Hat jemand Tipps gegen Depressionen?

12 Antworten

Ich versuche dir mal eine etwas medizinisch und weniger sozialtechnische Antwort zu geben:

Damit es wirklich zu einer Diagnose Depression kommt, müssen bestimmte medizinische Kriterien erfüllt werden. Diese sind im internationalen Diagnoseverzeichnis ICD-10 festgehalten, welches auch hierzulande gilt. Die Details findest du hier. Wenn du den Link durchgelesen hast, hast du bestimmt bemerkt, dass ein Kriterium das fortbestehen der im ICD-10 definierten Symptome für mind. 2 Wochen ist. Zuvor spricht man noch nicht von einer Depression.

Wenn wir jedoch davon ausgehen, dass du wirklich eine medizinisch relevante Depression hast, werden unangenehme Zeiten auf dich zukommen. Es gibt zwar diverse Behandlungsmethoden, doch diese sind oft mit Geduld oder Nebenwirkungen verbunden. Einige Beispiele:

  • Sport ist die einzige Selbstbehandlungsmethode, welche von der Schulmedizin anerkannt ist. Sport wirkt stark antidepressiv, doch braucht es viel Überwindung und Durchhaltewille. Nötig sind gemäss Studien mind. 3 Trainingseinheiten an jeweils 20-30min die Woche. Als am effektivsten hat sich Ausdauersport erwiesen. Bis eine Verbesserung der Symptomatik eintritt vergehen bis zu 4 Wochen. Das Problem an Sport ist, dass es extrem viel Überwindung braucht, da depressiven Personen oft der Antrieb fehlt. Da hilft also nur eiserner Wille.
  • Eine Psychotherapie ist bei Depressionen ein elementarer Bestandteil jeder Behandlung. Sie kann als Monotherapie (einzige Methode) oder im Zusammenhang mit anderen Behandlungsmethoden durchgeführt werden. Mit einer Psychotherapie meine ich übrigens eine richtige Psychotherapie mit einem Konzept (z.B. Verhaltenstherapie oder Psychoanalyse) und nicht das Gespräch beim Arzt der einfach Medikamente verschreibt. Das Problem einer Psychtherapie ist, dass es sehr viel Geduld braucht, denn bis eine solche Therapie wirkt können Monate, wenn nicht Jahre vergehen.
  • Bei schwereren Depressionen werden auch Medikamente eingesetzt. Allen voran Antidepressiva aus der Wirkstoffgruppe der SSRI/SNRI. Antidepressiva sind nicht lustig einzunehmen, da sie besonders zu Beginn der Behandlung mit starken Nebenwirkungen verbunden sein können. Weitere Probleme sind, dass man diese Medikamente täglich (also nicht nur bei Bedarf) einnehmen muss, sie erst nach 2-4 Wochen wirken und Ansprechrate besser sein könnte. Manche Menschen erleben durch Antidepressiva wie ein Wunder und sind nach einigen Wochen symptomfrei, andere müssen mehrere Medikamente durchprobieren bis sie eines finden das hilft und wieder andere sprechen nur unzureichend darauf an. Dennoch: Ab einer gewissen Stärke der Beschwerden sind Medikamente fast unausweichlich.
  • Bei schwersten und therapieresistenten Depressionen gibt es noch die Möglichkeit einer Elektrokrampftherapie (EKT). Sie ist das mit Abstand erfolgreichste Mittel um Depressionen zu bekämpfen, allerdings ein ziemlicher Vorschlaghammer. Dem Patienten wird unter Vollnarkose und einem muskelrelaxierenden Mittel ein kurzer Stromimpuls durch das Gehirn geleitet, welcher ein künstlicher generalisierter Krampfanfall auslöst. Dieses Prozedere muss mind. 8-12x wiederholt werden. Doch davon bist du zum Glück noch weit weg.

Auf der Website des obenstehenden Links (Diagnosekriterien nach ICD-10) findest du auch Detailinfos zu den Behandlungsmethoden.

Dein nächster Schritt sollte sein, mit Sport anzufangen und wenn es nach 1-2 Wochen nicht besser wird eine Fachperson (Psychiater oder Psychologe) aufzusuchen. Diese kann dir nicht nur eine genaue Diagnose liefern sonder ggf. auch eine geeignete Behandlung einleiten.

Alles Gute...

PS: Leide selbst unter (zeitweise schweren) Depressionen.

1. Erkenne an, dass du krank bist

2. Sprich mit dir selbst und erlaube dir, so zu sein, wie du jetzt bist

3. Erlaube dir, Rückschläge zu haben

Eine Depression ist im übertragenen Sinne immer ein Weckruf deines Körpers, dass du dich wieder liebevoll mit dir selbst beschäftigen solltest. Dass du deinen Fokus auf Selbsthilfe legen solltest, anstatt weiterhin nur für dein Umfeld, deine Eltern, deinen Partner, deine Kinder und deinen Job zu funktionieren

4.Unterschätzen Sie nicht den Effekt einer gesunden Ernährung und Lebensweise.

 Es klingt banal, aber es wird oft übersehen: Wer gesund lebt, ist meist auch glücklicher. Weil das gut tut. Ernähren Sie sich bewusst, geregelt und gesund mit viel frischem Obst und Gemüse sowie hochwertigem Protein. Achten Sie auf eine umfassende Vitamin- und Mineralstoffzufuhr. 

Dich berieseln zu lassen hilft dir eventuell nicht weiter.

Mein Rat:

Sowenig wie möglich liegen. Liegen verstärkt kraftlosigkeit und negative Gedanken.

Wenn du deine Situation verändern willst, dann gehe raus aus dem Haus. Laufe draussen herum. Gehe Schwimmen oder mache Dinge bei denen du deine Sinne einsetzt.

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