Hat Jura etwas mit Philosophie zu tun?

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3 Antworten

Da jedem Gesetz grundsätzlich eine Reflexion über Recht und Moral vorausgeht

Ich bewundere Deinen Idealismus. Ich würde eher behaupten: Da jedem Gesetz grundsätzlich eine Reflexion über Recht und Moral vorausgehen sollte.

Sind wir ehrlich. Die Aufgabe der Juristerei  ist nicht Gesetze zu erstellen (Das tut die Politik, welche hauptsächlich von Partei-Interessen getrieben wird), sondern die Gesetze anzuwenden und --das ist wichtig-- zu erklären. Bei jedem Rechtsgutachten müssen die Juristen mühsam erklären, was  der Gesetzestext in konkreten Fällen eigentlich bedeutet.

Aber zu Deiner Frage: Natürlich ist philosophisches Interesse für das Jura-Studium förderlich. Es gibt tatsächlich ein Studienfach Rechtsphilosophie (sehr zu empfehlen) und außerdem ist die philosophische Disziplin der Hermeneutik (=die Kunst der richtigen Interpretation und des Verstehens über die reine Semantik hinaus) Beide philosophische Teilgebiete sind sehr förderlich für das Verständnis der Juristerei. Machen wir uns nichts vor: Jura ist das Studium mit einem hohen Anteil an auswendig-lernen. Aber die philosophische Denkart ist sehr wichtig für das Verständnis  ,,dahinter".

Reicht diese Antwort auf Deine Frage?

P.S. Ich bin kein Jurist, aber bei der militärische Ausbildung haben wir einen sehr guten Lehrer für Recht gehabt, der immer das ,,warum" vermittelt hat.

Ahzmandius 08.07.2017, 16:53

Gesetze zu befolgen ist die Aufgabe der Exekutive. Die Judikative hat tatsächlich realen Einfluss darauf wie Gesetze aussehen und ob Gesetze überhaupt als solche zugelassen werden (siehe z.B. Verfassungsgericht).

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Ja und nein.

Die Theorie hat tatsächlcih viel mit Philosophie zu tun. Die Praxis eher weniger.

Bsp1:

Notwehr.

Es gibt zu Notwehr verschiedene Theorien.

Eine fordert z.B., dass der jenige, der die Notwehrhandlung vollzieht, dass nur aus dem Grund tut, um sich selbst bzw. ein geschützes Recht zu schützen.

Eine andere Theorie fordert dagegen lediglich, dass ein Angriff stattfindet und der angegriffene die Gefahr abwendet. Welche Intentionen der Angegriffene noch hatte, ist dabei irrelevant (das ist auch die, die in der Praxis Anwendung findet, weil die erste gar nicht umsetzbar wäre).

Bsp2:

Im zweifel für den Angeklagten.

In der Praxis ist das eine feststehde Regel.

In der Theorie wäre auch eine andere Norm denkbar.

Im weiteren Sinne schon, allerdings nicht in allen Bereichen.
Es geht halt viel um Interessenabwägung und Argumentation. Vielleicht hab ich auch nur zu wenig Ahnung von Philosophie, aber da können durchaus philosophische Tendenzen einfließen.
Es geht aber eher um logisches Denken und Verständnis, sowie Arbeit am Text.

ulrich1919 07.07.2017, 10:11

Es geht aber eher um logisches Denken und Verständnis, sowie Arbeit am Text.

Das ist genau das, was in der Philosophie unerlaßlich ist! Du hast offenbar sehr wohl eine Ahnung von Philosophie.

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