenhauers mit seiner Grundvorstellung des Willens erklären, wobei diese Urkraft WILLE nichts mit unserem Willen zu tun hat. Im bewussten Kontrast zu Hegel (mit dem er feindlich verbunden war), der als Urbasis allen Seins den ordnenden Geist (bei den Stoikern der Logos) gesetzt hat, hat Schopenhauer einen ungeordneten, chaotischen WILLEN als Urbasis gesetzt. Die Wirkung der chaotischen Urkraft WILLE zeigt sich auch darin, dass Mensch und Tier im Instinkt und emotional handeln und - wie David Hume sagte - die Vernunft nur die Bauchentscheidungen kaschiert.

Aber auch die Annahme eines menschlichen, völlig freien Willens, als ob wir Gott wären, ist eine Krankheit der idealistischen Philosophie mit ihrer an den Geist geklammerten abgehobenen Selbstüberhöhung. Diese Vorstellung ist auch hegelcher Prägung und knallt natürlich hart auf die Gegenthese Schopenhauers. Schopenhauer hätte keine Bücher geschrieben mit Empfehlungen zur Lebensphilosophie, wenn er den Menschen nicht zugetraut hätte, in begrenztem Maße - menschlich eben und nicht unfehlbar göttlich - das eigene Leben mit Vernunft zu regulieren, was ihm selbst ja auch nicht immer gelungen ist. Unfehlbarkeit und völlig selbstkontrollierte Freiheit gibt es nur beim konstruierten Philosophengott (der theologische Christengott ist ein konstruierter und hat mit dem emotionalen JAHWE des alten Testaments nicht zu tun), nicht mal bei den antiken Göttern.

Schopenhauer hat nur Recht, wenn man sich seiner umstrittenen Metaphysik anschließt. Und Roth hat in seiner Ablehnung nur Recht, wenn man der idealistischen Philosophie und ihren Thesen vom höheren geistigen Sein des Menschen folgt. Als Epikureer hat man mit beidem nichts zu tun.

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