Hat man vergeben wenn im Streit alte Verletzungen hoch kommen?

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2 Antworten

Hallo lieber Samuel!

Erstmal WOW - ich finde richtig super von Dir, dass Du Dich entschieden hast GUT mit Dir selbst umzugehen!

Ich finde super von Dir, dass Du Grenzen setzt!!! Das ist Dein gutes Recht! :-)

So leicht kann man gar nicht vergeben, nämlich, wenn der andere sein Verhalten noch gar nicht geändert hat. Wenn Dein Vater immer noch dominant ist, wie willst Du ihm dann vergeben? Das geht dann gar nicht.

Was Du tun kannst: Akzeptiere, dass Deine Familie keine liebevolle Familie ist. Stelle Dich darauf ein, dass von ihnen nicht viel gutes kommt. Dann brauchst Du von ihnen auch nichts erwarten. Und dann wirst Du nicht laufend enttäuscht!

Wenn Du unsachlich warst, kannst Du das natürlich im Nachhinein zugeben, aber ich finde generell läuft das in der Familie immer noch voll daneben ...

Ich würde zusehen, die Aufgaben abzugeben, denn nur weil Du dort geboren wurdest, hast Du keine Plichten zu erfüllen.

Gott hat Dich als freien Menschen geschaffen, und nur Gott gegenüber hast Du Pflichten, um es so mal auf den Punkt zu bringen. ;-)

Wenn Du aber selbst wirklich weiter machen möchtest, wundere Dich nicht wenn es immer wieder Streitigkeiten gibt, und Undankbarkeit.

Auch empfehle ich Dir, GEDULD mit Dir selbst zu haben: Wie viele tausende Verletzungen hast Du von Deinem Vater bekommen??? Und Du sollst mal eben schnell alles vergeben? So geht das nicht ... ich bezweifle, dass Deinem Vater klar ist, was er Euch damit angetan hat, auch wenn es ggf. nicht seine bewusste Absicht war .... Trotzdem hat es Euch immer weh getan. :-(

Aus meiner Sicht bist Du Samuel der Charakter-stärkste von allen in Deiner Familie ...

Hallo Du,

danke für deine netten Worte. Mich würde interessieren wieso du Gott mit ins Spiel bringst und an was für einen Gott du glaubst

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@Samuel19842

Hallo Samuel,

Ja ich glaube an den christlichen Gott, (gehe aber nicht in die Kirche) und in der Bibel werden wir Menschen aufgefordert ganz "wir selbst" zu sein, und uns von den "Fesseln" innerlich zu befreien. Damit ist nicht gemeint, unbedingt allen Kontakt abzubrechen, aber innerlich soll man frei sein. "Alles ist erlaubt, aber nichts soll Euch gefangennehmen".

Ich hatte übrigens auch sehr strenge und rigorose Eltern, und war als Kind und Jugendlicher auch sehr schüchtern. Aber der Gott hat mir später so viel Selbstbewusstsein geschenkt, dass ich mich heute innerlich ganz frei fühle.

Seit vielen Jahren habe ich auch keinen/kaum Kontakt zu meiner Familie, obwohl nicht ich den Abbreche. Aber sie gehen mir aus dem Weg, weil sie es nicht aushalten wenn ich ganz "neutral" und "ohne zu bewerten" ausspreche, wie die Dinge liegen und wie sie gewesen sind. Wenn sie Einsicht zeigen würden, würde ich sogar einem neuen Kontakt eine Chance geben.

Ich weiß, das die meisten Menschen nicht an Gott glauben, aber ich war schon als junger Erwachsener auf der Suche nach ihm, und als ich das erste mal in der Bibel gelesen habe, war ich total beeindruckt von Christi Worte, und das hat mich total überzeugt. Wie soll Gott ein Märchen sein, der aber solch beeindruckende und tiefgreifende Worte der Wahrheit spricht? :-)

Dir Samuel wollte ich eigentlich nur sagen: Sogar von "oben" hast Du den Segen, Dich abzugrenzen. :-))))))

liebe Grüße,
Bernd

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hut ab! du siehst ziemlich klar deine situation und kannst sie verständlich beschreiben. das ist ein wichtiger schritt für den weg in die Selbstständigkeit und Unabhängigkeit.

wenn wir "erwachsen" werden, heisst, aus unserer angestammten rolle heraus wachsen, passt unsere umgebung u.u. nicht mehr zu uns weil sie nicht mitwachsen. das ist ein vollkommen natürlicher und guter Vorgang.

bleibe bei dir und deiner Erkenntnis, dass du wertvoll bist, dass du potential hast, und dass du ein besseres leben möchtest und dafür auch etwas tust.

wenn einer aus der familie "ausschert" passt das übrige familiengefüge nicht mehr und löst bei den anderen angst aus. das gewohnte bricht auseinander, sie verlieren die Kontrolle über dich und es kommen ganz tief sitzende, verdrängte geschichten hoch. auf beiden Seiten. aber das ist ok, DU kannst sie reflektieren, deine geschwister anscheinend nicht so gut.

du weisst, du darfst dir auch hilfe holen, gell? du musst nicht ales alleine durchstehen. es gibt gute professionelle Leute, Therapeuten, Psychotherapeuten, usw.... wenn du etwas geld übrig hast kannst du dir auch ab und zu eine coachingsitzung gönnen um mit jemand aussenstehenden über deine situation zu reflektieren. das tut sehr gut und bringt eine menge Klarheit!

alles gute!!!

Hallo Du!

Danke für die Antwort und die aufbauenden Worte. Ich werde mir Hilfe holen, bin schon dabei, das dauert nur ein wenig. 

Du bist leider nicht auf meine Frage bezüglich der Vergebung eingegangen. Mir ist es sehr wichtig das ich meinem Vater vergebe aber ich erlebe leider das gerade in einem solchen Streit, wenn er sein dominantes Verhalten wieder an den Tag legt die alten Verletzungen hochkommen. Glaubst du man hat dann wirklich Vergeben oder sich das nur eingeredet?

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@Samuel19842

das mit dem vergeben und verzeihen ist so eine Sache. ich sehe es so... eine wunde muss von innen nach aussen heilen. wenn es umgekehrt läuf, entwickelt sich u.u. eiter. 

heisst, wenn wir nicht tief genug unsere wunden heilen, wie auch immer, bechen sie immer wieder auf. ich kann nur verzeihen, wenn ich mir tief genug meine schwachstellen und verwundungen angeschaut habe. das kann jahre dauern oder auch schnell passieren.

nach meinem gefühl steht bei dir noch etwas anderes an bevor du ans vergeben denken kannst.

stelle dich deinem groll und Frust. (das ist der eiter ;)

wenn wir zu früh unseren ärger, Wut, hass zu decken mit der vergebungsMasche (weil wut ja nicht oportun ist in unserer Gesellschaft), machen wir uns etwas vor und bei der nächsten Kleinigkeit ist der ganze sch... wieder da.

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@glasstoepsel

Tolle Antwort Glasstöpsel! Man merkt sofort, dass Du Dich schon mit so einigem in Deinem Leben auseinandergesetzt hast. :-)

Bevor man wirklich verzeihen kann, muss man sich vermutlich auch erst mal abgrenzen, und seinen Ärger und die Wutgefühle zulassen. Durch die Gefühle wirklich durchgehen ... ich überspringe mich da auch gerne... ;-)

Und solange es ständig zu neuen Verletzungen kommt, ist natürlich die Basis zum Verzeihen noch gar nicht gegeben ...

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@GandalfAwA

danke gandalf,

ja mit den Gefühlen haben es die meisten nicht so ganz :-)

vor dem verzeihen kommt das besinnen auf sich selbst. was hat mich so verletzt? was ist die Ursache? meistens haben wir aus unserer kindheit die meisten schrammen erlitten unter denen wir unbewusst immer noch leiden. 

in unseren späteren beziehungen erleben wir diese art von trauma wieder und wieder und geben dem partner die schuld. aber der ist nur der Auslöser und nie der Grund.

wir werden ins kindsein zurück geschmissen und handeln auch so. auch wenn wir 40,50 oder 100 jahre alt sind :-)

für diese themen finde ich therapie sehr hilfreich und verstehe nicht, wie viele es von sich weisen und sagen, ich bin doch nicht bekloppt.

DOCH! sind wir. wir sind alle bekloppt so wie wir uns aufführen :-))

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