Hat jemand eine Stellungnahme über Feuerbach? oder Tipps und Hilfen?

1 Antwort

Hallo burgerking1,

ich weiß jetzt nicht, was du genau über Feuerbach wissen willst. Sein Werk ist schließlich ziemlich vielseitig. Ich wurde bestreiten, dass es bei ihm eine einheitliche Theorie gibt, weil sein Denken immer wieder Wandlungen durchgemacht hat. Daher versuche ich das zusammen zu fassen, was so am Ende bei ihm rauskommt.

Etwas Oftopic

  • Von deinem Nickname bekomme ich Hunger.
  • Manchmal fände ich es hilfreich, wenn ihr in euren Fragen zur Philosophie schreiben würdet, was man bei euch voraussetzen kann und welche Fachbegriffe man bei der Erklärung benutzen darf.

Idealismuskritik

Wichtig, um Feuerbach zu verstehen, ist seine Kritik am Idealismus und am Rationalismus. Feuerbach kritisiert den Rationalismus Descartes und deutscher Aufklärungsphilosophen, wie Leibniz oder Wolff für ihren Dualismus aus Geist einerseits und Materie andererseits. Dabei geht Feuerbach vor allem auf Descartes ein, den er dafür kritisiert, dass er die Materie abwerte und auf Leibniz, dessen Monadologie er als die Vollendung dieses falschen Weges sieht.

Feuerbach kritisiert jeden Idealismus schon in der Wurzel - sei es Platon (der bedeutendste Philosoph unserer Tradition) oder Hegel (der den jungen Feuerbach sehr beeindruckt hatte). Feuerbach lehnt die idealistische Gleichsetzung von Denken und Sein radikal ab. Im Idealismus wird dem, was in der Vernunft logisch gedacht werden kann, Realität zu gesprochen. In manchen idealistischen Systemen (z.B. bei Platon) wird die materielle Welt sogar ausdrücklich ontologisch abgewertet. Vielleicht kennst du Platons Höhlengleichnis, nach dem die sichtbaren Dinge, nur Trugbilder sind - so etwas bringt Feuerbach so richtig auf die Palme. Grundsätzlich unterstellt Feuerbach allen Idealisten (auch denjenigen, die da nicht so extrem sind, wie Platon), dass sie die Materie abwerten würden.

Damit einher geht eine Kritik an der Möglichkeit rein Erkenntnis. Erkenntnis ist nach Feuerbach nur sensualistisch (d.h. durch die Sinne) möglich. Der (menschliche) Geist spielt bei der Erkenntnis schon eine wichtige Rolle, aber der Geist kann nur das erkennen, was durch die Sinne gegeben wird. Dieses sensualistische Erkenntnisideal hatten schon andere Philosophen vor Feuerbach (z.B John Locke, Thomas Hobbes, David Hume). Das ist eine radikale Kritik (fast) aller Philosophie von den Vorsokratikern bis Hegel, die z.B. auch Kants Vernunftethik ausschließt, wenn man Feuerbach darin zustimmt.

Materialismus

Feuerbach konzipiert einen Materialismus. Nur die Materie ist real. Auch der (menschliche) Geist lässt sich nach Feuerbach letztlich auf materielle Vorgänge zurückführen. Feuerbach vermutet, dass die Wissenschaft dies in der Zukunft vollständig erklären könne (ist bis heute noch nicht der Fall). Dennoch erkennt Feuerbach dem Menschen noch eine Sonderstellung in der Natur zu. Der Mensch ist das Wesen, das zur Moral fähig ist. Feuerbach versucht daher einen Materialismus zu konzipieren, der zugleich ein Humanismus ist. (An dieser Stelle könnte man noch etwas über Feuerbachs Moralphilosophie schreiben - aber damit kenne ich mich leider nicht aus...)

Religionskritik

Meistens wird Feuerbach vor allem wegen seiner Religionskritik erwähnt, obwohl diese weder das originellste, noch das geistreichste Stück seiner Philosophie ist.

Für Feuerbach sind alle Göttervorstellungen, letztlich Projektionen des Menschen: Der Mensch stellt sich einen vollkommen Menschen vor und übersteigert die menschlichen Eigenschaften (Mensch ist Sterblich - ein Gott ist unsterblich; Mensch hat begrenzte Macht - ein Gott ist mächtiger oder allmächtig. Dies nennt man Projektionstheorie. Im Prinzip argumentiert so schon Xenophanes im 6. Jh. v. Chr. Nur Xenophanes konzipiert aus dieser Form der Religionskritik heraus einen philosophisch begründeten Monotheismus...

Das, womit Feuerbach (fast) jedem Gottesglauben, eigentlich den Boden entzieht (wenn man Feuerbach darin zustimmt), ist seine Idealismuskritik und sein Materialismus. Ein (wie auch immer genau zu denkender) Gott kann nicht existieren, wenn man an nimmt, dass nur Materie letztlich real ist.

Ich hoffe, das war halbwegs verständlich. Noch Fragen?

"Damit einher geht eine Kritik an der Möglichkeit rein Erkenntnis"

Es soll "rein rationale Erkenntnis" heißen.

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