Hat Religion in den 70er Jahren in der deutschen Gesellschaft noch eine große Rolle gespielt oder wurde es damals schon liberaler und entspannter?

4 Antworten

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Beides ist richtig. Die Religion hat noch eine große Rolle gespielt, aber es wurde auch deutlich liberaler.

Bis 1969 hatten Aufrufe von der Kanzel, "christlich" zu wählen, noch gewirkt. Die CDU stellte den Regierungschef und die Gesetze waren weitgehend von der Kirche mitbestimmt. 1969 ging mit dem Wahlsieg Willy Brandts tatsächlich ein Ruck durch die Gesellschaft und nicht nur durch Sonntagsreden. Viele Gesetze wurden gegen heftigen Widerstand der Kirchen liberalisiert.

Der Einfluss der Eltern wurde auch immer geringer. Die Jugend rebellierte mit Mode und Musik gegen die alte "Nazigeneration". Viele Jugendliche befreiten sich in der Zeit weitgehend vom Zwang zur Kirche. Auch viele Eltern beschäftigten sich mit dem Thema Erziehung und es kamen Ideen wie antiautoritäre Erziehung mehr und mehr in Mode.

Das war aber nicht überall so. Ein großer Teil der Bevölkerung dachte noch kirchlich-konservativ. In solchen Familien kam es oft zu heftigen Konflikten zwischen Eltern und Sprösslingen.

Ein weiterer großer Teil lebte eine Mischform: nach außen hin fromm und in der Realität ungläubig.

Danke! Ich sehe, dass du aus Hamburg bist. War es dort besonders liberal im Vergleich zu anderen Orten Deutschlands?

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@Witali1989

Die Jugend habe ich allerdings in Süddeutschland verbracht. Man sollte das jeweilige Familienleben aber nicht zu sehr an der Gegend sondern mehr an der Grundeinstellung der Eltern festmachen. Da ging der entstehende Bruch mehr quer durch die Gesellschaft konservativ/progressiv als durch das Land.

Allerdings dürfte es im Anteil konservativ/progressiv traditionelle Unterschiede geben. Hamburg war schon immer antikirchlich eingestellt. Als der Vatikan Mitte des 19. Jhdt. auf die Idee kam, man könne doch wieder (nach der Reformation) einen Bischof nach Hamburg schicken, rissen die Hamburger den (katholischen) Dom einfach ab und das Problem hatte sich erledigt. Insofern fiel es Hamburgern von der Grundeinstellung her leichter, sich noch mehr von der Religion zu lösen.

Im einigen hinterwäldlerischen Dörfern in Oberbayern haben sich die alten kirchlichen/konservativen Wertvorstellungen bis heute gehalten.

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Konfirmandenunterricht war ein muß,jeden Sonntag Kirche ein muß in der Konfirmandenzeit da gab es kein schwänzen.

Ich finde Kirche heute lockerer als früher.

Trotzdem hat Kirche sehr gelitten und die Schäfchen haben sich abgewand was ich auch richtig finde.

Wenn sich Heute unsere Jugend zur Kirche bekennen soll muß viel getan werden.

Die westdeutsche Gesellschaft war nicht "die" deutsche Gesellschaft, denn dazu gehörte noch ein bißchen mehr. In der deutschen Gesellschaft östlich der Elbe-Saale-Linie hat Religion fast keine Rolle gespielt.

Warum war der reiche und gutentwickelte Westen so religiös? Gab es damals Unterschiede zwischen großen und kleineren Städten?

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