Hat jemand eine kurzgeschichte?

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5 Antworten

QUELLE: http://mondamo.de/alt/borchert.htm#01#

Die Küchenuhr

Sie sahen ihn schon von weitem auf sich zukommen, denn er fiel auf.

Er hatte ein ganz altes Gesicht, aber wie er ging, daran sah man, daß er

erst zwanzig war. Er setzte sich mit seinem alten Gesicht zu ihnen auf

die Bank. Und dann zeigte er ihnen, war er in der Hand trug.

Das war unsere Küchenuhr, sagte er und sah sie alle der Reihe nach

an, die auf der Bank in der Sonne saßen. Ja, ich habe sie noch gefunden.

Sie ist übriggeblieben. Er hielt eine runde tellerweiße Küchenuhr vor

sich hin und tupfte mit dem Finger die blaugemalten Zahlen ab.

Sie hatte weiter keinen Wert, meinte er entschuldigend, das weiß ich

auch. Und sie ist auch nicht so besonders schön. Sie ist nur wie ein

Teller, so mit weißem Lack. Aber die blauen Zahlen sehen doch ganz

hübsch aus, finde ich. Die Zeiger sind natürlich nur aus Blech. Und nun

gehen sie auch nicht mehr. Nein. Innerlich ist sie kaputt, das steht

fest. Aber sie sieht noch aus wie immer. Auch wenn sie jetzt nicht mehr

geht.

Er machte mit der Fingerspitze einen vorsichtigen Kreis auf dem Rand

der Telleruhr entlang. Und er sagte leise: Und sie ist übriggeblieben.

Die auf der Bank in der Sonne saßen, sahen ihn nicht an. Einer sah

auf seine Schuhe und die Frau in ihren Kinderwagen. Dann sagte jemand:

Sie haben wohl alles verloren?

Ja, ja, sagte er freudig, denken Sie, aber auch alles! Nur sie hier,

sie ist übrig. Und er hob die Uhr wieder hoch, als ob die anderen sie

noch nicht kannten.

Aber sie geht doch nicht mehr, sagte die Frau.

Nein, nein, das nicht. Kaputt ist sie, das weiß ich wohl. Aber sonst

is sie doch noch ganz wie immer: weiß und blau. Und wieder zeigte er

ihnen seine Uhr. Und was das Schönste ist, fuhr er aufgeregt fort, das

habe ich Ihnen ja noch überhaupt nicht erzählt. Das Schönste kommt

nämlich noch: Denken Sie mal, sie ist um halb drei stehengeblieben.

Ausgerechnet um halb drei, denken sie mal!

Dann wurde Ihr Haus sicher um halb drei getroffen, sagte der Mann

und schob wichtig die Unterlippe vor, Das habe ich schon oft gehört.

Wenn die Bombe runtergeht, bleiben die Uhren stehen. Das kommt von dem

Druck.

Er sah seine Uhr an und schüttelte überlegen den Kopf. Nein, lieber

Herr, nein, da irren Sie sich. Das hat mit den Bomben nichts zu tun. Sie

müssen nicht immer von den Bomben reden. Nein. Um halb drei war ganz

etwas anderes, das wissen Sie nur nicht. Das ist nämlich der Witz, daß

sie gerade um halb drei stehengeblieben ist. Und nicht um viertel nach

vier oder um sieben. Um halb drei kam ich nämlich immer nach Hause.

Nachts, meine ich. Fast immer um halb drei. Das ist ja gerade der Witz

Er sah die anderen an, aber die hatten ihre Augen von ihm weggenommen.

Er fand sie nicht. Da nichte er seiner Uhr zu: Dann hatte ich natürlich

Hunger, nicht wahr? Und ich ging immer gleich in die Küche Da war es

dann immer fast halb drei. Und dann, dann kam nämlich meine Mutter. Ich

konnte noch so leise die Tür aufmachen, sie hat mich immer gehört. Und

wenn ich in der dunklen Küche etwas zu essen suchte, ging plötzlich das

Licht an. Dann stand sie da in ihrer Wolljacke und mit einem roten Schal

um. Und barfuß. Immer barfuß. Und dabei war unsere Küche gekachelt. Und

sie machte ihre Augen ganz klein, weil ihr das Licht so hell war. Denn

sie hatte ja schon geschlafen. Es war ja Nacht.

So spät wieder, sagte sie dann. Mehr sagte sie nie. Nur: So spät

wieder. Und dann machte sie mir das Abendbrot warm und sah zu, wie ich

aß. Dabei scheuerte sie immer die Füße aneinander, weil die Kacheln so

kalt waren. Schuhe zog sie nachts nie an. Und sie saß so lange bei mir,

bis ich satt war. Und dann hörte ich sie noch die Teller wegsetzen,

wenn ich in meinem Zimmer schon das Licht ausgemacht hatte. Jede Nacht

war es so. Und meistens immer um halb drei. Das war ganz

selbstverständlich, fand ich, daß sie mir nachts um halb drei in der

Küche das Essen machte. Ich fand das ganz selbstverständlich. Sie tat

das ja immer. Und sie hat nie mehr gesagt als: So spät wieder. Aber das

sagte sie jedesmal. Und ich dachte, das könnte nie aufhören. Es war mir

so selbstverständlich. Das alles war doch immer so gewesen.

Einen Atemzug lang war es ganz still auf der Bank. Dann sagte er

leise: Und jetzt? Er sah die anderen an. Aber er fand sie nicht. Da

sagte er der Uhr leise ins weißblaue runde Gesicht: Jetzt, jetzt weiß

ich, daß es das Paradies war. Auf der Bank war es ganz still. Dann

fragte die Frau: Und ihre Familie?

Er lächelte sie verlegen an: Ach, Sie meinen meine Eltern? Ja, die

sind auch mit weg. Alles ist weg. Alles, stellen Sie sich vor. Alles

weg.

Er lächelte verlegen von einem zum anderen. Aber sie sahen ihn nicht an.

Da hob er wieder die Uhr hoch und er lachte. Er lachte: Nur sie

hier. Sie ist übrig. Und das Schönste ist ja, daß sie ausgerechnet um

halb drei stehengeblieben ist.

Ausgerechnet um halb drei.

Dann sagte er nichts mehr. Aber er hatte ein ganz altes Gesicht. Und

der Mann, der neben ihm saß, sah auf seine Schuhe. Aber er sah seine

Schuhe nicht. Er dachte immerzu an das Wort Paradies.

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Ja, ich habe welche.

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Was für eine denn?

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Kommentar von kuchenschachtel
01.03.2016, 18:27

Sorry da war ein fehler, füge die erklärung dazu noch ein :)

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Das Buch Die Welle von Morton Rhue ist ne tolle Kurzgeschichte ! Kann ein flotter Leser sogar an einem Tag lesen !

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Kommentar von Aleqasina
01.03.2016, 18:30

Das ist aber keine Kurzgeschichte, sondern ein kürzerer Roman. ein e Kurzgeschichte hat man normalerweise in einer halben Stunde durch.

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